Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Politik IW will Anhebung des Renteneintrittsalters auf 73 Jahre
Nachrichten Politik IW will Anhebung des Renteneintrittsalters auf 73 Jahre
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:41 04.08.2016
Ruheständler beziehen länger Rente als jemals zuvor. Quelle: Jens Wolf
Anzeige
Berlin

Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) plädiert für eine weitere Heraufsetzung des Rentenalters - und bekommt dafür teils scharfe Kritik zu hören.

Nur durch längeres Arbeiten könnten steigende Rentenbeiträge und ein sinkendes Rentenniveau vermieden werden, sagte IW-Geschäftsführer Hubertus Bardt der "Bild"-Zeitung. "Wenn nicht stärker privat und betrieblich vorgesorgt wird, müsste das Eintrittsalter weiter erhöht werden: bis 2030 auf 69 Jahre und bis 2041 auf 73 Jahre.

Unter Berufung auf neue Daten der Rentenversicherung Bund berichtet das Blatt, dass Ruheständler so lange Rente bezögen wie nie zuvor. Im vergangenen Jahr sei die durchschnittliche Bezugsdauer bei Frauen auf 22,8 Jahre (reguläre Altersrente), bei Männern auf 18,78 Jahre gestiegen. 2010 erhielten Frauen im Durchschnitt noch 22,09 Jahre Rente, Männer 17,51 Jahre.

Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) will den Ausbau der betrieblichen Altersvorsorge quasi als drittes Standbein der Rentenfinanzierung forcieren. Zudem hat sie einen Entwurf für eine Flexi-Rente vorgelegt, der mehr Menschen zum Arbeiten bis zur Regelaltersgrenze motivieren soll. Mittlerweile ist demnach mehr als die Hälfte der 60- bis 64-Jährigen erwerbstätig. Um Ältere möglichst lange im Erwerbsleben zu halten, solle der Übergang in den Ruhestand flexibler werden.

Das Geschäftsführende Vorstandsmitglied der IG Metall, Hans-Jürgen Urban, erklärte: "Bekanntlich führt die Anhebung der Regelaltersgrenze nicht zu einem längeren Verbleib in den Betrieben, sondern zu drastischen Rentenkürzungen." Dass die Rentenbezugszeiten länger würden, sei ein bekannter Trend, der den Rentenreformen der letzten Jahre zugrunde liege. Wer jetzt eine drastische Anhebung des Renteneintrittsalters fordere, versuch "ein bekanntes Phänomen zu skandalisieren".

Die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Ulrike Mascher, kritisierte: "Solche Vorschläge gehen vollkommen an der Realität vorbei. Die Beschäftigungssituation für Ältere ist nach wie vor kritisch. Die meisten haben doch schon Mühe, ihren Job bis 65 oder gar 67 auszuüben. Ältere Menschen müssen am Arbeitsmarkt bessere Chancen bekommen." Die Vize-Vorsitzende der Linksfraktion, Sabine Zimmermann, forderte, die "rentenpolitische Geisterfahrt" zu stoppen. "Diese schwachsinnige Diskussion muss sofort beendet werden."

Vor kurzem hatte die deutsche Versicherungswirtschaft deutlich gemacht, dass die Bürger künftig länger bis zur Rente arbeiten müssten als heute. Denn ohne deutlich spätere Rente drohten eine enorme Belastung der Steuerzahler und ein rapides Absinken des Rentenniveaus. Auch die Jugendorganisation der CDU, die Junge Union, dringt darauf, die Rente zukunftsfest zu machen. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) trat für eine Koppelung des Rentenalters an die steigende Lebenserwartung ein.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Was wird aus den Stasi-Akten? Lange wurde diskutiert - und dann eine Entscheidung vertagt. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

04.08.2016

Migration, Integration und Flüchtlinge - vor zwei Jahren waren das keine ganz großen Themen. Das sieht heute ganz anders aus. Die Integrationsbeauftragte Özoguz sagt: Das bleibt auch so. Sie hält deshalb die Schaffung eines eigenen Ministeriums für sinnvoll.

04.08.2016

Nach den Gewalttaten der vergangenen Tage in Deutschland streitet die Politik weiter über einen Einsatz der Bundeswehr im Inland.

Man müsse darüber diskutieren, ob es nicht die Situation geben kann, "dass bei einer Terrorlage, die sich an mehreren Orten möglicherweise über einen längeren Zeitraum erstreckt, dann auch die Bundeswehr mit hinzugezogen werden sollte", sagte der CSU-Innenpolitiker Stephan Mayer im ARD-"Morgenmagazin".

04.08.2016
Anzeige