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Politik Ein Toter und mindestens 760 Verletzte bei Unruhen
Nachrichten Politik Ein Toter und mindestens 760 Verletzte bei Unruhen
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22:49 08.12.2017
Auch in der Stadt Nablus kommt es zu Ausschreitungen. Quelle: imago/Xinhua
Jerusalem

Aufruhr im Heiligen Land: Nach der Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels durch die USA ist bei Unruhen in Jerusalem und den Palästinensergebieten ein Mann getötet worden. Mindestens 760 Menschen wurden verletzt, rund 261 davon erlitten Schusswunden, wie das palästinensische Gesundheitsministerium in Gaza und der palästinensische Rettungsdienst Roter Halbmond am Freitag mitteilten. Bei dem Todesopfer handelt es sich um einen Palästinenser. Am Abend fing Israel eine Rakete aus dem Gazastreifen ab, wie die Armee mitteilte.

Das israelische Militär bestätigte, dass es am Grenzzaun zum Gazastreifen gezielt auf zwei Personen geschossen habe. Diese hätten den Rest der Menge aufgestachelt, hieß es. Auch in Bethlehem und Ramallah im Westjordanland warfen Palästinenser Steine auf Soldaten, die mit Gummigeschossen, Tränengas und teilweise auch mit scharfer Munition reagierten. Demonstranten steckten auch Autoreifen in Brand, über den Städten hing dichter schwarzer Rauch.

Aus Ost-Jerusalem wurden zunächst keine größeren Krawalle gemeldet. Israel hatte dort das Sicherheitsaufgebot rund um die Al-Aksa-Moschee, einem der wichtigsten Heiligtümer für Muslime, verstärkt. Prediger Scheich Jussef Abu Sneineh sagte den rund 27 000 Gläubigen beim Freitagsgebet, Jerusalem werde immer eine muslimische und arabische Stadt bleiben. Rund 2000 Menschen versammelten sich anschließend vor dem Gebäude. Sie riefen: „Mit unserer Seele und unserem Blut werden wir die Al-Aksa-Moschee verteidigen.“

Weltweit skandieren Muslime gegen die USA

„Heute, am 30. Jahrestag der ersten Intifada (Palästinenseraufstand), erhebt sich unser Volk in Ablehnung gegen die Erklärung von Trump“, sagte Achmad Bahar, ein führender Hamas-Vertreter, während der Gebete am Freitag in Gaza. „Jerusalem ist die Hauptstadt Palästinas und auch die Hauptstadt der Araber und Muslime.“

In vielen Staaten in der muslimischen Welt verbrannten Gläubige US-Flaggen und stampften auf Bildern von Trump herum. In Ländern wie dem Iran, Ägypten, der Türkei bis nach Malaysia strömten die Gläubigen nach den Freitagsgebeten zu Tausenden auf die Straßen und riefen Parolen gegen die USA und Israel. Oft marschierten sie dabei zu den US-Botschaften, an denen in Erwartung der Proteste die Sicherheit verstärkt worden war.

Teilnehmer von Kundgebungen in der Türkei schwenkten palästinensische Flaggen und skandierten Parolen wie „Mörder USA“. Im Iran verbrannten Demonstranten US-Flaggen. Der tunesische Präsident Beji Caid Essebsi bestellte den US-Botschafter ein. In Europa organisierte die Islamische Gemeinschaft Milli Görüs nach eigenen Angaben in 14 EU-Hauptstädten Aktionen vor US-Botschaften und Parlamenten und machte den Status Jerusalems zum Thema der Freitagspredigt in ihren Moscheegemeinden.

Von dpa/AP/RND

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