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Ein Zeichen von Volk zu Volk

Kommentar zur Illumination des Brandenburger Tors Ein Zeichen von Volk zu Volk

Britische Medien nannten das Bild aus Berlin „stunning“, atemberaubend. Nach dem Terroranschlag in London am 23. März erstrahlte das Brandenburger Tor abends in den Farben der britischen Flagge. Das gleiche Signal hätte Berlin am 3. April auch den Russen senden können. Dass es auch anders geht, zeigte am Abend Dresden.

Nach dem Terroranschlag in London leuchtete das Brandenburger Tor abends in den Farben der britischen Flagge – eine vergleichbare Solidaritätsbekundung blieb nach dem Anschlag in Russland aus.
 

Quelle: imago

Hannover. Britische Medien nannten das Bild aus Berlin „stunning“, atemberaubend. Nach dem Terroranschlag in London am 23. März erstrahlte das Brandenburger Tor abends in den Farben der britischen Flagge. Das gleiche Signal hätte Berlin am 3. April auch den Russen senden können. Doch nach dem  Terror in St. Petersburg hat der Berliner Senat nicht nur eine Gelegenheit verpasst und es nicht getan. Er hat auch eine angreifbare Begründung nachgeliefert – und damit alles noch schlimmer gemacht.

Man kann ganz generelle Bedenken haben gegen diese Illuminationen. Geben wir damit nicht einer menschenverachtenden Tat eine noch größere globale Resonanz? Installieren wir auf diese Art gar eine Art Registratur des Terrors?

Doch letztlich sollen ja diese nächtlichen Lichtzeichen aus großen Metropolen gar nichts Amtliches aussagen oder etwas Politisches. Sie haben rein emotionale Bedeutung – und sind deswegen so sympathisch. Hey, ihr da heute Abend im Land X oder Y, wir hier in Berlin denken an euch und stehen an eurer Seite.

Es geht um etwas Diffuses, aber Wichtiges, die Gefühlslage zwischen Völkern. Genau deshalb hätte Berlin am Abend des 3. Aprils das Brandenburger Tor unbedingt auch in den Farben Russlands beleuchten sollen.

Man habe aber keine Städtepartnerschaft mit St. Petersburg, sagte ein Senatssprecher anderntags zur Begründung. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller habe Ende März „die Entscheidung getroffen, dass nur infolge eines Terrorakts in einer Partnerstadt das Brandenburger Tor angestrahlt wird“. Kleinkarierter geht es nicht. Und auch nicht schwammiger: Denn „begründete Ausnahmefälle“ könne es immer noch geben. Nach dem Massaker in einem Schwulenclub in Orlando (USA) war das Brandenburger Tor illuminiert, ohne dass es eine Städtepartnerschaft gab. In diesem Fall hatte der Berliner Senat sogar ausreichend Fantasie, um sich eine Beleuchtung des Brandenburger Tors in den Regenbogenfarben der Schwulen- und Lesbenbewegung auszudenken. Nach dieser Vorgeschichte muss selbst der gutmütigste und deutschenfreundlichste Russe den Eindruck bekommen, in Berlin werde mit zweierlei Maß gemessen. Dass es auch anders geht, zeigte die sächsische Landeshauptstadt Dresden am Dienstagabend. Man strahlte den Kulturpalast in den russischen Farben an.

Der Dresdner Kulturpalast in den russischen Farben.

Der Dresdner Kulturpalast in den russischen Farben.

Quelle: dpa

In Berlin übrigens regierten einst – von Willy Brandt bis Richard von Weizsäcker –  Bürgermeister mit einem besseren Gefühl für den Rest der Welt. Wie wäre es, wenn man dem regierenden Herrn Müller die Entscheidung über die Beleuchtung des Tores höflich entwinden würde? Besser wäre die Einschaltung eines kleinen, stets ansprechbaren Gremiums mit Vertretern gesellschaftlicher Gruppen. Dann hätte man die ohnehin problematische Dimension des Amtlichen weggeblasen – und das nächtliche Lichtsignal wäre in noch authentischerer Weise ein Zeichen von Volk zu Volk.

Von RND/Matthias Koch

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