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Politik Die AfD von Ängsten getrieben
Nachrichten Politik Die AfD von Ängsten getrieben
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15:25 23.04.2017
Alice Weidel und Alexander Gauland sind die Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl. Quelle: dpa
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Köln

Blass, frustriert und hochschwanger hat Frauke Petry sich ohne Not in die politische Bedeutungslosigkeit befördert. Sie und ihr engster Berater und Ehemann Marcus Pretzell haben sich verzockt. Sie glaubten, die Partei unter Druck setzen zu können. Aber die wollte weder über ihre künftige Strategie debattieren, noch sich mit einem Antrag befassen, der die AfD von „rassistischen, antisemitischen, völkischen und nationalistischen Ideologien“ befreien wollte.

Die Partei, wie sie in Köln zusammen gekommen ist, wollte vor allem zweierlei nicht: sich auf irgendetwas festlegen und sich von ihrer Vorsitzenden gängeln lassen. Petry hat die AfD mit den frühen Grünen verglichen. und die Partei zahlt es ihr heim, indem sie sich genau so verhält: Alles ist erlaubt – und im Zweifel gegen die Parteiführung.

Der Einzige, der sich hier durchsetzen kann, war der alte Grantler Gauland, der nun zusammen mit Alice Weidel das Spitzenteam bildet. Dieses hat er durch Drohungen und Versprechungen durchgebracht und fordert nun ein Ende jeder Debatten. Denn die Fixierung auf Gauland/Weidel ist riskant. Sie ist wirtschaftsliberal und lesbisch, und damit ein rotes Tuch für die nicht wenigen homophoben Extremrechten, gerade in ihrem eigenen Landesverband.

Auch Gauland, der völkische Tweedträger, ist nicht unumstritten. Ausgerechnet er, der Bildungsbürger, muss jetzt den Sozialonkel geben und die AfD für die „kleinen Leute“ wählbar machen?

Eines aber eint alle Strömungen in der AfD des Jahres 2017: Nationalisten sind sie alle, daran hätte auch Petry nichts geändert. Jörg Meuthen, der einst als Lucke-Überbleibsel galt, kassierte den meisten Applaus des Parteitags für den absurden Satz: „Wenn ich durch meine Stadt gehe, sehe ich nur noch vereinzelt Deutsche.“

Die AfD wird von ihren Ängsten zusammengehalten. Sie ersetzen jede Strategie. Deshalb wurde Frauke Petrys Antrag auch als das entlarvt, was er war: Ein Angriff auf ihre innerparteilichen Konkurrenten Gauland, André Poggenburg und Björn Höcke. Mit ihr hätte die Partei versucht, salonfähig zu werden. Mit Weidel und Gauland versucht sie es nach außen auch, bleibt nach innen aber eine Sammelbewegung von enttäuschten Konservativen, smarten Nationalisten und leicht verbrämten Rechtsextremen.

Die AfD bleibt unberechenbar und damit gefährlicher und gefährdeter zugleich. Und Petry segelt nur noch unter eigener Flagge.

Von Jan Sternberg/RND

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