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Politik Ist Wortbruch schlimmer als Lügen?
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16:59 09.04.2018
Das Glaubwürdigkeitsparadox: Donald Trump in der Air Force One im Gespräch mit Reportern. Quelle: AP
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Hamburg

Nichts ist dieser Tage schlimmer, als sein Wort zu brechen. Der Wähler erwartet von seinen Repräsentanten Eindeutigkeit, Wahrheit, Ehrlichkeit – ohne dass er selbst eindeutig, wahr und ehrlich wäre, weil Eindeutigkeit und Wahrheit in einer hochkomplexen Welt kaum mehr zu haben sind. Der ehrgeizige oder naive Politiker aber nimmt den maßlosen Anspruch an Eindeutigkeit an, weil er weiß, dass die Wähler es genau so von ihm erwarten. Erfüllt er den Anspruch, steigt wiederum die Erwartung an die Erfüllung weiterer Ansprüche.

Und wenn die dann einmal nicht erfüllt werden, ertönt kollektives Wehgeschrei: Wortbruch! Lügner! Betrüger!

Dieses geschlossene System könnte man das Glaubwürdigkeitsparadox nennen.

Geht es um Glaubwürdigkeit, tun sich die Schmuddelkinder mittlerweile am leichtesten. Sie haben insofern eine saubere Weste, als ihre schmutzigen Gedanken von Anfang an zum Beschmutzen gedacht waren. Deshalb ist Donald Trump, der wohl größte höchstamtliche Lügner aller Zeiten, aus Sicht erstaunlich vieler Amerikaner glaubwürdig: Er setzt um, was er ankündigt. Er hält sein Wort, auch wenn das Wort gelogen ist.

Wir lernen, dass es nicht mehr um den sittlich oder ethisch korrekten Inhalt, um Rationalität, Logik, Fakten geht und auf dieser Grundlage um möglichst aufrichtiges Tun – sondern um den formalen Akt der Einhaltung welch kruden Versprechens auch immer. Der Wortbruch ist anstößiger als die Lüge. So lautet der große Wandel in der politischen Kultur: Lügt, so viel ihr wollt – aber haltet euch an eure Lügen!

Christian Schüle ist Schriftsteller in Hamburg.

Von Christian Schüle

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