Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Politik Kritik aus Ankara: Türkei bestellt Gesandten der deutschen Botschaft ein
Nachrichten Politik Kritik aus Ankara: Türkei bestellt Gesandten der deutschen Botschaft ein
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:20 01.08.2016
Teilnehmer der Demonstrationen am Sonntag in Köln. Quelle: dpa
Anzeige
Köln / Ankara

Im Streit um die Pro-Erdogan-Demonstration in Köln bestellt das türkische Außenministerium den Gesandten der deutschen Botschaft in Ankara ein. Das bestätigte die deutsche Botschaft in Ankara. Botschafter Martin Erdmann ist im Urlaub, daher nimmt der Gesandte - sein Stellvertreter - den für Montagmittag geplanten Termin wahr. Die türkische Regierung hatte scharfe Kritik daran geäußert, dass Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan sich am Sonntag nicht per Videoleinwand an die Demonstranten in Köln wenden durfte.

Erdogans Sprecher Ibrahim Kalin hatte das Verbot durch das Bundesverfassungsgericht inakzeptabel genannt und eine „befriedigende Erklärung“ Deutschlands verlangt.

Gut zwei Wochen nach dem vereitelten Putsch in der Türkei hatten am Sonntag Zehntausende in Köln friedlich ihre Unterstützung für Erdogan demonstriert. Zugleich feierten sie die Niederschlagung des Umsturzversuchs. Eigentlich hatten die Veranstalter der Kundgebung in Köln geplant, Erdogan auf einer Großleinwand live zuzuschalten - dies war angesichts der aufgeheizten Stimmung aber verboten worden.

Nach Angaben der Polizei nahmen 30.000 bis 40.000 Menschen an der Kundgebung teil. Es gab mehrere Gegendemonstrationen. Zu den befürchteten Ausschreitungen kam es aber nicht. Die Polizei zog am Abend eine positive Bilanz. Im Einsatz waren 2700 Beamte, auch Wasserwerfer standen bereit.  

Der Kundgebungsplatz glich einem roten Meer aus türkischen Flaggen. Mit einer Schweigeminute gedachten die Teilnehmer der Opfer des Putschversuches in der Türkei sowie der Opfer der jüngsten Terroranschläge in Frankreich, Deutschland und der Türkei. Gegen Ende der Veranstaltung wurde eine Botschaft Erdogans verlesen. In dieser lobte er, dass sich die türkische Bevölkerung den Putschisten mutig entgegengestellt habe. Er dankte auch den türkischen Bürgern, die in Deutschland auf die Straße gegangen seien. „Heute ist die Türkei stärker, als sie je vor dem 15. Juli gewesen ist“, hieß es.

Erdogan macht den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen für den Putschversuch von Mitte Juli verantwortlich. In der Türkei läuft seither eine von der Regierung so genannte Säuberungswelle gegen mutmaßliche Unterstützer Gülens im Militär, in der Polizei, den Medien, der Justiz und im Bildungswesen. Knapp 18 700 Menschen wurden festgenommen, gegen 10 137 ergingen nach Angaben Erdogans Haftbefehle. Die harten Maßnahmen wurden besonders aus der EU kritisiert.

Von LVZ

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Wie gut soll es den Rentnern von morgen gehen? Gewerkschaften und Arbeitgeber erheben deutliche Forderungen an die Politik - allerdings mit völlig unterschiedlicher Stoßrichtung.

04.08.2016

Eltern, die beide berufstätig sind, sehen sich im Alltag mit völlig neuen sozialen und organisatorischen Belastungen konfrontiert - die durchaus gesundheitliche Beeinträchtigungen zur Folge haben können.

04.08.2016

Großeinsatz für die Kölner Polizei: Zehntausende Anhänger des türkischen Präsidenten Erdogan demonstrieren in der Domstadt. Eine rechte Gegendemo hält Abstand. Trotzdem ist die Stimmung aufgeheizt. Einer, der nicht sprechen durfte, meldet sich per Grußwort.

04.08.2016
Anzeige