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Politik „In Moskau wird bald Katerstimmung einkehren“
Nachrichten Politik „In Moskau wird bald Katerstimmung einkehren“
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23:37 16.11.2016
Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk. Quelle: Archiv
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Berlin

Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, setzt auf den Beistand des designierten US-Präsidenten Donald Trump. „Wir glauben nicht an apokalyptische Prognosen, der neue Herr im Weißen Haus werde dem Kreml einen Freibrief für brutales Handeln auf der Weltbühne ausstellen“, sagt Melnyk im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Welche Auswirkungen wird die Wahl Donald Trumps auf den Krieg in der Ostukraine haben?

Andrij Melnyk: Die Ukrainer respektieren die Wahl des amerikanischen Volkes. Präsident Petro Poroschenko hat übrigens als einer der ersten Staatschefs Donald Trump zum Wahlsieg gratuliert. Wir glauben nicht an apokalyptische Prognosen, der neue Herr im Weißen Haus werde dem Kreml einen Freibrief für brutales Handeln auf der Weltbühne ausstellen, auch nicht in Bezug auf die russische Aggression in der Ostukraine. Nach frenetischer Champagner-Feier in Moskau wird sehr bald eine Katerstimmung sowie Ernüchterung einkehren. Wir wagen vorherzusagen, dass die Grundprinzipien der US-amerikanischen Außenpolitik betreffend Russland, vor allem die Sanktionen, ungeachtet heftiger Wahlkampfrhetorik und mancher verstörender Signale, bewahrt werden. Denn es ist ja kaum vorstellbar, dass der Präsident einer Weltmacht, für welche Freiheit, Demokratie und Menschenrechte jahrhundertelang geradezu sakrale Werte darstellen, diese in Zweifel ziehen würde. Und beim Putinschen unverhüllten Krieg gegen die Ukraine geht es eben um diese Grundwerte und die totale Missachtung durch Moskau. Außerdem bedeutet diese neue Situation, dass unsere europäischen Partner, in erster Linie die Bundesrepublik, noch mehr Verantwortung übernehmen müssten, um eine baldige Friedenslösung für die Ostukraine zu erzielen.

Fürchten Sie, die USA könnten Ihre Unterstützung für die Ukraine in Kürze einstellen?

Andrij Melnyk: Nein, wir erwarten nicht, dass die Vereinigten Staaten den eingeschlagenen Kurs gegenüber Kiew grundlegend korrigieren werden. Die Hilfe für die großangelegten Reformen in der Ukraine zu verweigern wäre ganz bestimmt nicht im Interesse der USA. Auch wenn wir die bisherigen Äußerungen des neugewählten Präsidenten ernst nehmen sollten, glauben wir, dass letztendlich die Vernunft Oberhand gewinnen wird. Außerdem muss man ja nicht vergessen, dass gleichzeitig mit der Präsidentschaftswahl auch die Wahlen in den Kongress stattgefunden haben. Und die Republikaner, die immer eine klare Kante in puncto Ukraine zeigten, konnten ihre Mehrheit verteidigen.

Könnte Putin nun ermutigt sein, seinen Eroberungsfeldzug in der Ukraine zu forcieren?

Andrij Melnyk: Natürlich kann man dieses gefährliche Szenario leider nicht ausschließen. Putin hat ja auf Zeit gespielt und die Umsetzung des Minsker Abkommens immer wieder hinausgezögert in der Hoffnung, eine günstigere außenpolitische Lage zu erreichen. Wir sind aber davon überzeugt, dass diese perfide Kalkulation nicht aufgehen wird. Sollte sich der Kremlherr doch dazu entschließen, einen weiteren Angriff in der Ukraine zu wagen, vor allem eine massive militärische Offensive zu starten, wird er sehr bald merken, dass die USA diesen Vorstoß nicht tolerieren, sondern darauf adäquat reagieren werden.

Von Jörg Köpke

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