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Politik Fidel Castro: Der erzkonservative Kommunist
Nachrichten Politik Fidel Castro: Der erzkonservative Kommunist
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12:11 26.11.2016
Kubas Ex-Präsident Fidel Castro ist am Freitagabend im Alter von 90 Jahren gestorben. Quelle: ADALBERTO ROQUE
Havanna/Rio de Janeiro

Im August hat Kuba den „Maximo Lider“ noch einmal ganz groß gefeiert. 90 Jahre alt war Kubas Revolutionsführer Fidel Castro da geworden. Er war der letzte verbliebene Polit-Popstar des vergangenen Jahrhunderts. Und er ist selbst, gedanklich, ideologisch, in diesem vergangenen Jahrhundert hängen geblieben. Wenn es nach Fidel Castro gegangen wäre, dann wäre Kuba auf immer so streng kommunistisch, so abgeschottet, so anti-freihetilich geblieben, wie es in den langen Jahren unter seiner Regierung war.

Von 1959 bis 2008 hat er regiert. Er galt bis zum Schluss als Kritiker des – verhaltenen – Öffnungsprozesses seines Bruders und Nachfolgers Raul (85), der seit mehr als zwei Jahren auf Tuchfühlung mit den USA geht und die Regierung von Noch-Präsident Barack Obama doch enttäuscht. Zwar ist Havanna offen für kapitalistische Milliarden. Innenpolitische Öffnungsprozesse wie sie sich Obama vom Ende der Embargo-Politik erhoffte, bleiben aber bislang aus. Kuba liefert nicht, zumindest nicht auf dem Gebiet einer Entkriminalisierung von politisch nicht linientreuen Gedanken. Das könnte für das Tauwetter noch einmal gefährlich werden.

Castros Andenken wird von der Gnade des späten Todes profitieren

49 Jahre lang hat Fidel Castro die Insel mit harter Hand regiert. In den ersten Jahren auch mit brutaler Gewalt, willkürlichen Hinrichtungen, Folter und Enteignungen. Homosexuelle ließ Castro brutal jagen. Das ist bei heutigen Castro-Fans fast schon vergessen, auch weil Fidel viele Angehörige seiner Opfer überlebte und es schwer sein wird, nach seinem Tod irgendwann noch einmal lebende Zeitzeugen zu finden. Auch das wird dafür sorgen, dass eine Aufarbeitung der schweren Menschenrechtsverletzungen in den ersten Jahren nach der Revolution schwer möglich sein wird. Castros Andenken wird von der Gnade des späten Todes profitieren. Seine Gegner hat er zu Lebzeiten bereits eliminiert.

Der Euphorie über ein vermeintliches neues Kuba inzwischen verflogen. Ausbleibende Reformbereitschaft in der Innenpolitik hat für eine neue Depression in jenem Teil der kubanischen Bevölkerung geführt, der auf einen Wandel gesetzt. Raul Castro sagte vor zwei Jahren in Richtung USA: „Wir werden unsere Ideale nicht verraten.“ Viele verstanden das auch als eine Drohung an die verbotene innenpolitische Opposition.

Tausende Kubaner sind derzeit auf der Flucht, auch um einer Änderung des Asylrechts in den USA zuvor zu kommen. In Mittelamerika, aber auch in Ecuador oder Kolumbien stranden täglich neue Flüchtlinge und sorgen für humanitäre Krisen. Die verzweifelten Kubaner nehmen dabei abenteuerliche Fluchtversuche in Kauf, versuchen über das Meer nach Mittel- oder Südamerika zu gelangen. Und von da aus in die USA. Wie viele dabei ertrinken weiß niemand.

Auch das gehört zur Realität – wenn man zurückschaut auf die Lebensleistung eines der letzten Diktatoren des 20. Jahrhunderts.

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