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Politik Frankreich fordert Einberufung des Sicherheitsrates
Nachrichten Politik Frankreich fordert Einberufung des Sicherheitsrates
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13:09 29.11.2016
Rauch steigt über den Trümmerlandschaften eines Vororts von Aleppo auf. Quelle: afp
Paris/Aleppo

Frankreich fordert angesichts der humanitären Katastrophe in der syrischen Stadt Aleppo eine sofortige Einberufung des Weltsicherheitsrates. Dabei müsse es auch um Möglichkeiten zur Hilfeleistung für die Bevölkerung gehen, erklärte Außenminister Jean-Marc Ayrault am Dienstag in Paris.

„Mehr denn je müssen dringend die Kampfhandlungen eingestellt und ein ungehinderter Zugang für humanitäre Hilfe ermöglicht werden“, sagte Ayrault laut einer Erklärung.

UN spricht von alarmierender Lage

Zuvor hatte UN-Nothilfekoordinator Stephen O’Brien in einem in Genf veröffentlichten Statement auf eine „zutiefst alarmierende“ Lage für die Menschen in Aleppo hingewiesen. Die humanitäre Tragödie verschärfe sich weiter, so O’Brien.

In den vergangenen Tagen seien bei wahllosen Luftangriffen und den Boden-Kämpfen zwischen den anrückenden Truppen der syrischen Assad-Regierung und Rebellen etliche Zivilisten getötet und verletzt worden. Rund 16.000 Männer, Frauen und Kinder seien vor der Gewalt geflohen.

Ein Junge in Aleppo trauert um einen Angehörigen, der durch einen Luftangriff getötet wurde. Quelle: afp

O’Brien erwartet, dass Tausende weitere Menschen fliehen werden. Nach seinen Angaben sind die Lebensmittelreserven der UN in Ost-Aleppo seit zwei Wochen aufgebraucht. Zudem gibt es keine funktionierenden Krankenhäuser mehr in Ost-Aleppo. Die Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ erklärte, die Menschen in Ost-Aleppo seien „praktisch ohne Gesundheitsversorgung“.

Rebellen kritisieren Deutschland

Eine Sprecherin des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte berichtete von Rebellengruppen, die die Flucht von Zivilisten aus Ost-Aleppo verhinderten. Nach UN-Angaben harren noch immer gut 250.000 Männer, Frauen und Kinder in Ost-Aleppo aus, das von Assad-Truppen eingekreist ist.

Die Rebellen wollen unterdessen – trotz großer Geländegewinne der Regierungstruppen – nicht aufgeben. „Der Kampf geht weiter“, sagte Usama Abu Seid, Berater der oppositionellen Freien Syrischen Armee (FSA), am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Der Vormarsch des durch russische Luftangriffe unterstützten Regimes sei das Ergebnis von „massivem militärischem Druck“ gegen Rebellen, die nur leichte Waffen besäßen. „Das bedeutet nicht, dass die Schlacht zu Ende ist.“

Abu Seid warf dem Westen vor, die belagerten Rebellen in Aleppo im Stich gelassen zu haben. Stattdessen unterstützten Deutschland und andere Länder die Kurdenmiliz YPG und damit auch das Regime, da beide in Aleppo gemeinsame Sache machten. „Die Welt betreibt eine niederträchtige Politik“, sagte Abu Seid. „Sie ignoriert die Rolle Russlands und des Irans bei der Besatzung Syriens und gleichzeitig hindert sie uns daran, an Waffen zu kommen.“

Die YPG ist in Syrien im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) wichtigster Partner der US-geführten internationalen Koalition. Die Kurdenmiliz kontrolliert neben großen Gebieten an der Grenze zur Türkei auch das Viertel Scheich Maksud im Norden Aleppos.

Von dpa/epd/afp/RND/zys

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