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LVZ-Kolumne: Die Geduld und Hoffnung der Griechen

Griechische Woche LVZ-Kolumne: Die Geduld und Hoffnung der Griechen

Welche Sorgen und Hoffnungen haben die Rentner, Lehrer und Studenten in Griechenland, während die Mächtigen Europas über die Zukunft ihres Landes entscheiden? Unsere Reporterin Marina Kormbaki ist eine Woche vor Ort und berichtet jeden Tag aus dem Alltagskrimi. Heute: "Gute Besserung, Griechenland!" - Abschied aus Athen.

Autorin Marina Kormbaki bereist Griechenland.

Quelle: LVZ

Athen. Es gibt Griechen, die ziehen jetzt Bilanz und stellen fest: In den letzten Tagen habe ich mehr Zeit in Schlangen verbracht als mein gesamtes Leben zuvor. Den Satz hört man dieser Tage oft, meist vorgetragen, als wär's ein unerhörter Scherz. Sie stehen an am Bankautomaten - nach wie vor offiziell auf 60 Euro, tatsächlich aber wegen fehlender 20-Euro-Scheine oft auf 50 Euro pro Tag begrenzt. Sie standen am Sonntag vor Schulgebäuden an, um an der Volksabstimmung teilzunehmen, und sie stehen jetzt an in Supermärkten und in Apotheken, denn eine Wiedereröffnung der Banken im Laufe dieser Woche ist unwahrscheinlich, die Vorräte des Einzelhandels gehen zur Neige und da will niemand zu spät kommen.

Es ist nun keineswegs so, dass sich Athen zu einer einzigen Menschenschlange formiert hat. Um die Welt gegangene, aber auch in griechischen Medien immer wieder gezeigte Bilder von hintereinandergereihten Bargeldabhebern vermitteln ein etwas überdramatisiertes Bild. Als ich gestern Abend mit Verwandten durch die Stadt fuhr, wurden sie nicht müde, mich auf einsame Bankautomaten hinzuweisen. "Da! Siehst du? Weit und breit kein Mensch." "Und da. Auch keiner." "Hier! Niemand. Ah. Ein Automat meiner Bank. Halt mal kurz an." Das Schlangestehen passt nicht so recht zum Selbstbild einer Gesellschaft, die sich ja auch als fortgeschrittene Dienstleistungsgesellschaft begreift. Schon gar nicht das Schlangestehen vor Geldautomaten - Symbole des globalisierten Kapitalismus, dem ja auch Griechenland angehört und der roten Rhetorik seines Führungspersonals zum Trotz auch weiterhin angehören will. Im Nein vom Sonntag steckte ein Ja zum Euro.

Erstaunlich ist die Ruhe, mit der die Menschen auf den versiegenden Fluss von Bargeld reagieren. Es gab bisher keine Ausschreitungen. Stattdessen wurde die Links-rechts-Regierung von Alexis Tsipras, die maßgeblich verantwortlich ist für die Schließung der Banken, mit dem eindeutigen Nein im Referendum gestärkt. Paradox? Vielleicht. Vor allem aber Ausdruck der Hoffnung, dass Tsipras Lockerungen bei den Reformauflagen der internationalen Geldgeber aushandeln kann. Die Griechen setzen großes Vertrauen in ihn. Wem sie allerdings nicht vertrauen: den Gläubiger-Institutionen, allem voran der Europäischen Zentralbank. So sind die Scheine unter der Matratze und die Hamsterkäufe nicht als Misstrauensvotum gegen die Regierung zu sehen, sondern gegen ihre Verhandlungspartner.

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Zur Person:
Marina Kormbaki (32) ist Berlin-Korrespondentin des RedaktionsNetzwerks Deutschland der Mediengruppe Madsack. Sie reist seit ihrer Kindheit regelmäßig zu Verwandten nach Athen, beherrscht die griechische Sprache - und begleitet für uns die europäische Schuldenkrise seit Jahren journalistisch. Zurzeit berichtet sie an dieser Stelle aus Athen von dem Leben am Rande des Staatsbankrotts.

Und diese Hamsterkäufe werden allmählich zum großen Problem, denn der Nachschub für die Einzelhändler stockt. Lieferanten aus dem In- und Ausland wollen bar und im Voraus bezahlt werden, was vielen Händlern schwerfällt angesichts des von Tag zu Tag knapper werdenden Bargeldumlaufs im Land. Richtig ernst wird es, wenn die Händler lebenswichtiger Güter in diesen Teufelskreis geraten wie beispielsweise Apotheken.

In den Regalen einer Apotheke am zentralen Omonia-Platz in Athen klaffen große Lücken. Der Apotheker listet auf, woran es mangelt. "Milchpulver, Hustensaft - generell Medizin für Kinder -, aber auch Mittel gegen Bluthochdruck, Herzbeschwerden und Schilddrüsenfehlfunktionen werden jetzt knapp. Die Menschen kaufen keine teuren Medikamente, dafür reichen die 60 Euro vom Automaten nicht. Aber sie stocken ihre Hausapotheke auf." Ihm falle es von Tag zu Tag schwerer, Bestellungen aufzugeben. In den Büros griechischer Zwischenhändler gehe kaum mehr jemand ans Telefon, ein Tauschzirkel für Medikamente unter Apothekern soll Engpässe überwinden helfen. An diesem Dienstagmorgen nimmt der Apotheker auch Geldkarten an. "Aber wenn Sie morgen, übermorgen wiederkommen, werden Sie wohl in bar zahlen müssen. Wenn ich denn habe, wonach Sie suchen."

 Leider werde ich so schnell nicht wiederkommen können, meine Recherchereise nach Athen, meine "Griechische Woche", endet am Dienstag.
Gute Besserung, Griechenland!

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