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Politik Kämpferischer Schulz: „Ich will Kanzler werden“
Nachrichten Politik Kämpferischer Schulz: „Ich will Kanzler werden“
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21:52 07.08.2017
SPD-Spitzenkandidat Martin Schulz (.l) im Dialog mit den Lesern des RedaktionsNetzwerk Deutschland“ (RND) und RND-Chefredakteur Wolfgang Büchner.   Quelle: Thomas Imo/photothek.net
Berlin

Auf die Frage eines Lesers, ob er sein Bundestagsmandat annehmen werde, wenn es nicht für das Kanzleramt reiche, sagte Schulz: „Ja klar – zunächst einmal bewerbe ich mich um ein Mandat im Deutschen Parlament. Es wäre doch unlogisch, dieses Mandat nicht anzunehmen.“ Auch als Partei-Chef will er weitermachen. Bis zum Bundesparteitag im Dezember sowieso, aber auch darüber hinaus. „Ich werde mich natürlich beim nächsten Parteitag der SPD um meine Wiederwahl bewerben“, kündigte Schulz an. Er betonte allerdings auch, dass er vorhabe, Kanzler zu werden.
Der SPD-Chef stellte sich gestern den Fragen der Leser von gut 30 regionalen Tageszeitungen des „RedaktionsNetzwerk Deutschland“. Im berühmten Saal der Bundespressekonferenz nahm sich der Kanzlerkandidat mehr als eine Stunde Zeit, um auf die Fragen der aus ganz Deutschland angereisten Zeitungsleser zu antworten. Diese hatten im Vorfeld die Möglichkeit gehabt, sich mit ihren Fragen um eine Teilnahme zu bewerben.

Slalomlauf durch einen abwechslungsreichen Parcours der Fragen

Inhaltlich musste sich Schulz auf einen ganzen Strauß an Themen einstellen, zu denen die Leser seine Meinung wissen wollten: Private Krankenversicherung („Abschaffung schwierig“), Finanzierbarkeit der SPD-Wahlversprechen („solide durchgerechnet“), Bedingungslosen Grundeinkommen („kein Fan“), Zukunft der Automobilindustrie („Schlüsselbranche“), Legalisierung von Marihuana („bin ich skeptisch“). Selbst die Frage, ob er sich als Bundeskanzler für eine Veröffentlichung geheimgehalter Ufo-Akten einsetzen werden, musste Schulz ein Antworten  finden („prüfen, was rechtlich zulässig ist“), und dass, obwohl er sich nach eigenem Bekunden noch nie zuvor mit dem Thema befasst hatte

Dieselskandal: Kunden dürfen nicht die Zeche zahlen

An mehreren Stellen bekam der SPD-Chef spontanen Applaus, etwa als er mit Blick auf den Diesel-Skandal feststellte, dass es nicht Kunden und Arbeitnehmer sein dürften, die am Ende die Zeche für Fehlentscheidungen in Vorstandsetagen bezahlen müssen.
Bei der Flüchtlingspolitik erneuerte Schulz seine Kritik an der Kanzlerin. Er sagte aber auch, dass er nicht mit einer Wiederholung der Situation aus dem Sommer 2015 rechne. Erst vor zwei Wochen hatte Schulz noch vor einer solchen Wiederholung gewarnt und war eigens zu einer Flüchtlingseinrichtung auf der Mittelmeerinsel Sizilien gereist.

Niedersachsen: „Rachefeldzug“ einer einzelnen Abgeordneten
Am Rande seines Besuchs im RND-Hauptstadtbüro äußerte sich Schulz auch zur aktuelle Regierungskrise in Niedersachsen. Die CDU sei aufgefordert, die Hintergründe des Fraktions- und Parteiwechsels der niedersächsischen Landtagsabgeordneten Elke Tewes von den Grünen zur CDU offen zu legen, sagte Schulz. Es sei das Wesen der Demokratie, dass Parteien in Parlamenten die Mehrheit erreichen wollten. „Aber darüber spricht der Wähler sein Urteil und nicht einzelne Abgeordnete, die einen Rachefeldzug führen wollen, nur weil sie im eigenen Wahlkreis nicht mehr aufgestellt worden sind.“

Im Wahlkampf rechnet der SPD-Chef mit einer harten Auseinandersetzung zwischen dem linken und dem konservativen Lager.  „In Niedersachsen tritt Schwarz-Gelb gegen Rot-Grün an“, sagte Schulz, auch wenn er momentan nicht den Eindruck habe, dass die FDP begeistert von dem sei, „was die CDU in Niedersachsen veranstaltet“.
Die Diskussion verlief nicht nur ernst, stellenweise gab es auch etwas zu lachen. Etwa, als Jürgen Rolke, Leser der Schaumburger Nachrichten, wissen wollte, warum Schulz nicht auf eine andere Brille und einen Dreitagebart setze – auch um beim weiblichen Geschlecht zu punkten. „Die Frage höre ich tatsächlich öfter. Ich finde, ich sehe ganz manierlich aus“, antwortete Schulz lachend, um dann ernster hinzuzufügen: „Wir leben hoffentlich immer  in einem Land, in dem das Argument mehr zählt, als der Designeranzug.“

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Von Andreas Niesmann/RND