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Nachrichten Politik EU verspricht eine neue Zukunft auf den Äckern
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17:23 12.12.2017
Das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat wird in der EU für weitere fünf Jahre erlaubt.   Quelle: epd
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Brüssel

 Nach dem monatelangen Krach um Glyphosat war der gestrige Akt eigentlich nur noch Routine: Da die Vertreter der Mitgliedstaaten Ende November der weiteren Nutzung des Unkrautvernichters Glyphosat zugestimmt hatten, verlängerte die EU-Kommission die Zulassung für fünf Jahre – und sorgte gleich wieder für heftigen Streit.

Denn am Kernsatz des Bescheids werden sich die Gegner stoßen: „Nach einer gründlichen wissenschaftlichen Bewertung aller verfügbaren Daten über Glyphosat mit dem Ergebnis, dass es keinen Zusammenhang zwischen Glyphosat und Krebserkrankungen bei Menschen gibt, hat die Kommission heute einer Erneuerung der Genehmigung für fünf Jahre zugestimmt.“

EU will Abhängigkeit von Pestiziden verringern

Das wird für Ärger sorgen. Schließlich bestreitet nicht nur die Internationale Krebsforschungsagentur der Vereinten Nationen diese Darstellung. Dort hält man einen Zusammenhang zwischen dem Herbizid und Krebs zumindest für „wahrscheinlich“. Tatsächlich sind die Fronten noch keineswegs besänftigt.

Zum ersten Mal meldete sich am Dienstag die EU-Agentur für Lebensmittelsicherheit (Efsa) selbst zu Wort und warf den Kritikern vor, persönliche Überzeugungen über wissenschaftliche Gutachten zu stellen. Menschen, die Glyphosat ablehnten, befänden sich „in einem Konflikt zwischen Fakten und ihren eigenen Werten, aber anstatt ihre Werteinstellungen zu ändern, versuchen sie, die Fakten in Verruf zu bringen“, sagte Efsa-Direktor Bernard Url. Und weiter: „Bei allem, was wir heute wissen, ist Glyphosat wahrscheinlich nicht krebserregend.“

Die Brüsseler Kommission weiß inzwischen aber auch, dass sie mit den Gegnern reden muss. Der Vizepräsident der Behörde, Frans Timmermans, begrüßte gestern sogar die Europäische Anti-Glyphosat-Bürgerinitiative, die von über einer Million EU-Wählern unterstützt wurde und versprach mehr Transparenz, um zu zeigen, wie Entscheidungen in diesem Bereich eigentlich zustande kommen. Mehr noch: „Bereits jetzt arbeitet die EU daran, die Abhängigkeit von Pestiziden zu verringern und eine pestizidfreie Zukunft zu gestalten.“

Glyphosat-Gegner fordern mehr Transparenz

Man werde im nächsten Jahr einen Vorschlag machen, um die in den einzelnen Mitgliedstaaten festgelegten Indikatoren für Risiken durch den Glyphosat-Gebrauch europäisch zu harmonisieren, so dass diese dann überall gelten. Wie das allerdings nach dem monatelangen Stillstand zwischen den Ländern, der nur durch den koalitionspolitischen Ungehorsam des deutschen Landwirtschaftsministers durchbrochen wurde, gehen soll, ist noch nicht absehbar.

Allerdings kündigte Timmermans auch neue Regeln für die Arbeit der Efsa an. Denn die Glyphosat-Gegner hatten von Brüssel gefordert, für die wissenschaftliche Bewertung künftig nur noch veröffentlichte Studien zuzulassen, die von den zuständigen Behörden und nicht von der „Pestizidindustrie“ in Auftrag gegeben wurden. So weit wollte die EU-Behörde zwar nicht gehen, versprach jedoch, künftig alle Erhebungen, die für eine Entscheidung relevant seien, offenzulegen.

EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis forderte die Mitgliedstaaten dazu auf sicherzustellen, den Pestizid-Einsatz sich im Rahmen zu halten. Diese Stoffe dürften „nur nachhaltig und entsprechen der Anweisungen auf dem Etikett verwendet werden.“ Der Appell hat einen Grund. Bei der Verwendung von Glyphosat im öffentlichen Raum (in Parks, am Rand von Spielplätzen, Wanderwegen oder auch entlang der Bahngleise) ist es nach Angaben aus Brüssel immer wieder auch zu „nicht sachgerechtem Gebrauch“ gekommen.

Von Detlef Drewes / RND

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