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Politik Die Antwort der Berliner auf den Terror
Nachrichten Politik Die Antwort der Berliner auf den Terror
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18:49 26.12.2016
Eine klare Botschaft der Berliner an die Islamisten: Liebe ist stärker als Hass. Quelle: imago
Hannover

Papa, geht es dir gut?“ So fragte nach dem Anschlag eine besorgte Tochter ihren in Berlin lebenden Vater. Der alte Mann schob alle Terrorängste beiseite: „Ich bin 1944 im Lazarettzug am Bahnhof Zoo angekommen. Die können mich alle mal. Ich gehe jetzt einkaufen.“

Nicht nur die Älteren in Berlin schalten auf stur. Der Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz war über die Feiertage gut besucht. Alt-Berliner, Neu-Berliner und ihre Gäste sangen „We are the world“. Fremde lagen einander gerührt in den Armen. In die Trauer mischte sich auffallend viel Trotz. Rapper hoben den Mittelfinger, der Youtuber Rayk Anders versicherte dem Täter: „Die Berliner halten dich nicht nur aus, sie scheißen auf dich – genauso wie auf deine möglichen Hintermänner oder jeden, der da noch kommen mag.“

Die Antwort Berlins auf den Terror ist: Berlin

Eine Woche nach dem Anschlag blickt Deutschland auf eine zweigeteilte Bilanz. Während auf der Ebene der Politik noch gerungen wird um die richtigen Maßnahmen und die richtige Tonlage, haben die Berliner bereits auf ganz eigene Art reagiert. Die Antwort Berlins auf den Terror ist: Berlin.

Diese Stadt ist in der Tat emotional nicht so leicht aus den Angeln zu heben. Ihre oft schwer erträgliche Berliner Schnauze erscheint nun als Stärke, ihre oft komplizierte Weltoffenheit wirkt nun als stabilisierendes Element.

Zusammenrücken über Ländergrenzen hinweg

New York, Madrid, Paris: Anfangs feierten die Islamisten die Globalisierung ihres Terrors. Doch in dieser Globalisierung liegt stets auch ein Stück Relativierung. Im Januar dieses Jahres, bei einem Bombenanschlag des „Islamischen Staats“ in Istanbul, starben zwölf Deutsche, vorige Woche in Berlin waren es sieben Deutsche; fünf weitere Opfer stammten aus Tschechien, der Ukraine, Italien, Israel und Polen. Hier wie dort bekamen alle Gutwilligen vor Augen geführt, dass sie wohl enger zusammenrücken müssen, über alle nationalen, religiösen und kulturellen Grenzen hinweg.

In Berlin kommt die historische Dimension hinzu. Diese Stadt, es ist nicht ihr Verdienst, aber eben doch ihr Schicksal, hat schon weiß Gott mehr Böses gesehen, als ihr jetzt geboten wurde. Anis Amri, vormals Dieb, Brandstifter und Schläger, verübte seinen jämmerlichen Anschlag vor der Gedächtniskirche, im Schatten eines weltbekannten Mahnmals gegen den Krieg.

Sein Tatort: Breitscheidplatz. Dessen Namensgeber, der liberale Sozialdemokrat Rudolf Breitscheid, ein einstiger Innenminister, wurde von den Nazis ins Konzentrationslager gesperrt, zusammen mit seiner Frau.

Berlin ist, ob man die Reste der Mauer betrachtet oder das Denkmal für die ermordeten Juden Europas, voller Warnungen vor einer Rückkehr zu Totalitarismus und Menschenrechtsverletzungen. Die Berliner haben ihre Lektionen gelernt. Und sie haben, darin liegt in düsterer Zeit etwas Positives, daraus ihre Schlüsse für die Gegenwart gezogen.

Von RND/Matthias Koch

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