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Nachrichten Politik Merkel trifft Hinterbliebene der Terroropfer
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17:54 18.12.2017
Das Treffen war nicht öffentlich – Merkel äußerte sich aber vorher dazu. Quelle: dpa
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Berlin

Es ist eine Botschaft, die für viele spät kommt. Und es sind Versprechen, an denen die Hinterbliebenen der Berliner Terror-Opfer die Kanzlerin messen werden. „Mir ist wichtig, dass ich heute noch einmal deutlich mache, wie sehr wir mit den Angehörigen und mit den Verletzten fühlen, wie sehr wir auch Dinge verbessern wollen“, sagt Angela Merkel am Montag, bevor sie Angehörige der Opfer im Kanzleramt empfängt – fast genau ein Jahr, nachdem der Attentäter Anis Amri am 19. Dezember 2016 mit einem gestohlenen Lastwagen in den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche raste. Zwölf Menschen wurden damals getötet, rund 70 verletzt.

„Ich weiß, dass einige sich ein solches Treffen früher gewünscht hätten“, sagt Merkel. Ihr sei die Begegnung „sehr wichtig“. Und sie ergänzt, der Opfer-Beauftragte der Bundesregierung, Kurt Beck, habe eine ganze Reihe von Dingen deutlich gemacht, die unzureichend seien. Die Bundesregierung werde sich mit aller Kraft für Verbesserungen einsetzen. „Eins ist auch klar und mir auch bewusst: dieses Leiden, diese völlige Veränderung des eigenen Lebens wird nicht gutzumachen sein, und trotzdem zeigen wir Anteilnahme.“

Offener Brief zeigt Trauer und Wut

Anteilnahme zeigen – genau dazu hatten Hinterbliebene Merkel in einem offenen Brief vor zwei Wochen aufgefordert. „In Bezug auf den Umgang mit uns Hinterbliebenen müssen wir zur Kenntnis nehmen, Frau Bundeskanzlerin, dass Sie uns auch fast ein Jahr nach dem Anschlag weder persönlich noch schriftlich kondoliert haben“, heißt es in dem Brief. Wer ihn liest, spürt Trauer, Schmerz, Ohnmacht, ein Gefühl des Alleingelassen-Seins, aber auch hilflose Wut. „Frau Bundeskanzlerin, der Anschlag am Breitscheidplatz ist auch eine tragische Folge der politischen Untätigkeit Ihrer Bundesregierung.“ Gezeichnet: Mitglieder aller zwölf Familien der Todesopfer vom Breitscheidplatz.

Nun also das Treffen im Kanzleramt – bei dem Merkel nach Aussagen ihres Regierungssprechers Steffen Seibert vor allen eines will: zuhören. Seibert hatte betont, die Einladung für das Treffen sei vor dem Eingang des Briefes der Hinterbliebenen im Kanzleramt verschickt worden. Im März hatten sich der damalige Bundespräsident Joachim Gauck und Innenminister Thomas de Maizière mit den Angehörigen getroffen, dies sei mit dem Kanzleramt abgestimmt gewesen. Ein paralleles Treffen mit Merkel sei damals nicht sinnvoll erschienen, sagte der Regierungssprecher.

Diesmal ist der „Mensch Merkel“ gefragt

War das im Nachhinein ein Fehler? Der kritische Brief der Angehörigen dürfte auch im Kanzleramt Nachdenken ausgelöst haben. Am Montag ist nun vor allem der „Mensch“ Angela Merkel gefragt. Seit zwölf Jahren ist sie Bundeskanzlerin, seit fast zwei Monaten geschäftsführend. Häufig ist sie als zaudernd, zögernd, vorsichtig und kühl kritisiert worden, als Gefühlsverweigerin, als „Physikerin der Macht“ mit einer technokratischen Sprache.

Berühmt geworden ist zum Beispiel diese Szene: Im Juli 2015 trifft sie in einer Diskussionsrunde im Fernsehen auf das Flüchtlingsmädchen Reem in Rostock. Reem weint, als die Kanzlerin ihr sagt, nicht jeder könne in Deutschland bleiben. Merkel wird daraufhin Herzlosigkeit und Gefühlskälte unterstellt.

Es gilt als ein einschneidendes Erlebnis für Merkel. CDU-Politiker, die sie lange kennen, sagen, die Not der Flüchtlinge in Ungarn habe ihr Herz berührt. Auf dem Höhepunkt der „Willkommenskultur“ 2015 gewährt Merkel Selfies mit Flüchtlingen und lächelt in die Kameras. Und diejenigen, die sie kennen, sagen, sie könne gut zuhören, im persönlichen Gespräch könne sie gelöst sein und charmant.

Opfer-Beauftragter legt Bericht vor

Erst am vergangenen Dienstagabend besucht Merkel überraschend den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz, den Anschlagsort. Sie unterhält sich mit Passanten, Besuchern und Budenbetreibern. Einen Tag nach Merkels Stippvisite auf dem Weihnachtsmarkt legt der Opfer-Beauftragte der Bundesregierung seinen Bericht vor. Darin werden viele Versäumnisse zusammengetragen. Es soll nun eine zentrale Anlaufstelle geben und höhere finanzielle Entschädigungen.

Der Jahrestag des Anschlags steht am Dienstag an. Es ist eine Andacht geplant für die Hinterbliebenen, für die Verletzten und Helfer, ein Gedenkort wird eingeweiht. Merkel wird dabei sein.

Von dpa/RND

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