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20:05 25.05.2018
„Amerika ist und bleibt ein Land der Freiheit“ Quelle: dpa
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Hannover

Wer dieser Tage nur auf die Schlagzeilen schaut, der könnte meinen: Die deutsch-amerikanische Freundschaft ist beendet, dafür entsteht gerade eine neue Freundschaft im Fernen Osten. Gemeinsam sprechen sich Kanzlerin Merkel und der chinesische Regierungschef Li Keqiang gegen Abschottung und für Freihandel aus. Gemeinsam bekennen sich Merkel und Li zum Iran-Abkommen. Gemeinsam appellieren sie an die USA und Nordkorea, ihre Verhandlungen fortzusetzen.

Mit den USA unter Präsident Trump, so scheint es manchmal, gibt es hingegen gar keine Gemeinsamkeiten mehr. Und diesem Eindruck gibt der Poltergeist im Weißen Haus reichlich Nahrung. Mal nörgelt er, Deutschland kaufe zwar für Milliarden russisches Gas, weigere sich aber, wie vereinbart seine Militärausgaben zu erhöhen. Mal droht er mit hohen Strafzöllen auf Autos. Wie soll Deutschland mit dieser Herausforderung umgehen? Bye-bye USA – ni hao China? Die Westbindung lockern und engere Bande nach Moskau, Teheran und Peking knüpfen?

Amerika ist und bleibt ein Land der Freiheit

Sicher ist es klug, mit den Machthabern in Russland und China eine vernünftige Arbeitsebene zu entwickeln, das Verhältnis ständig zu verbessern, soweit dies möglich ist. Aber eine Wertegemeinschaft, wie sie den Westen begründet, werden wir im Osten auf lange Sicht nicht finden. Zugegeben: Trumps Habitus, seine Rhetorik sind abstoßend, zuweilen hässlich wie die Fratze eines Profi-Wrestlers. Doch Amerika ist und bleibt das Land der Freiheit. In Washington liegen keine Journalisten tot in den Straßen, weil sie es gewagt haben die Politik eines eitlen Präsidenten zu kritisieren.

In den Gefängnissen der Vereinigten Staaten sitzen nicht Hunderte von Dissidenten, die einer Parteilinie widersprochen haben, in Los Angeles werden keine schwulen Männer öffentlich ausgepeitscht oder aufgehängt. Der föderale, demokratische Rechtsstaat USA mit seinem weltweit einzigartigen Verständnis für Meinungsfreiheit – der in der Verfassung verankerten „Freedom of Speech“ – ist und bleibt trotz all seiner Schwächen, trotz all seiner sozialen Verwerfungen und Ungerechtigkeiten ein Orientierungspunkt. Oder, um es mit Winston Churchill zu sagen: „Demokratie ist die schlechteste aller Regierungsformen – abgesehen von all den anderen Formen, die von Zeit zu Zeit ausprobiert worden sind.“

Mehr noch: Amerika bleibt Freundesland, auch unter Trump, der in spätestens sechs Jahren aus der 1600 Pennsylvania Avenue wieder ausziehen wird. Die in Jahrzehnten gewachsenen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Verbindungen zwischen Deutschen und Amerikanern haben so viele Ebenen, so viele persönliche Berührungspunkte, sie werden diesen Präsidenten überstehen. Soll Trump ruhig weiter von „America first“ schwadronieren, Merkel tut gut daran, weiter nach der Devise „Friendship first“ zu verfahren.

Von Wolfgang Büchner

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