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Politik „Deutschland muss aufhören, Waffen an die Türkei zu verkaufen“
Nachrichten Politik „Deutschland muss aufhören, Waffen an die Türkei zu verkaufen“
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06:26 23.03.2018
„Als Bürger dieses Landes“ – Kurden protestieren vor dem Reichstag. Quelle: Foto: imago
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Berlin

Heute noch, dann werden sie ihren Stand räumen. Dann werden die drei Dutzend kurdischen Aktivisten vor dem Bundestag ihre Transparente einrollen und die Thermoskannen einpacken. Sie werden die Plastikumhänge mit der Aufschrift „Hungerstreik“ abstreifen und von dannen ziehen – aber dabei nicht gänzlich unzufrieden sein. Denn im Bundestag hat sich in dieser Woche etwas ereignet, das sich viele Deutschkurden seit Wochen schon gewünscht haben.

„Bei allen berechtigten Sicherheitsinteressen der Türkei ist es inakzeptabel, was in Afrin passiert“, sagte die Bundeskanzlerin in ihrer Regierungserklärung am Mittwoch. Angela Merkel verurteilte die türkische Militäroffensive in Nordsyrien „auf das Schärfste“.

„Merkel hat den Krieg gegen die Kurden zum ersten Mal kritisiert. Das ist gut“, sagt Melek ­Yula auf dem matschweichen ­Rasen vor dem Bundestag. „Das reicht aber nicht. Deutschland muss damit aufhören, Waffen an die Türkei zu verkaufen.“ Melek Yula ist, wie Abertausende Kurden in Deutschland, aufgewühlt von den Schreckensbildern in den sozialen Netzwerken, die das Leiden der kurdischen Zivilbevölkerung in Nordsyrien in Echtzeit übermitteln. Nicht alle hier vor dem Bundestag Versammelten haben Wurzeln in der Region. Dennoch ist die Solidarität groß. „Man muss kein syrischer Kurde sein, man muss nicht einmal Kurde sein, um diesen Krieg zu verurteilen“, sagt Melek Yula.

„Wir kritisieren die Regierung als Bürger dieses Landes“

Die Verbitterung der Deutschkurden ist groß. Sie fühlen sich im Stich gelassen, trotz des opferreichen Kampfes ihrer Landsleute gegen den IS. „Die Kurden sind die Leidtragenden der deutsch-türkischen Annäherung“, sagt Ali Cicek. Der 23-jährige Student organisiert derzeit Proteste in deutschen Städten, darunter auch den für Sonnabend geplanten „Internationalen Aktionstag für Afrin“. „Seit dem Berlinbesuch des türkischen Außenministers vor einem Monat nehmen die Repressionen gegen Deutschkurden spürbar zu“, klagt Cicek. Er verweist auf das in Hannover zunächst verbotene Neujahrsfest, auf Razzien in Vereinszentren wegen mutmaßlicher Verbindungen zur PKK, auf verhaftete Demonstranten. „All das irritiert viele Kurden – schließlich sehen viele von uns Deutschland als ihre Heimat an.“

1,2 Millionen Kurden leben hier, sie stellen nach der türkisch- und der russischsprechenden die drittgrößte Migrantengruppe. „Wir kritisieren die Regierung als Bürger dieses Landes“, sagt Ali Ertan Toprak, Vorsitzender der kurdischen Gemeinde in Deutschland. Er erhält jetzt viel Solidaritätspost. „Erstmals sind es nicht nur Linke, die uns schreiben. Die Unterstützung reicht bis in konservative Kreise hinein“, sagt er. „Das tut gut.“

Von Marina Kormbaki/RND

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