Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Politik Kurden greifen IS-Hauptstadt Al-Rakka an
Nachrichten Politik Kurden greifen IS-Hauptstadt Al-Rakka an
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:25 06.11.2016
Ein Mädchen flieht mit provisorischer weißer Fahne aus einem Vorort von Mossul. Quelle: imago
Anzeige
Damaskus

Nach dem Start der Offensive auf Mossul gerät die Terrormiliz IS nun auch in ihrer inoffiziellen Hauptstadt in Syrien unter Druck. Kurdische Kämpfer begannen eigenen Angaben zufolge den lange erwarteten Angriff auf die Dschihadisten-Hochburg Al-Rakka. Unterstützt von Luftangriffen der US-geführten Militärkoalition werde man die „Hauptstadt des weltweiten Terrorismus“ zunächst isolieren und dann einnehmen, sagte eine Kommandeurin der kurdisch dominierten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) am Sonntag in der nordsyrischen Stadt Ein Issa.

Fast 30 Tote bei Sprengstoff-Attentaten

Unterdessen starben im Irak mindestens 29 Menschen bei Selbstmordattentaten des Islamischen Staates. In der Stadt Tikrit seien am Sonntag 16 Leute umgekommen, als ein mit Sprengstoff beladener Krankenwagen explodierte, teilte ein Mitglied der Sicherheitskräfte mit. 35 Menschen seien verletzt worden. In der schiitischen Pilgerstadt Samarra habe eine weitere Autobombe 13 Menschen in den Tod gerissen, unter ihnen auch vier Pilger aus dem Iran. Die Behörden verhängten eine Ausgangssperre. Die Gewalt wird als Reaktion des IS auf den Angriff ihrer Hochburg Mossul gesehen.

Vier Fünftel der Kämpfer sind vertriebene Bewohner

In der Offensive auf Al-Rakka soll die Stadt laut US-Angaben zunächst von 30.000 bis 40.000 Kämpfern am Boden von der Außenwelt abgeschnitten werden. Die Offensive gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) mit dem Namen „Wut des Euphrats“ begann nach Angaben der SDF in der Nacht zuvor. Vier Fünftel der teilnehmenden Kämpfer seien Zivilisten, die aus Al-Rakka geflohen waren. Bei der Offensive habe die Sicherheit von Unbeteiligten in Al-Rakka Vorrang, das vor der Einnahme durch die Terrormiliz mehrere Hunderttausend Einwohner zählte. Sie wurden aufgefordert, sich von Stellungen der Dschihadisten fernzuhalten.

Kurdische Truppen auf dem Vormarsch Richtung Al-Rakka

Kurdischen Angaben zufolge rückten die Kämpfer am ersten Tag zehn Kilometer vor und nahmen dabei eine Reihe von Dörfern ein. Bestimmende Kampfeinheiten werden die kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) sein, die die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) dominieren. Den SDF gehören auch turkmenische, arabische und assyrische Gruppen an. YPG und SDF sind die wichtigsten Verbündeten des Westens gegen die sunnitischen Extremisten des Islamischen Staates (IS) in Syrien. Die Kurden beherrschen mittlerweile große Teile der Grenze zur Türkei, über die früher der IS-Nachschub lief. Mit dem Nachbarland gibt es aber schwere Spannungen. Ankara will verhindern, dass die Kurden weitere syrische Gebiete unter ihre Herrschaft bringen und griff diese in der Vergangenheit immer wieder an. Die SDF forderten die Türkei auf, sich nicht in syrische Angelegenheiten einzumischen.

Strom der Flüchtlinge aus Mossul nimmt zu

Unterdessen schwoll im Irak nach der Befreiung der ersten Stadtteile Mossuls die Zahl der Flüchtlinge aus der Millionenstadt an. Die Hilfsorganisation des Norwegischen Flüchtlingsrates (NRC) sprach von einem „dramatischen Anstieg“ der Ankünfte in den Camps in der Region. Mindestens 700 000 Menschen aus der Stadt könnten auf humanitäre Hilfe angewiesen sein. Die momentane Zahl der Vertriebenen, die Hilfe benötigen, gibt der NCR mit mehr als 22 000 an. Ankommende berichteten von einer strikten Herrschaft des IS ohne Privatsphäre, Schulen, Fernsehen oder Kontakt zur Außenwelt. Irakische Streitkräfte waren nach Armeeangaben in Häuserkämpfe mit IS-Kämpfern im Osten und Norden Mossuls verwickelt. Es wird angenommen, dass der Islamische Staat Tausende Menschen in und um Mossul als menschliche Schutzschilde missbraucht.

Von RND/dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Gibt es doch noch Chancen für einen gemeinsamen Präsidentschafts-Kandidaten der großen Koalition? Die SPD setzt auf Steinmeier. Merkel und Seehofer sind unter Druck.

06.11.2016
Politik Neuer Ärger für den Kandidaten - Trump spielt mit antisemitischen Klischees

Weiterer Skandal um den Skandal-Kandidaten: Ins einem jüngsten Wahlkampf-Werbespot spielt Donald Trump mit antijüdischen Klischees.

06.11.2016
Politik Zugang zu EU-Binnenmarkt - Labour-Chef fordert „Brexit light“

Der britische Abschied aus der EU ist beschlossene Sache. Doch nun stellt die Opposition neue Bedingungen. Einen „Brexit“ werde es nur geben, wenn Großbritannien seinen Zugang zum EU-Binnenmarkt behält.

06.11.2016
Anzeige