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Politik „Deutschland muss bis 2030 aus der Braunkohle aussteigen“
Nachrichten Politik „Deutschland muss bis 2030 aus der Braunkohle aussteigen“
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20:11 13.09.2018
Mitglied der Klimakommission: Hans Joachim Schellnhuber CBE, Direktor des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Herr Schellnhuber, wie wirkt sich die Räumung des Hambacher Waldes auf die Arbeit der Kohlekomission aus?

So etwas ist auf jeden Fall nicht hilfreich. Die Kommission ist ein interessantes Experiment der Regierung. Sie besteht neben politischen Vertretern auch aus Umweltverbänden, Bürgerinitiativen, Industrieverbänden und unabhängigen Experten. Dieses zivilgesellschaftliche Forum soll eine Empfehlung abgeben, die die Regierung umsetzen will. Bei der Suche nach einem vernünftigen Kompromiss sollen die verschiedenen Interessenkonflikte auf den Tisch kommen. Wenn ich da aber ein Störfeuer lege, also wie RWE eine Provokation betreibe, wird das Klima in so einem Gremium natürlich empfindlich gestört.

Einige Umweltverbände haben nun gedroht, die Kommission zu verlassen. Könnte das sogar das Ende des Gremiums bedeuten?

Zumindest ist das Ziel in Gefahr, bis Dezember dieses Jahres eine Empfehlung an die Regierung abzugeben.

Und das bedeutet?

Die Kohlekommission dient als wichtiges Beispiel auch für weitere Entscheidungen. Wenn wir nicht zu einem vernünftigen Ergebnis kommen und Deutschland nicht zügig aus der Kohleenergie aussteigt, können wir unsere gesamten Klimaziele nicht einhalten. Vom ersten Ziel, die Treibhausgasemissionen bis 2020 um 40 Prozent zu senken, sind wir noch meilenweit entfernt.

Welche Rolle spielt dabei der Ausstieg aus der Kohleenergie?

Sie ist das schädlichste Element für unser Klima. Die schmutzigen alten Braunkohlekraftwerke blasen wesentlich mehr klimaschädliches Kohlendioxid in die Luft als beispielsweise fossile Gaskraftwerke, die den Übergang zu den alternativen Energien unterstützen.

Wie viel Einigkeit herrscht darüber in der Kohlekommission?

Dass wir den Ausstieg aus klimawissenschaftlicher Sicht brauchen, ist allgemein verstanden. Es geht aber um das Wie und Wann. Wenig zielführend ist vor allem, wenn manche der mehr als 50 Staatssekretäre und Minister der jeweiligen Bundesländer behaupten, dass die Demokratie in Deutschland zusammenbricht, wenn die Braunkohleverstromung schnell endet. Dabei wäre dieser Ausstieg wesentlich einfacher, verglichen mit dem, was danach kommt.

In vielen Regionen gerade in Nordrhein-Westfalen ist Kohle dennoch mit positiven Assoziationen besetzt.

Es geht dabei nur um knallharte wirtschaftliche Interessen von mehreren Investoren. Unter dem Hambacher Wald beispielsweise liegt ein enormes Kohlereservoir, das RWE ausheben will. Wir Wissenschaftler können nur immer wieder versichern: Die Energieversorgung in Deutschland ist auch ohne Braunkohle gesichert. Auch die Effekte auf die Arbeitsplätze wären vergleichsweise gering.

Mit welchem Ergebnis rechnen Sie, wenn die Kohlekommission weiter Bestand hat?

Aus klimawissenschaftlicher Sicht muss Deutschland bis 2030 aus der Braunkohle aussteigen. Es würde mich aber nicht wundern, wenn das Ziel am Ende bei 2045 liegt.

Von Sonja Fröhlich

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