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Politik Israel verneigt sich
Nachrichten Politik Israel verneigt sich
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19:45 29.09.2016
   Quelle: imago stock&people
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Jerusalem

 Das Gemurmel der Menschen wird vom Knattern der Hubschrauber in der Luft übertönt. Die Sonne brennt auf das Parlament in Jerusalem und die Israelis, die ihrem ehemaligen Präsidenten Schimon Peres die letzte Ehre erweisen wollen. „Die Jüngeren erinnern sich an ihn als reizenden Präsidenten, als Großvater“, sagt Maajan Edelman – beiges Hemd, Halstuch, blonde Locken. Die 27-Jährige ist mit rund 200 anderen Pfadfindern schon am Donnerstagmorgen gekommen, um am Sarg vor dem Gebäude vorbeizugehen.

Der 93-jährige Friedensnobelpreisträger war am Mittwoch gestorben, zwei Wochen nach einem schweren Schlaganfall. Peres hatte bis zuletzt für eine friedliche Lösung des Nahost-Konfliktes gekämpft. Zum Staatsbegräbnis an diesem Freitag in Jerusalem werden unter anderem Bundespräsident Joachim Gauck und US-Präsident Barack Obama erwartet.

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu nimmt Abschied

Die weißen Flaggen mit dem blauen Davidstern wehen auf halbmast, als sich am Morgen um neun Uhr die Pforten öffnen. Zuvor hatten bereits Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Präsident Reuven Rivlin mit seiner Frau Nechama am Sarg inne gehalten.

Quelle: EPA

Die Polizei hat die Straßen in der Umgebung abgesperrt. Insgesamt sind rund 8000 Polizisten an beiden Tagen im Einsatz, berichtet ein Sprecher. Busse bringen die Besuchermassen auf das Gelände. Am Nachmittag spricht ein Vertreter des Parlaments von geschätzt 25.000 Menschen. Bis zum späten Abend werde mit mehr als 50.000 Besuchern gerechnet.

„Schimon Peres war ein großer Mann“

„Ich bin gekommen, um Schimon Peres meinen Respekt zu zollen, weil er ein großer Mann war“, sagt Schalom Benjeschaja am Eingang zum Parlaments-Gelände. Er habe Peres schon Anfang der Neunzigerjahre vor den Vereinten Nationen in New York reden hören, erzählt der 57-Jährige. „Ich dachte, er würde mindestens 110 Jahre alt.“ Peres sei so gesund gewesen, habe sich gut gefühlt. „Es ist ein großer Verlust“, sagt Benjeschaja.

Peres wurde 1923 als Sohn eines Holzhändlers im damaligen Ostpolen geboren und kam 1934 nach Palästina. Seine Einwandererbiografie entspricht der vieler Menschen in Israel. „Es ist die Geschichte Israels“, sagt Inbal Freund, deren Großmutter 1933 aus Deutschland geflohen war.

Trauernde reisen aus Amerika an

„Dieser Pioniergeist, nicht immer den Regeln zu folgen, außerhalb des Rahmens zu denken – er hat das zelebriert, er hat das gelehrt“, sagt die 37-jährige Jerusalemerin. Sie ist mit ihrem guten Freund Jake Bennett gekommen, der aus Phoenix zu Besuch ist. „Sein Leben sind die ersten 93 Jahre dieses Landes“, sagt er. Der Aufbau Israels habe eben schon vor dem Holocaust begonnen.

Menschen legen Blumen und Kränze vor einem Bild Peres nieder, machen Fotos vom Sarg und drehen Videos. Schülergruppen gehen vorbei. Hebräisch ist zu hören, Englisch, Spanisch. Peres galt als einer der wenigen im Ausland beliebten israelischen Politiker.

Pfadfinderin Edelman sagt allerdings auch über Peres: „Ich denke, es gibt eine Menge Dinge, bei denen die Menschen ambivalente Gefühle haben.“ Zu Beginn seiner Karriere habe er noch polarisiert, sei ein Linker gewesen, habe zu der Gruppe eher elitärer Juden aus Europa gehört. Doch er habe die Meinung der Menschen über sich geändert, sei sehr verbindend geworden. „Er war einfach für alle da.“

Von RND/dpa

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