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12:00 22.11.2017
Könnte mit seinem neuen Mediengesetz die Arbeit ausländischer Medien in Russland erheblich erschweren: Präsident Wladimir Putin. Quelle: dpa
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Moskau

Selten war es so einfach, mal etwas Positives über Russland zu schreiben. Schließlich ist Russland gerade dabei, die fortschrittlichsten Praktiken des Westens zu übernehmen.

Vorratsdatenspeicherung, Aufhebung des Bankengesetzes, Missachtung des Völkerrechts: Noch nie hat Moskau mehr dafür getan, um im Konzert der großen Nationen mitspielen zu können. Doch wer glaubt, Russland würde blind alles nachahmen, der muss sich nur mal die gescheiterten Jamaika-Sondierungen in Deutschland anschauen. Viele Russen ahnen ja gar nicht, was ihnen dank Wladimir Putin erspart bleibt.

Der neueste Coup allerdings ist das geplante Mediengesetz. Weil sich der staatlich finanzierte TV-Sender Russia ­Today in den USA als „foreign agent“, als ausländischer Agent, registrieren lassen musste, drohen russische Gesetzgeber ausländischen Medien in Russland mit der gleichen Konsequenz. Klar, wenn irgendwo vermeintlich die Pressefreiheit beschränkt wird, kann Moskau nicht untätig zusehen. Die Gesetzgeber sollten allerdings mehr Mut beweisen und gleich alle ausländischen Journalisten in Russland als Agenten brandmarken. Es ist sicher kein schlechtes Gefühl, in Jogginghose am eigenen Küchentisch in Moskau den nächsten Text über Russland in dem Bewusstsein in die Tasten zu hauen, ein Spion zu sein. Müssten uns dann die Beamten und Staatsdiener nicht mit mehr Respekt behandeln? Wir sind ja dann nicht mehr nur irgendwelche Schreiberlinge, die für ein bisschen Geld Russland schlechtmachen. Als Agenten wären wir endlich auf Augenhöhe.

Maxim Kireev ist Journalist in Moskau.

Von Maxim Kireev

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