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Politik Erdogan legt sich mit den USA in Nordsyrien an
Nachrichten Politik Erdogan legt sich mit den USA in Nordsyrien an
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11:15 03.02.2018
Türkische Truppen sichern den Berg Barsaja. Hier verläuft die Frontlinien zwischen der kurdischen Miliz YPG und Erdogans Verbündeten, den Kämpfer der Freien Syrischen Armee. Quelle: dpa
Ankara

Es kommt nicht häufig vor, dass ein Bündnispartner einen anderen zum Rückzug auffordert. In Syrien geschieht es jetzt. Die USA müssten ihre Truppen aus der nordsyrischen Region Manbidsch „sofort abziehen“, verlangt der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu.

Wie zu erwarten, wiesen die USA dieses Ansinnen zurück. Die Türkei will ihren militärischen Vormarsch auf die von kurdischen Milizen gehaltene Stadt Afrin nach Osten ausweiten und auch Manbidsch von den Kurden „säubern“.

In Manbidsch sind auch US-Soldaten stationiert. Sie wollen dort gemeinsam mit den Milizen der kurdischen YPG eine Rückkehr des „Islamischen Staats“, den die Kurden aus der Region vertrieben haben, verhindern. Doch für den türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan ist die YPG, eine Schwesterorganisation der als Terrororganisation geächteten PKK, der eigentliche Feind in Syrien. Die Türkei werde gegen die kurdischen „Terroristen“ vorgehen, „egal wer sich in ihrer Nähe aufhält“, warnte Erdogan jetzt die USA.

Erdogan will mit allen Mitteln ein Aufbegehren der Kurden durchkreuzen

Damit droht in Syrien eine direkte militärische Konfrontation zweier Allianzpartner. Zuletzt gab es das in der Nato Ende Januar 1996, als die Türkei und Griechenland im Streit um Imia, zwei unbewohnte Felseninseln in der östlichen Ägäis, an den Rand eines Krieges gerieten. In nächtlichen Telefonaten mit Ankara und Athen konnte der damalige US-Präsident Bill Clinton den Konflikt in letzter Minute entschärfen.

Diesmal sind die USA nicht Vermittler in der Konfrontation der Türkei mit den Kurdenmilizen, sondern wegen ihrer Allianz mit der YPG selbst Konfliktpartei. Nicht nur das macht die Entwicklung in Syrien so gefährlich.

Erdogan verstrickt sein Land immer tiefer in die Rivalitäten der Region. Er will die Autonomiebestrebungen der syrischen Kurden durchkreuzen, weil er davon ein Aufgebehren der eigenen kurdischen Volksgruppe befürchtet. Doch mit seinem Feldzug gegen die syrischen Kurden gießt er nur noch mehr Öl ins Feuer.

Die zunehmenden Scharmützel in der Südosttürkei, die türkischen Luftangriffe auf PKK-Stellungen im Nordirak und die Raketen, mit denen die YPG aus Nordsyrien jetzt täglich die türkische Grenzstadt Kilis angreift, könnten Vorboten eines Flächenbrandes sein, der die ganze Türkei zu erfassen droht. Schon früher haben die Terroristen der PKK gezeigt, dass sie ihren blutigen Kampf mit Autobomben und Selbstmordattentaten auch in den Westen des Landes tragen können.

Ankara droht auch Griechenland

Als reichte dieses Konfliktpotenzial noch nicht, schürt Ankara jetzt auch wieder den alten Imia-Streit. Erdogans Chefberater Yigit Bulut drohte diese Woche, man werde dem griechischen Ministerpräsidenten Tsipras „Arme und Beine zerschmettern“, wenn er es wagen sollte, seinen Fuß auf die Inseln zu setzen. Dann, so Bulut, würden die Griechen den Zorn der Türkei zu spüren bekommen, schlimmer noch als die Kurden in Afrin.

Einst war die Türkei der wichtigste Brückenkopf der Nato an der Schwelle zum unruhigen Nahen Osten. Unter dem unberechenbaren Erdogan ist aus dem Land eine gefährliche Zeitbombe für das Bündnis geworden.

Von Gerd Höhler/RND

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