Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Politik Höcke-Rede kommt AfD angeblich teuer zu stehen
Nachrichten Politik Höcke-Rede kommt AfD angeblich teuer zu stehen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:38 22.02.2017
Sachsens AfD-Landesverband beklagt sich, dass nach der Rede von Björn Höcke Großspender abspringen. Quelle: imago
Dresden

Die umstrittenen Dresdner Rede des Thüringer AfD-Vorsitzenden Björn Höcke kommt die sächsische AfD teuer zu stehen. Nach dem Auftritt Höckes Mitte Januar, bei dem er eine „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“ gefordert hatte, seien mehrer Großspender abgesprungen, sagte der stellvertretende Landesvorsitzende Thomas Hartung am Mittwoch in Dresden.

Generalsekretär Uwe Wurlitzer soll sich am Dienstag auf einer Parteiveranstaltung in Oschatz (Kreis Nordsachsen) darüber beklagt haben, dass „uns diese Veranstaltung deutlich über 100.000 Euro insgesamt kostet“.Das berichtete die „Lausitzer Rundschau“.

Weniger Geld für den Bundestagswahlkampf

Sachsens AfD-Schatzmeister Carsten Hütter bezeichnete diese Summe als „absolut realistisch“. Das Geld fehle nun im Etat für den Bundestagswahlkampf, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Firmen, die seine Partei bislang unterstützt hätten, sähen nach der Höcke-Rede einen „klaren Rechtsruck“. „Und die Unternehmer nehmen kein Blatt vor den Mund. Die sagen: ’Da machen wir nicht mehr mit.’“

Der Ausgabenplan für den Bundestagswahlkampf müsse deshalb nun „komplett überarbeitet werden“, sagte Hütter. „Da muss ich jetzt mit dem ganz spitzen Bleistift ran.“ Bislang hatte die sächsische AfD mit einem Etat von 600.000 Euro geplant, 530.000 Euro mehr als bei der Bundestagswahl 2013.

Auch die Anmietung von Räumen sei für die AfD inzwischen kaum mehr möglich, da die Vermieter nach Veranstaltungen seiner Partei „von Linken“ bedroht und angegriffen würden. „Deshalb wollen wir ein Großzelt kaufen und künftig auf die grüne Wiese gehen“, sagte Hütter. Auch dadurch entstünden Kosten, die nicht eingeplant gewesen seien.

Wurlitzer: 50 Prozent im Osten werden nicht reichen

Schon kurz nach der Rede Höckes hatte auch die Bundes- und Landesvorsitzende Frauke Petry in einem Brief an die AfD-Mitglieder von einem schweren Schaden berichtet, der durch den Thüringer Rechtsaußen entstanden sei. „Als Partei haben wir nach all diesen Auftritten dutzende Veranstaltungsorte, Unterstützer und Spender verloren, auch der AfD wohlgesonnene Verbände ziehen sich zurück, und die Verankerung in der Gesellschaft wird dadurch immer schwieriger“, schrieb sie.

Wurlitzer griff Höcke wegen dessen Rede erneut scharf an. Es sei „entsetzlich, dass der Björn in unserer 1000-jährigen Geschichte immer nur diese zwölf Jahre thematisiert“, sagte Wurlitzer laut Zeitung in Anspielung auf die Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland. Höcke habe „Themen aufgemacht“, die die Partei „im Wahlkampf nicht gebrauchen“ könne. „Wir haben 88 Prozent Wähler im Westen“, so der Generalsekretär. „Es wird nicht reichen, wenn wir hier im Osten mit 50 Prozent gewählt werden.“

Höcke hatte im Januar mit Bezug auf das Holocaust-Mahnmal in Berlin gesagt: „Wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.“ Er erntete damals empörte Reaktionen, die er später als „bösartige und bewusst verleumdende Interpretationen“ zurückwies.

Von dpa/RND