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19:00 14.01.2019
Bahnchef Richard Lutz: „Der Kunde hat mehr verdient.“ Quelle: imago/Christian Spicker
Berlin

Richard Lutz könnte sich bestimmt angenehmere Termine vorstellen. An diesem Dienstag muss der Bahnchef zum Rapport ins Bundesverkehrsministerium – gleich früh um sieben Uhr morgens. Der Spitzenmanager hat ein Katastrophenjahr hinter sich, mit immer neuen Hiobsbotschaften. Ein Jahr, in dem er letztlich keinen anderen Ausweg sah, als in einem Brandbrief auf den desolaten Zustand des Konzerns hinzuweisen. Es war eine Art Hilferuf aus dem Bahntower am Potsdamer Platz. In der Regierung war man jedoch „not amused“ über dieses Vorgehen.

In der Analyse der Lage dürften der 54-jährige Lutz und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) nicht allzu weit auseinanderliegen. Ein Symptom der Krise: Im Fernverkehr waren 2017 nur noch drei von vier Zügen pünktlich. Das heißt: Sie waren um weniger als sechs Minuten verspätet. „Es besteht Einigkeit, dass wir besser werden müssen, dass wir mit dem, was wir im Moment an Pünktlichkeit und Produktqualität haben, nicht zufrieden sein können“, räumte der Bahnchef gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) ein. „Der Kunde hat mehr verdient.“

Ob Lutz, der das Unternehmen seit März 2017 führt, die Chance für einen Neuanfang bekommt, hängt auch vom Verlauf der Gespräche im Verkehrsministerium an. Scheuers Bahnbeauftragter, Staatssekretär Enak Ferlemann (CDU), hatte bereits vor Weihnachten klargemacht, dass die Regierung die von Lutz vorgelegte „Agenda für eine bessere Bahn“ mit ihren rund 50 Einzelvorschlägen keinesfalls für ausreichend hält.

Lutz steht mit dem Rücken zur Wand

Der Bahnchef steht mit dem Rücken zur Wand. Dem Vernehmen nach strebt Lutz eine Aufstockung des Konzernvorstands um zwei auf acht Posten an. Die Chefs der Tochterunternehmen DB Regio, DB Cargo und DB Fernverkehr wären dann in der Unternehmensspitze vertreten. Davon verspricht sich Lutz offenbar mehr Durchschlagskraft. Bisher war es schließlich so, dass die Mitglieder des Vorstands keine unmittelbare operative Verantwortung hatten. Die Frage ist, ob es darüber hinaus – 25 Jahre nach der letzten großen Bahn-Reform – zu einem größeren Umbau des Unternehmens kommt. In der Bundesregierung mehren sich offenbar die Befürworter.

Lesen Sie hier den Kommentar: Die Bahn hat sich verfahren

Bisher kein grünes Licht für Arriva-Verkauf

So oder so ist der Finanzbedarf für notwendige Modernisierungen erheblich. Bis 2021 werden zusätzlich fünf Milliarden Euro benötigt. Fällig werden davon bereits im laufenden Jahr zwei Milliarden. Verkehrsminister Scheuer hatte im Herbst erklärt, er werde keine „Blankoschecks“ ausstellen. Bahnchef Lutz will nun offenbar einen neuen Anlauf zum Verkauf der Auslandstochter „Arriva“ versuchen. Das Geschäft, so die Kalkulation, könnte Einnahmen von bis zu 4,5 Milliarden Euro bringen. Doch bisher fehlt dafür grünes Licht vom Bund. Unklar ist auch, ob und, wenn ja, in welchem Umfang der Eigentümer zu einer Finanzspritze bereit ist.

Bahnchef Lutz ist ein passionierter Schachspieler, spielte zeitweise sogar in der zweiten Bundesliga. Er liebt es, strategisch vorzugehen, immer Schritt für Schritt. Der Sohn aus einer Eisenbahnerfamilie ist seit 1994 im Unternehmen und seit 2010 im Konzernvorstand. Kein Mann der großen Worte und vollmundigen Ankündigungen. Das unterscheidet ihn von seinen Vorgängern Hartmut Mehdorn oder Rüdiger Grube, denen er als Finanzvorstand diente. Lutz braucht jetzt dringend einen Befreiungsschlag. Er muss liefern. Verkehrsminister Scheuer erwartet, dass sich die Qualität bei der Bahn schon im laufenden Halbjahr „spürbar verbessert“.

Von Rasmus Buchsteiner/RND

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