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Messerattacke auf Kölner OB-Kandidatin

Kriminalität Messerattacke auf Kölner OB-Kandidatin

Drama vor der Oberbürgermeisterwahl in Köln: Die parteilose Kandidatin Reker wird Opfer einer Messerattacke und schwer verletzt. Als Motiv soll der Täter die Flüchtlingspolitik genannt haben.

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Polizisten der Spurensicherung arbeiten am Tatort am Braunsfelder Wochenmarkt.

Quelle: Oliver Berg

Köln. Die Kölner Oberbürgermeisterkandidatin Henriette Reker ist einen Tag vor der Wahl bei einem Messerangriff auf einem Wochenmarkt schwer verletzt worden. Ein 44-jähriger Mann attackierte die parteilose Politikerin am Morgen mit einem langem Messer an einem Wahlkampfstand der CDU.

 Die Ermittler bestätigten Hinweise auf ausländerfeindliche Motive des 44-jährigen Angreifers. "Zum jetzigen Zeitpunkt deuten die Zeugenaussagen (...) darauf hin, dass in der Tat fremdenfeindliche Motive des Täters ausschlaggebend waren", sagte der ermittelnde Oberstaatsanwalt Ulf Willuhn in Köln. Auch der festgenommene Täter selbst habe fremdenfeindliche Motive als Motiv für seine Tat angegeben, betonten die Ermittler.

 Reker habe ernsthafte Verletzungen im Halsbereich erlitten. "Aktuell ist sie stabil, aber nicht über den Berg" , betonte der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers. Als Sozialdezernentin ist Reker auch für die Unterbringung von Flüchtlingen in der Domstadt zuständig.

 Bislang sei der Täter polizeilich nicht ausgefallen. Es gebe auch keine Erkenntnisse, dass der Angreifer in einer Partei oder Organisation aktiv sei, sagten die Ermittler.

 Reker wurde nach Angaben der Stadt durch einen Stich in den Hals schwer, aber nicht lebensbedrohlich verletzt und kurz darauf operiert.

 Auch vier weitere Personen erlitten Verletzungen. Der Angreifer wurde noch am Tatort festgenommen, Kriminalpolizei und eine Mordkommission ermitteln. NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) sprach von "ersten Anzeichen für eine politisch motivierte Tat". In die Ermittlungen sei auch der NRW-Verfassungsschutz mit eingebunden.

 Die Wahl findet trotz des Attentats wie geplant am Sonntag statt. Wahlleiterin Gabriele Klug appellierte an die Kölner, nach dem Angriff auf Reker auf jeden Fall wählen zu gehen.

 Die Messerattacke löste über die Parteigrenzen hinweg Entsetzen aus. Die Parteien stellten den Wahlkampf ein. Ein parteiübergreifendes Bündnis rief zu einer Solidaritätskundgebung für die Opfer in der Innenstadt Kölns auf.

 Nach der Messerattacke kam es am Tatort zu dramatischen Szenen. Helfer versuchten, den Täter mithilfe von Partei-Sonnenschirmen zu überwältigen, die an dem Stand aufgestellt waren, berichtete der "Kölner Stadt-Anzeiger" unter Berufung auf Augenzeugen. "Der Mann stach mit einem etwa 20 Zentimeter langem Messer um sich", sagte das Kölner CDU-Ratsmitglied Jürgen Strahl dem Kölner "Express". Er sprach von einem "gezielten Angriff" auf Reker. Sie sei von einer 20 Zentimeter langen Klinge am Hals getroffen und an der Luftröhre verletzt worden, hieß es.

 Der Kölner CDU-Vorsitzende Bernd Petelkau, der ebenfalls Augenzeuge des Angriffs im Stadtteil Braunsfeld war, sagte der "Rheinischen Post" hingegen, der Angreifer habe Reker mit einem Messer in den Bauch gestochen. Vor dem Angriff habe der Mann gerufen: "Ich rette Messias. Das ist alles falsch, was hier läuft, ich befreie Euch von solchen Leuten." Nach der Attacke sei er dann ganz ruhig stehengeblieben und habe gesagt: "Ich musste es tun. Ich schütze Euch alle."

 Die parteilose Reker wird von CDU, Grünen und FDP unterstützt und liegt laut einer jüngsten Umfrage im Rennen um die Macht im Rathaus vorn. Rekers SPD-Konkurrent Jochen Ott schrieb bei Facebook: "Ab sofort werde ich meinen Wahlkampf unterbrechen, bis ich weitere Informationen über ihren Gesundheitszustand habe."

 Eigentlich sollte schon Mitte September in der viertgrößten deutschen Stadt gewählt werden. Die Bezirksregierung hatte aber die Stimmzettel beanstandet, das Votum wurde um fünf Wochen verschoben.

 Politiker zeigten sich über die Parteigrenzen hinweg fassungslos über den Angriff auf Reker. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) verurteilte die Tat und erkundigte sich in einem Telefonat bei NRW-CDU-Chef Armin Laschet nach dem Gesundheitszustand Rekers, wie eine Regierungssprecherin mitteilte. Auch Justizminister Heiko Maas (SPD) und Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) verurteilten die Tat.

 NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) erklärte: "Diese feige und verabscheuungswürdige Tat ist auch ein Anschlag auf die Demokratie in unserem Land und damit auf uns alle." Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki erklärte: "Es ist erschütternd, dass eine solch sinnlose Gewalttat den Wahlkampf überschattet."

dpa

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