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Politik Eine Frage, die Amerika elektrisiert
Nachrichten Politik Eine Frage, die Amerika elektrisiert
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22:48 28.11.2016
Die bei der US-Wahl abgegebenen Stimmen sollen teilweise neu ausgezählt werden. (Archiv) Quelle: dpa
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Washington

Lässt sich Donald Trump irgendwie doch noch verhindern? Und sei es in allerletzter Minute, durch irgendeinen technischen Trick, an den niemand gedacht hat?

Der schillernde Geschäftsmann an der Spitze der mächtigsten Nation der Erde erscheint vielen so unvorstellbar, dass sich jetzt die letzten Hoffnungen ausgerechnet auf die unzähligen Fallstricke im US-Wahlsystem klammern. Was wäre wenn? Eine Frage, die immer mehr Amerikaner elektrisiert.

Mehrere Millionen Euro bietet Jill Stein auf, um die Stimmen in Wisconsin neu auszählen zu lassen. Vielleicht überspringt die Spitzenkandidatin der US-Grünen auch noch die Hürden, um ein Verfahren für Michigan und Pennsylvania in Gang zu setzen – allesamt Bundesstaaten, in denen die Entscheidung äußerst knapp ausfiel.

Bisher gibt es keine Hinweise auf Manipulationen, wohl aber Seltsamkeiten: In einigen Wahlkreisen, in denen mit Papierzetteln abgestimmt wurde, fiel die Zustimmung für Hillary Clinton etwas höher aus als in Regionen, in denen Computer zum Einsatz kamen. Weder im Clinton-Team noch in den unzähligen Beobachtergruppen wird allerdings der Vorwurf erhoben, es sei an irgendeiner Stelle gemauschelt worden.

Befeuert wird der Widerstand gegen das unerwartete Ergebnis aus einem ganz anderen Grund: Mit einem Abstand von etwa zwei Millionen Stimmen hatte sich die Mehrheit der Amerikaner für Clinton entschieden. Vor allem die Kalifornier stellten sich so vehement gegen Trump, dass das Ergebnis auf den ersten Blick absurd erscheint. Ein Grund, am Ergebnis zu zweifeln, ist das allerdings nicht.

Vielmehr zeigt sich die frühere Senatorin und Außenministerin mit ihrer Unterstützung der Neuauszählung als schlechte Verliererin. Die Verfassung betrachtet die Vereinigten Staaten nun einmal als Föderation, in der die bevölkerungsstarken Bundesstaaten entlang der Küsten das menschenärmere Landesinnere nicht dominieren sollen. Das mag man beklagen, es gehört aber zum Fundament der amerikanischen Demokratie. Clintons Team sollte sich eher fragen lassen, warum es sich erst so spät der Menschen annahm, die eben nicht in den wirtschaftsstarken Metropolen an der Ost- oder Westküste leben. Allzu lange wurden die „Fly-Over“-Staaten, über die man am liebsten hinwegfliegt, vernachlässigt.

Von Barack Obama kommen jetzt ganz andere Töne. Der Präsident sieht seine staatspolitische Verantwortung in dieser heiklen Phase – und will jetzt einen korrekten Machtwechsel. Obama ist beileibe kein Trump-Fan. Aber er ist ein Fan des Systems. Obama weiß: Schon in zwei Jahren, bei den sogenannten Zwischenwahlen, könnten sich die Machtverhältnisse im Kongress wieder drehen.

Von Stefan Koch

 

Hinweis: Dieser Beitrag ist ein Leitartikel von Stefan Koch. Er erschien auch am 28. November 2016 in der gedruckten Ausgabe der Leipziger Volkszeitung

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