Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Politik Union und SPD unterschreiben Koalitionsvertrag
Nachrichten Politik Union und SPD unterschreiben Koalitionsvertrag
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:54 13.03.2018
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer und der kommissarische SPD-Vorsitzende Olaf Scholz vor der Unterzeichnung des Koalitionsvertrages in Berlin. Quelle: dpa
Berlin

Fast ein halbes Jahr nach der Bundestagswahl mit schweren Verlusten für die drei Parteien wollen die Partei- und Fraktionsspitzen von CDU, CSU und SPD am Mittag den 177 Seiten starken Koalitionsvertrag unterzeichnen. Am Mittwoch soll Merkel im Bundestag zum vierten Mal zur Kanzlerin gewählt werden. Anschließend werden Merkel und die Minister vereidigt.

tagesschau LIVE

Der Koalitionsvertrag wird unterzeichnet - knapp sechs Monate nach der Bundestagswahl.

Gepostet von tagesschau am Montag, 12. März 2018

Die neue große Koalition will nach einem beispiellos langen Ringen um die Regierungsbildung zügig ihre Arbeit aufnehmen und sieht Deutschland vor großen Herausforderungen. Die Spitzen von CDU, CSU und SPD verwiesen am Montag vor allem auf den Wandel durch die Globalisierung und Digitalisierung sowie auf die Krise Europas. „Sehr viel Arbeit liegt vor uns“, sagte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Montag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem kommissarischen SPD-Vorsitzenden Olaf Scholz und CSU-Chef Horst Seehofer in Berlin.

Alle Seiten hätten sich in den Koalitionsverhandlungen vorgenommen, diese Arbeit auch zu erledigen, sagte Merkel. Außerdem kämen neue Herausforderungen hinzu wie die von US-Präsident Donald Trump angekündigten Strafzölle, auf die Antworten gefunden werden müssten. „Ich bin optimistisch, dass das auch gelingt“, sagte Merkel. Der künftige Bundesfinanzminister und Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) versprach: „Das wird eine gute Regierung.“ CSU-Chef Horst Seehofer ergänzte: „Und eine soziale Regierung.“

Merkel: Wohlstand muss bei allen Menschen ankommen

Merkel sagte mit Blick auf die lange Regierungsbildung, es sei viel Arbeit aufgelaufen. Sie betonte, es gehe darum, in Zeiten von Globalisierung und Digitalisierung das Wohlstandsversprechen der sozialen Marktwirtschaft zu erneuern. Der Wohlstand müsse bei allen Menschen ankommen. Ziel seien gleichwertige Lebensbedingungen für die Menschen in ganz Deutschland. Scholz sagte, die Sorgen der Menschen vor der Zukunft seien ein zentrales Thema der neuen Regierung. Viele Bürger hätten Angst um die eigene Zukunft. Scholz verwies etwa auf die Bedeutung von beruflicher Weiterbildung in Zeiten des digitalen Wandels.

CSU-Chef Seehofer sagte, die Deutschen erwarteten nach den monatelangen Verhandlungen nun eine rasche Umsetzung des Koalitionsvertrags. Die Vereinbarungen zwischen CDU, CSU und SPD spiegelten eine soziale Verantwortung für die Gesellschaft wie kaum ein anderer Koalitionsvertrag zuvor, sagte der designierte Innen- und Heimatminister.

Seehofer verwies dabei unter anderem auf verabredete Verbesserungen bei der Rente, bei der Pflege und bei der Gesundheitsversorgung. Zudem werde Vorsorge getroffen für eine Arbeitsplatzsicherung, um das Ziel einer Vollbeschäftigung bis 2025 erreichen zu können. Die geplanten Steuerentlastungen durch den Abbau beim Solidaritätszuschlag kämen 90 Prozent der Steuerpflichtigen zugute.

„Große Koalition ist nicht von Anfang an als Liebesheirat losgegangen“

Der künftige Bundesfinanzminister und Vizekanzler Scholz sieht für die große Koalition trotz der schwierigen Regierungsbildung eine solide Grundlage. „Die vierte große Koalition in Deutschland ist jetzt nicht von Anfang an als Liebesheirat losgegangen“, sagte Scholz. Union und SPD seien und blieben „grundverschiedene Parteien“, aber seien „trotzdem in der Lage, konstruktiv miteinander zusammenzuarbeiten und ordentlich zu regieren“.

Die SPD wolle regieren, um für mehr soziale Gerechtigkeit in Deutschland zu sorgen - „Schritt für Schritt, Tag für Tag“, sagte Scholz, der kommissarisch die Parteiführung von Martin Schulz übernommen hat. Um den Koalitionsvertrag habe die SPD mit CDU und CSU hart gerungen und es sei gut, dass mit dem Ende der monatelangen Regierungsbildung die „Zeit der Unsicherheit“ vorbei sei. In der SPD gibt es große Vorbehalte gegen eine weitere Koalition mit der Union, eine deutliche Mehrheit der Mitglieder hat aber dafür gestimmt.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zeigte sich erleichtert über den Abschluss der Regierungsbildung. „Ich bin froh darüber, dass die Zeit der Unsicherheit und Verunsicherung vorübergeht“, sagte Steinmeier am Montag in Düsseldorf. „Die Ungeduld wuchs in den letzten Wochen während der Verhandlungen und der Abstimmungsphase.“

Die Oppositionsparteien äußerten Kritik an der neuen großen Koalition. Der Vertrag habe „große Lücken gerade bei den großen Zukunftsherausforderungen“, sagte Grünen-Chefin Annalena Baerbock. Sie nannte besonders den Klimaschutz, die Digitalisierung und die Bekämpfung von Armut. FDP-Chef Christian Lindner kritisierte, es fehlten Entlastungen für die Mitte der Gesellschaft. „Dieser ganze Koalitionsvertrag atmet den Geist einer absoluten Staatsfixierung. Von den Bürgerinnen und Bürgern wird eigentlich nur gesprochen als von den Bedürftigen, den Schwachen, von den Patienten, um die man sich kümmern muss.“

Von RND/are/dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Vor zwei Wochen wurden Investigativ-Journalist Jan Kuciak und seine Verlobte in der Slowakei ermordet. Jetzt zieht der Innenminister des Landes Konsequenzen: Robert Kalinak ist zurückgetreten.

13.03.2018

Der aus Thüringen stammende Jurist und CDU-Bundestagsabgeordnete Christian Hirte wird Ostbeauftragter der Bundesregierung. Entsprechende Informationen der „Thüringer Allgemeinen“ und des MDR wurden am Montag in Berlin bestätigt.

12.03.2018

Eine geplante Türkei-Rundreise der Türkisch-Islamischen Union Ditib für junge Erwachsene stößt auf Kritik. Wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Montag) berichtet, findet die Reise in den nordrhein-westfälischen Osterferien vom 24. bis 31. März statt.

14.03.2018