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Nachrichten Politik Diese Staatssekretärin eckt mit Vorsatz an
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20:00 24.11.2017
Marlène Schiappa. Quelle: imago/PanoramiC
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Paris

Zumindest kennen die Leute sie. Anders als viele ihrer Kabinettskollegen gehört Marlène Schiappa zu den neuen Gesichtern der Politik, die sich in Frankreich eingeprägt haben. Das verdankt die Staatssekretärin für Gleichheit zwischen Männern und Frauen einerseits ihrem leidentschaftlichen Einsatz für Gesetzesprojekte, die vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussionen um sexuelle Belästigung und Diskriminierung von Frauen verstärkt Aufmerksamkeit bekommen. Zu diesem Thema hält Präsident Emmanuel Macron am heutigen Samstag, dem Tag gegen Gewalt an Frauen, eine Rede.

Ein Hang zur Provokation

Schiappas Berühmtheit ist andererseits aber wohl auch ihrem attraktiven Äußeren geschuldet. Sie erklärte einmal, Artikel über sich selbst in zwei Stapel zu ordnen: Jene, die sich mit ihrem Aussehen beschäftigen und die anderen, die wirklich Inhalte aufgreifen. „Höher ist immer der Stapel mit Berichten, in denen es um meine langen, offen getragenen Haare geht, meine Ohrringe, die rot lackierten Nägel…“

Darüber hinaus fällt die 35-Jährige auf, weil sie provoziert mit einer forschen, manchmal vorschnellen Art. Einmal warnte sie vor der „alarmierenden Zahl der Dammschnitte bei Geburten in Frankreich“ von 75 Prozent – bis herauskam, dass die korrekte Zahl wohl eher 27 ist. Schlecht kam auch jene Fotoserie an, in der sie nachts alleine in einem Pariser Viertel spazieren ging, wo Anwohnerinnen sich über Belästigungen beklagt hatten. „Die Gesetze der Republik beschützen die Frauen, sie gelten zu jeder Stunde und an jedem Ort“, schrieb die Staatsministerin dazu auf Twitter.

Gegenüber Kritik reagiert die Staatssekretärin selbstbewusst: „Was die Rechte von Frauen angeht, wurde noch nie etwas im allgemeinen Konsens erreicht. Umso besser, wenn Polemiken zur Debatte anregen.“ Den Kopf ziehe sie nicht ein, bereite ihre Gesetzesvorhaben für 2018 vor, wie die Verlängerung der Verjährungsfrist für sexuellen Missbrauch oder Vergewaltigung von Minderjährigen von 20 auf 30 Jahre. Sie will Belästigung auf der Straße unter Strafe stellen, den Mutterschaftsurlaub auf Selbstständige ausweiten und künstliche Befruchtung allen Frauen ermöglichen, auch Singles und lesbischen Paaren.

Vom Stadtrat in die Staatsregierung

Das führt zu Widerstand und sogar persönlichen Angriffen. Inzwischen blockiere sie zuhause den Internet-Zugang, damit ihre fünf und zehn Jahre alten Töchter die Hassbotschaften an sie nicht zu lesen bekommen, erzählte Schiappa in einem Interview. Ihre Gegner störe, dass sie nicht in das typische Politiker-Schema passe: „Ich bin eine Frau, jung, in einem sozialen Brennpunkt aufgewachsen, habe keine Eliteschulen besucht und keine Universitätsausbildung.“ Nach Jobs unter anderem als Museumsführerin und in einer Kommunikationsagentur, wo sie unter der schwierigen Vereinbarkeit von Job und Kinderbetreuung litt, gründete Schiappa 2008 die Vereinigung „Mama arbeitet“ („Maman travaille“), aus der ein Netzwerk beruflich aktiver Mütter wurde, schrieb für diverse Blogs und verfasste Bücher zu dem Thema.

2014 wurde sie in den Stadtrat von Le Mans gewählt, war als stellvertretende Bürgermeisterin für Geschlechtergleichheit zuständig und übernahm diese Rolle 2016 auch für Macrons Bewegung „En Marche!“ (aus der nach seiner Wahl die Partei „La République en marche“ wurde). In dessen Bemühen, Vertreter der Zivilgesellschaft und nicht nur reine Parteipolitiker in die Regierung zu holen, schien Schiappa als Idealbesetzung. Trotz ihres offenen Mundwerks – oder gerade deshalb.

Von Birgit Holzer/RND

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