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Nachrichten Politik Lebenslange Haft für Milizionäre der Jesus-Armee
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13:59 14.12.2017
Die Vertreibung von Einheimischen gehört zur systematischen Politik von Milizen und Regierungstruppen im Kongo. Quelle: dpa
Frankfurt a.M./Goma

Ein Militärgericht im Kongo hat elf Milizionäre wegen Mordes und der Vergewaltigung von rund 40 Kindern zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Richter in der Stadt Kavumu im Osten des Landes hätten entschieden, dass die Taten als Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu werten sind, berichtete der französische Auslandssender RFI am Donnerstag.

Die Mädchen, die zwischen 2013 und 2016 in einem Dorf vergewaltigt wurden, waren zwischen acht Monaten und zwölf Jahre alt. Einige wurden ermordet. Menschenrechtler begrüßten das Urteil als Meilenstein im Kampf gegen die Straflosigkeit für die weit verbreitete sexuelle Gewalt in der Unruheregion.

Vergewaltigung von Kindern sollte übernatürliche Kräfte verleihen

Unter den Verurteilten ist der Provinzabgeordnete Frederic Batumike. Insgesamt waren 18 Mitglieder der Miliz namens „Jesus-Armee“ angeklagt. Ihnen wurde auch die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung und illegaler Waffenbesitz vorgeworfen. Die Milizenchefs hatten den Männern offenbar gesagt, die Vergewaltigung kleiner Mädchen verleihe ihnen übernatürliche Kräfte. Den vergewaltigten Kindern sprach das Gericht umgerechnet 4.200 Euro Entschädigung zu, den Hinterbliebenen der Ermordeten 12.700 Euro.

Sieben Angeklagte wurden freigesprochen oder zu kurzen Haftstrafen verurteilt. Der Prozess ist einer der wenigen Fälle sexueller Gewalt im Kongo, bei dem es zu einer Verurteilung kam. Charles Cubaka, Sprecher der Opfer-Anwälte, sagte, das Urteil sei eine Genugtuung für die Opfer und ihre Familien: „Nach Jahren des Schweigens wurde ihr Leiden öffentlich gemacht und anerkannt.“

Ärzte für Menschenrechte feiern historischen Sieg

Das Urteil gilt als juristischer Meilenstein im Kongo, da es die Arbeit lokaler Gerichte stärkt. Dass die Rechtssprechung im Kongo in der Lage ist, Verbrechen gegen die Menschlichkeit selbst und hart zu ahnden, feierten Nichtregierungsorganisationen und Menschenrechtsaktivisten als „historischen Sieg“ über die Unkultur der Straflosigkeit bei sexueller Gewalt.

„Zu lange haben Vergewaltiger im Kongo gedacht, dass sie unbesiegbar sind“, erklärte die Nichtregierungsorganisation Ärzte für Menschenrechte. „Vor einigen Jahren wäre ein solcher Prozess noch unvorstellbar gewesen.“

Sexuelle Gewalt wird im Ost-Kongo von mehreren Milizen systematisch eingesetzt, um die Bevölkerung zu terrorisieren oder zu vertreiben. Die Kämpfer wollen sich damit oft Zugang zu lukrativen Minen verschaffen. Auch der kongolesischen Armee werden Massen-Vergewaltigungen und andere schwere Verbrechen vorgeworfen.

Von RND/epd

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