Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 16 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Fleischverzicht: Umweltschützer fordern "Gülle-Euro"

Agrar Fleischverzicht: Umweltschützer fordern "Gülle-Euro"

Die Fastenzeit beginnt, viele Menschen fasten nun bis Ostern. Ein freiwilliger Verzicht auf Fleisch erfreut auch Klimaschützer. Doch sie erheben weitergehende Forderungen - vor allem an die Politik.

Voriger Artikel
Gabriel setzt bei Flüchtlingskindern auf Einzelfalllösungen
Nächster Artikel
Varoufakis startet neues europäisches Demokratie-Netzwerk

In Deutschland übersteigt der Pro-Kopf-Verbrauch an Fleisch mit 88,3 Kilogramm jährlich den Welt-Durchschnitt um das Doppelte - und den Indiens sogar um das 20-fache.

Quelle: Jens Kalaene/Illustration

Berlin. Umweltschützer rufen die Verbraucher in Deutschland dazu auf, ihren übermäßigen Fleischkonsum um die Hälfte zu drosseln.

Dies nütze der Gesundheit und auch dem Klimaschutz, sagte die WWF-Referentin Tanja Dräger de Teran der Deutschen Presse-Agentur vor Beginn der Fastenzeit am Aschermittwoch. Auch die Bundesregierung müsse das Thema endlich anpacken. "Um die Produktion von Billigfleisch zu reduzieren, sollte die Regierung eine Abgabe für Landwirte auf Stickstoffüberschüsse prüfen, einen sogenannten Gülle-Euro."

Zu viel Gülle auf den Feldern führt zur Übersättigung der Böden mit Nährstoffen und verschlechtert die Wasserqualität. Der hohe Fleischkonsum der Deutschen und der nötige Sojaverbrauch für Tierfutter beschleunigen den Ausstoß von Treibhausgasen und den Flächenverbrauch.

Zudem regt die WWF-Expertin an, dass zumindest staatlich betriebenen Kantinen vorgeschrieben werden sollte, fleischarm zu kochen. "Auch könnte die Regierung Informationskampagnen starten, um den Fleischverzehr zu drosseln", sagte sie.

In Deutschland übersteigt der Pro-Kopf-Verbrauch an Fleisch mit 88,3 Kilogramm jährlich den Welt-Durchschnitt um das Doppelte - und den Indiens sogar um das 20-fache. Die Viehhaltung ist global für mehr Treibhausgase verantwortlich als alle Autos, Lkw und Flugzeuge zusammen.

Auch SPD und Grüne im Bundestag prangern den Fleischkonsum in Deutschland an. Die Sprecherin der Grünen für Tierschutz und Verbraucherpolitik, Nicole Maisch, sagte der Deutschen Presse-Agentur, wenn alle Menschen so viel Fleisch äßen wie hierzulande, "bräuchten wir einen zweiten Planeten". Die Exzesse der Massentierhaltung und Dumpingpreise müssten ein Ende haben. "Ein Kilo Hackfleisch für 3,40 Euro ist pervers."

Nötig seien schärfere gesetzliche Vorgaben für die Tierhaltung, betonte Maisch. Dies sei aber nicht zum Nulltarif zu haben. Die Preise für Fleischprodukte müssten die soziale und ökologische Wirklichkeit widerspiegeln.

Die Tierschutzbeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion, Christina Jantz, plädierte für einen "Mix aus gesetzlichen Maßnahmen": zum einen für bessere Haltungsbedingungen, zum anderen zur Unterstützung der Landwirtschaft im Wandlungsprozess.

Die Referentin für Welternährung bei Oxfam, Marita Wiggerthale, forderte ebenfalls eine Abkehr von der Massentierhaltung: "Nicht nur aus Gründen des Tierschutzes, sondern auch, weil die Fleischproduktion viel Land frisst und in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion steht." Damit in Zukunft alle Menschen auf dem Planeten genug zu essen hätten, könnten die Menschen in reichen Ländern nicht so viel Fleisch essen wie im Moment, sagte sie der dpa.

Umweltschützer fordern seit längerem, den ermäßigten Mehrwertsteuersatz für Fleischprodukte zu streichen. Alle Lebensmittel werden nämlich gleichermaßen mit nur 7 statt 19 Prozent besteuert.

Von einer solchen "Fleischsteuer" hält die SPD-Tierschutzbeauftragte Jantz wenig. Die daraus folgenden höheren Preise könnten zwar die Nachfrage abschwächen. Zu Verbesserungen in der Intensivtierhaltung werde es aber nicht zwangsläufig kommen. Nebeneffekt könnte außerdem mehr soziale Ungleichheit sein. "Während Wohlhabende ihren Fleischkonsum unverändert fortführen können, würden weniger Wohlhabende wesentlich härter von dieser Steuer getroffen."

Der Sprecher der Grünen Jugend, Moritz Heuberger, verlangte im dpa-Interview, die artgerechte Tierhaltung von Bio-Höfen als gesetzlichen Standard allen Agrarbetriebe vorzugeben. "Die heutigen Tierfabriken sind eine Qual für Tiere und eine Belastung für die Umwelt - vom Geschmack des Fleisches gar nicht zu reden."

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Politik
  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album
    Leipzig-Album

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr

  • Erdbeer-Karte

    Sommerzeit ist Erdbeerzeit. Wollen Sie die süßen Früchte selber pflücken oder lokal kaufen? Wir verraten Ihnen, wo Sie Erdbeeren bekommen. Außerdem... mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • Die XL - Leipzigs neue Straßenbahn
    Malaktion

    Erfahren Sie im Special zur neuen XL-Bahn der Leipziger Verkehrsbetriebe alle interessanten Neuigkeiten - Termine, Events und Informationen zu den... mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

25. April 2017 - Alev Doğan in Allgemein

Welches Glück müssen wir jahrzehntelang gehabt haben, dass wir in Frieden und relativ sicher in Deutschland leben konnten – mit all den Türken, die das Land bevölkern.

mehr