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Politik Flüchtlinge getreten: Ungarische Kamerafrau freigesprochen
Nachrichten Politik Flüchtlinge getreten: Ungarische Kamerafrau freigesprochen
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12:42 31.10.2018
Die Kamerafrau des ungarischen Senders N1TV hat im Jahr 2015 einem Flüchtling, der ein kleines Kind auf dem Arm trägt, ein Bein gestellt. Quelle: Stephan Richter/dpa
Budapest

Der ungarische Internet-Fernsehsender N1TV erlebt hautnah mit, dass Hunderte Migranten eine Polizeiabsperrung an der ungarischen Grenze durchbrechen. Während also die Menschen an dem Team vorbei rennen, macht die Kamerafrau Petra Laszlo einen folgenschweren Fehler: Sie tritt nach einem flüchtenden Mann, stellt ihm ein Bein, sodass er zu Boden fällt – und ihre Kollegen zeichnen die Aktion auf. Das alles passierte im September 2015 – nun wurde die Kamerafrau vom Obersten Gerichtshof (OGH) in Ungarn freigesprochen.

Im Oktober 2017 war Laszlo noch wegen Landfriedensbruchs rechtskräftig zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Das Höchst-Gericht hob das Urteil am Dienstag in einem Revisionsverfahren jedoch auf, wie das Portal „magyarhang.org“ berichtete.

Den Freispruch begründeten die OGH-Richter nun damit, dass Laszlos Vergehen nicht den Straftatbestand des Landfriedensbruches erfüllt habe. Zu diesem hätte gehört, dass die Tat die öffentliche Ruhe und Ordnung störe, was bei Laszlos Vergehen nicht der Fall gewesen sei. Bei der Tat der Kamerafrau habe es sich vielmehr um ein Ordnungsvergehen gehandelt. Dieses sei aber inzwischen verjährt.

Kamerafrau arbeitet nun für regierungsnahe Medien

Laszlo, die damals für den zur rechtsradikalen Jobbik-Partei gehörenden Internet-Fernsehsender N1TV arbeitete, hatte auf dem Höhepunkt des Flüchtlingszustroms nach Europa mit ihrem Verhalten Empörung ausgelöst. Videos anderer Journalisten zeigten, wie sie dem Flüchtling mit einem Kind im Arm ein Bein stellte. Außerdem war zu sehen, wie sie einem kleinen Mädchen gegen das Schienbein trat.

Der Jobbik-Sender kündigte ihr daraufhin. Später entschuldigte sich die heute 42-Jährige, behauptete aber zugleich, nur aus Angst vor den Flüchtlingen so gehandelt zu haben. Diese hatten im Grenzort Röszke bei Szeged eine Absperrung ungarischer Grenzpolizisten durchbrochen. Später fand Laszlo Arbeit bei Medien, die der rechts-nationalen Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban nahestehen.

Von RND/dpa/lf

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