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Politik Erste Parlamentswahl nach Sieg über den IS
Nachrichten Politik Erste Parlamentswahl nach Sieg über den IS
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13:46 12.05.2018
Eine Frau formt mit ihrem mit Tinte eingefärbten Finger ein Victory Zeichen, nachdem sie ihre Stimme in einem Wahlbüro der irakischen Hauptstadt Bagdad abgegeben hat. Quelle: dpa
Bagdad

Im Irak hat die erste Parlamentswahl seit Ausrufung des Sieges über die Terrormiliz Islamischer Staat begonnen. Unter großen Sicherheitsvorkehrungen öffneten am Samstagmorgen die Wahllokale. Einen klaren Favoriten gab es nach dem wochenlangen Wahlkampf nicht. Die Abstimmung galt als Referendum über die Arbeit des schiitischen Ministerpräsidenten Haidar al-Abadi, der einst mit dem Versprechen angetreten war, die sunnitische Minderheit stärker in politische Entscheidungen einzubeziehen.

In Bagdad erklärten Anhänger von Al-Abadi, er habe den militärischen Sieg über den IS erreicht. Der Ministerpräsident habe Vergeltung geübt für die Zivilisten, die bei Anschlägen ums Leben gekommen seien, sagte Felihah Hassan. Wenige Wochen vor Al-Abadis Amtsübernahme überrannte die IS-Miliz im Sommer 2014 fast ein Drittel des irakischen Territoriums, im Dezember erklärte der Regierungschef den Sieg über die Extremistengruppe.

Seitdem ist die Zahl der Terroranschläge in Bagdad deutlich zurückgegangen. Die Sicherheitsmaßnahmen wurden vor der Wahl und am Wahltag dennoch deutlich verstärkt.

7000 Kandidaten für 329 Sitze im Parlament

Um die 329 Sitze im Parlament bewarben sich fast 7000 Kandidaten aus Dutzenden politischen Allianzen. Rund 2000 von ihnen sind Frauen. Al-Abadis größte Konkurrenten waren sein Vorgänger Nuri al-Maliki und eine Allianz mit engen Verbindungen zu schiitischen paramilitärischen Kräften. Es galt als unwahrscheinlich, dass ein Bündnis eine Mehrheit von 165 Sitzen erzielen wird.

Die Allianz, die sich Fatah nennt, habe seine Stimme bekommen, erklärte Jassim Mohsen, der selbst gegen den IS kämpfte. Die Kandidaten der Liste seien die einzigen, die ihr Blut im Kampf gegen den IS gegeben hätten. Sunnitische Wähler sagten, sie hofften, dass das Land mit dieser Wahl aus dem Wettstreit der Konfessionen hinaus finde.

Die Wahl ist die vierte seit dem US-geführten Sturz von Machthaber Saddam Hussein 2003. Erstmals kommt ein elektronisches Wahlsystem zum Einsatz, um die Gefahr von Betrug zu verringern. Die Ergebnisse sollten 48 Stunden nach Schließung der Wahllokale vorliegen.

Von RND/tap