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23:52 28.12.2016
Abgelehnte Asylbewerber steigen im Rahmen einer Sammelabschiebung in ein Flugzeug. Quelle: dpa
Berlin

Deutschland ist kein Auswanderungsland. Daran ändert auch die bekannt gewordene Zahl von 54.000 staatlich geförderten Rückreisen abgelehnter oder ausreisewilliger Asylbewerber nichts. Die Zahl wurde von Politik und Öffentlichkeit mit einiger Verwunderung aufgenommen, was wiederum verwunderlich ist. Denn weder ist sie angesichts des Zuzugs von Asylbewerbern in den vergangenen zwei Jahren besonders hoch. Noch vermag ihre Zusammensetzung zu überraschen: Die meisten Rückreisen führten in die nahe gelegenen Länder des Westbalkans und somit in eine zwar kriselnde, aber vergleichsweise friedliche Region, aus der sich in den vergangenen zwei Jahren Zehntausende auf den Weg nach Deutschland machten.

So dürfte das Erstaunen über die Zahl von 54.000 Rückkehrwilligen, deren Antrag auf Unterstützung in diesem Jahr bewilligt wurde, vor allem damit zu tun haben, dass es so etwas überhaupt gibt: eine freiwillige Rückkehr. Die Asyldebatte hatte zuletzt ja den Eindruck vermittelt, es gebe nur eine Art des Umgang mit ausreisepflichtigen Menschen – und zwar die erzwungene Abschiebung. Je mehr Abschiebungen, desto besser, so der Tenor. Die Meldung über freiwillige Rückkehrer ruft in Erinnerung, dass es auch unkompliziertere, humanere und nachhaltigere Möglichkeiten zur Ausreise für Menschen gibt, die nicht hierbleiben dürfen.

Wichtiger als Taschengeld sind Helfer vor Ort

Es ist aber nicht damit getan, Menschen ein Flugticket zu kaufen, ihnen ein paar Hundert Euro in die Hand zu drücken und auf ein Nimmerwiedersehen zu hoffen. Diese Hoffnung kann sich vor allem dann als illusorisch erweisen, wenn der Herkunftsstaat in geografischer Nachbarschaft liegt. Der finanzielle Anreiz zur Ausreise kann auch Anreiz zur Wiedereinreise sein, ein Drehtüreffekt ist nicht auszuschließen. Deswegen wurde vor einiger Zeit die Rückkehr-Förderung für Menschen vom Westbalkan stark gekürzt. Ausreisepflichtige Albaner, Kosovaren und Serben erhalten ein Gratis-Busticket – finanzielle Starthilfen vor Ort gibt es für sie nicht.

Stattdessen etabliert sich auf dem Westbalkan allmählich eine nicht materielle, viel wichtigere Starthilfe: Hilfsorganisationen vor Ort unterstützen die Rückkehrer bei der Suche nach einer Wohnung, einem Arbeitsplatz und einem Schulplatz für die Kinder. Diese Vor-Ort-Hilfe muss die Bundesregierung bei der geplanten Neugestaltung der Anreizprogramme stärker berücksichtigen. Sie kann dazu ihre diplomatischen Kanäle nutzen, und sie kann auf ein weltweites Netz staatlicher und nicht staatlicher Hilfseinrichtungen zurückgreifen. Programme zur freiwilligen Rückkehr können nur dann nachhaltig sein, wenn die Rückkehrer daheim zufriedenstellende Lebensbedingungen vorfinden. Fluchtursachen müssen vor Ort bekämpft werden – dieser Satz ist zur Floskel geworden, wahr bleibt er trotzdem.

Von RND/Marina Kormbaki

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