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Politik Griechenlands Banken und Börsen bleiben Montag geschlossen
Nachrichten Politik Griechenlands Banken und Börsen bleiben Montag geschlossen
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22:03 28.06.2015
Vor griechischen Banken bildeten sich lange Schlangen. Ab Montag gibt es an den Automaten kein Geld mehr. Quelle: dpa
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Athen/Brüssel

Die Griechenland-Krise verschärft sich. Erstmals schließen von diesem Montag an alle Banken im Land. Zudem sollen Kapitalverkehrskontrollen eingeführt werden, teilte der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras in einer Ansprache am Sonntagabend mit. Dies sei die Reaktion auf die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), die Notkredite für griechische Banken einzufrieren.

Wie griechische Medien weiter berichteten, sollen die Geldinstitute von diesem Montag an bis zum 6. Juli und damit bis nach der geplanten Volksabstimmung geschlossen bleiben. An den Geldautomaten sollen demnach maximal 100 Euro pro Tag abgehoben werden können, zumindest in den ersten Tagen. „Geldeinlagen in griechischen Banken sind absolut sicher“, sagte Tsipras. Gehälter und Renten seien „garantiert“. In den kommenden Tagen sei Geduld und Gelassenheit nötig. Die kritische Situation könne überwunden werden. Die Würde des griechischen Volks angesichts von „Erpressung“ sende eine Botschaft der Hoffnung an ganz Europa, sagte Tsipras.

Der Vorstandsvorsitzende der Piräus Bank, Anthimos Thomapoulos, sagte vor Journalisten in Athen, die griechische Regierung habe den Geldinstituten die Öffnung von diesem Montag an untersagt, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg meldete. Wie griechische Medien weiter berichteten, war noch offen, ob auch die Börse in Athen am Montag ebenfalls geschlossen bleibt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte zuvor beschlossen, die Notkredite für griechische Banken auf dem aktuellen Stand von rund 90 Milliarden Euro einzufrieren. Griechenlands Banken sind seit Monaten auf Nothilfen angewiesen. Die Lage hatte sich noch dadurch verschärft, dass verunsicherte Verbraucher und Unternehmen große Mengen Bargeld von ihren Konten abheben. Die Einlagen fehlen den Banken in ihrem Tagesgeschäft. Zahlreiche Geldautomaten in Griechenland waren bereits am Wochenende leer.

Griechenland spart und kommt nicht aus der Krise

Hintergrund ist die anhaltend schwierige Haushaltssituation in Griechenland. Der Staat ist hoch verschuldet. Die Austeritätspolitik von IWF, Eurogruppe und EZB hat bislang zu keiner Besserung geführt. Stattdessen brach das Wachstum ein, das Bruttoinlandsprodukt sank drastisch. Mit 26 Prozent hat Griechenland die höchste Arbeitslosenquote aller Industriestaaten.

Die Gelder der sogenannten „Rettungspakete“ musste die griechische Regierung dafür aufwenden, ihre Schulden bei Institutionen wie dem Internationalen Währungsfond und der Europäischen Zentralbank zu bezahlen. Für Investitionen in die Zukunft des Landes blieb kein Spielraum. Bis zum 30. Juni fordert der IWF weitere 1,6 Milliarden Euro von Griechenland.

Seit Monaten verhandeln die Gläubiger mit der griechischen Regierung. In der vergangenen Woche hatte die Regierung von Alexis Tsipras neue Reformvorschläge an die Institutionen übermittelt hatte. Diese sahen weitere drastische Einschnitte bei der Rente, Mehrwertssteuererhöhungen sowie eine Sondersteuer auf Unternehmensgewinne von über 500.000 Euro vor. Der IWF lehnte die Vorschläge der Griechen ab und forderte stärkere Kürzungen im Sozialbereich und niedrigere Steuern.

Am Samstag verkündete Ministerpräsident Tsipras, das griechische Volk in einem Referendum über die Bedingungen im Schuldenstreit abstimmen zu lassen. Dies sorgte auf internationaler Ebene für massive Verstimmungen. Erst die Zusicherung von EZB-Chef Mario Draghi am Sonntag, griechische Banken auch nach dem 30. Juni in begrenztem Rahmen mit Krediten zu stützen, konnte die Situation entspannen.

(mit dpa)

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