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Politik Experten halten US-Raketenabwehr für relativ unwirksam
Nachrichten Politik Experten halten US-Raketenabwehr für relativ unwirksam
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13:41 11.08.2017
Raketenabwehr statt Golf: Ein THAAD-Einsatzfahrzeug auf einem Golfplatz in Südkorea. Quelle: AP
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Hannover

Im Falle eines Angriffs auf die US-Hochseeinsel Guam sollte Nordkorea „sehr, sehr nervös“ sein. So lauten die jüngsten Drohungen von US-Präsident Trump gegen die nordkoreanische Führung in Pjöngjang. Es klingt als wäge sich die US-Regierung in relativer Sicherheit, einen Angriff auf ihren Südsee-Stützpunkt abwenden zu können, bestenfalls mit dem Raketenabwehrsystem THAAD.

Doch US-Waffenexperten zweifeln an die Sicherheit von THAAD – allen voran der emeritierte MIT-Professor Ted Postol. Er ist einer der vehementesten Kritiker öffentlicher Sicherheitsversprechen, die sich auf THAAD berufen. Postol hält das Raketenabwehrsystem für kaum erprobt.

Die Entfernung nach Seoul ist zu kurz

Auch Raketenforscher Robert Schmucker von der Technischen Universität Berlin zweifelt an der Wirksamkeit des amerikanischen Raketenabwehrsystems. „In Tests sind lediglich 50 Prozent der Raketen abgefangen worden. Unter realen Bedingungen werden es noch weniger sein“, sagt Schmucker. US-Experte Postol sagte in einem kürzlich erschienenen Interview sogar, THAAD würde realistisch gesehen nur eine von 100 Raketen zerstören.

Derzeit ist THAAD auf Guam und Südkorea stationiert. Außerdem gehört das Aegis-Abwehrsystem, mit dem Kriegsschiffe ausgestattet werden, zur US-Flotte. Für die südkoreanischen THAAD-Einheiten ist die Entfernung jedoch zu kurz, um wirksam einzugreifen. Denn je näher die Rakete, desto ungenauer arbeitet THAAD. Von Seoul aus sind es nur 40 Kilometer bis zur entmilitarisierten Zone zwischen den verfeindeten Staaten. Südkorea könnte höchstens dabei helfen, eine Rakete zu orten, die auf dem Weg nach Guam ist.

Guam liegt in der Reichweite der Hwasong-14

Sollte es in den kommenden Tagen oder Wochen zu einem Angriff auf Guam kommen, ist THAAD „ein gewisser Schutz“, so Schmucker. Bedeutender aber sei für den Schutz der Insel, dass es den Nordkoreaner sehr schwer fallen würde, das Eiland mit der Rakete zu treffen. Die Entfernung von Nordkorea nach Guam könnte die Hwasong-14, Nordkoreas größte Rakete, aber bereits jetzt zurücklegen. Auf 5000 bis 5200 Kilometer schätzt Schmucker die Reichweite der Hwasong-14 derzeit. Und widerspricht damit den offiziellen Aussagen, dass Nordkorea mit seinen Raketen bereits 10.000 Kilometer entfernte Ziele treffen könne. Bis Guam reicht die Rakete allerdings schon – es sind knapp 3500 Kilometer zum amerikanischen Hochseestützpunkt.

Sollte THAAD sein Ziel nicht verfehlen, sei Guam jedoch sicher – selbst, wenn die Rakete mit einem nuklearen Sprengkopf bestückt sei. „Die Raketenabwehrsysteme zielen auf die Struktur und die Energieversorgung der Rakete. Der Sprengkopf muss getrennt davon initiiert werden. Er ist so konstruiert, dass er nicht einfach losgeht. Im Falle eines Treffers würde er wie ein Stein vom Himmel fallen“, sagt Raketenforscher Schmucker.

Von RND/aks

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