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Nachrichten Politik Heftige Luftangriffe im Jemen
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12:29 23.10.2016
Die arabische Militärkoalition im Jemen hat in der Nacht zum Sonntag wieder heftige Angriffe auf Ziele der Rebellen geflogen. Quelle: dpa
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Aden

Die arabische Militärkoalition im Jemen hat nach dem Ende der Waffenruhe in der Nacht zum Sonntag wieder heftige Angriffe auf Ziele der Rebellen geflogen. Jemens Außenminister Abdel Malak al-Mechlafi sagte, eine Verlängerung der Feuerpause um drei weitere Tage wie von der UNO gefordert sei „nutzlos“, da die Gegenseite keinerlei Engagement erkennen lasse, sie einzuhalten.

Nach Angaben der jemenitischen Armee flog die von Saudi-Arabien angeführte Koalition zur Unterstützung der Regierungstruppen am frühen Morgen Angriffe auf mehrere Militärposten der Huthi-Rebellen in der Hauptstadt Sanaa. Außerdem wurden Ziele der Aufständischen in den nördlichen Regionen Marib, Al-Dschauf und Saada sowie in Taes im Südwesten des Landes bombardiert. Der Rebellen-Sender Al-Masirah sprach von 16 Luftangriffen der Koalition.

Feuerpause läuft aus

Am Samstag um Mitternacht Ortszeit war eine mehrtägige Waffenruhe für den Jemen ausgelaufen. Der UN-Sondergesandte für das Land, Ismail Ould Cheikh Ahmed, forderte eine Verlängerung der Feuerpause um mindestens 72 weitere Stunden und erklärte, trotz „wiederholter Verstöße beider Seiten“ habe die Waffenruhe in weiten Teilen gehalten.

Außenminister al-Mechlafi widersprach dieser Darstellung nun: Die Waffenruhe habe „faktisch nicht stattgefunden“, da die Huthi-Rebellen und ihre Verbündeten sie gebrochen hätten, sagte er. Im Jemen kämpfen seit September 2014 Truppen des sunnitischen Präsidenten Abd Rabbo Mansur Hadi gegen vom Iran unterstützte schiitische Huthi-Rebellen und andere Milizen. Diese halten dem ehemaligen Präsidenten Ali Abdallah Saleh die Treue.

Der Bürgerkrieg im Jemen

Im Jemen kämpfen schiitische Huthi-Rebellen gegen die Anhänger des sunnitischen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi. Das Terrornetzwerk Al-Kaida und andere Extremisten machen sich den Bürgerkrieg zunutze. Die wichtigsten Ereignisse im Überblick:

März 2013: Ein nationaler Dialog soll den Übergang zur Demokratie im Jemen ermöglichen. Mehrere politische Gruppen, darunter auch die Huthis, arbeiten an einer neuen Verfassung. Nach Gefechten zwischen salafistischen Gruppen und Huthis im Norden des Landes distanziert sich der Stamm der Huthis Anfang 2014 vom Ergebnis der Konferenz.

September 2014: 30 000 Huthi-Anhänger belagern die Hauptstadt Sanaa und übernehmen wichtige Regierungsgebäude. Im Oktober erzwingen die Rebellen von Präsident Hadi eine Regierungsumbildung, im Osten und Süden des Landes rücken sie weiter vor.

Januar 2015: Huthi-Rebellen umstellen in Sanaa den Präsidentenpalast mit Panzern. Hadi und mehrere Regierungsmitglieder werden unter Hausarrest gestellt, der Präsident bietet seinen Rücktritt an.

Februar 2015: Hadi flieht ins südjemenitische Aden und ernennt seinen Fluchtort zur neuen Hauptstadt. Die Rebellen beginnen mit ihrem Marsch auf Aden.

März 2015: Mithilfe von Getreuen des Ex-Präsidenten Ali Abdullah Salih erobern die Huthis die letzten Militärbasen vor Aden. Präsident Hadi bittet die arabischen Nachbarn um eine Intervention und taucht unter.

Juni 2015: Friedensgespräche unter UN-Vermittlung zwischen den Rebellen und der jemenitischen Regierung enden ohne Einigung auf eine Feuerpause. Bei einem US-Luftangriff kommt der Vizechef von Al-Kaida, Nasser al-Wahischi, im Jemen ums Leben.

Juli 2015: Regimetreue Milizen erobern die Hafenstadt Aden zurück.

September 2015: Ein halbes Jahr nach seiner Flucht nach Saudi-Arabien kehrt Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi in den Jemen zurück.

April 2016: Jemenitische Streitkräfte verdrängen zusammen mit einer von Saudi-Arabien geführten Militärkoalition das Terrornetzwerk Al-Kaida aus seiner Hochburg Al-Mukalla.

August 2016: Bei einem Selbstmordanschlag mit einer Autobombe auf ein Rekrutierungszentrum der Armee reißt ein Attentäter der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Süden des Jemen 45 Menschen mit in den Tod.

Oktober 2016: Die Vereinten Nationen kündigen eine Waffenruhe an. Nach einer dreitägigen Kampfpause gehen die Kampfhandlungen weiter.

Von RND/afp/dpa

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