Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Politik Mugabe tritt nach 37 Jahren Regentschaft ab
Nachrichten Politik Mugabe tritt nach 37 Jahren Regentschaft ab
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:33 21.11.2017
Eine Demonstration vor dem Parlament von Simbabwe.   Quelle: AP
Anzeige
Harare/Bonn

 Kurz vor seiner Amtsenthebung hat der simbabwische Präsident Robert Mugabe seinen Rücktritt erklärt. Er wolle damit einen reibungslosen und friedlichen Machtwechsel garantieren, schrieb Mugabe in seiner Rücktrittserklärung, die am Dienstag im Parlament verlesen wurde. Der Rücktritt sei mit sofortiger Wirkung gültig, sagte Parlamentspräsident Jacob Mudenda. Der von Mugabe entlassene Vizepräsident Emmerson Mnangagwa werde binnen 48 Stunden die Amtsgeschäfte übernehmen, teilte die Regierungspartei Zanu-PF mit.

Dem über 90-Jährigen drohte die Absetzung

Der vom Militär unter Hausarrest gestellte und politisch isolierte Mugabe hatte sich trotz massiver Rücktrittsforderungen seiner Partei und der Bürger des Landes in den vergangenen Tagen zunächst geweigert, seinen Posten abzugeben. Am Dienstag begann im Parlament ein Amtsenthebungsverfahren gegen den 93-Jährigen, das möglicherweise bereits am Mittwoch oder Donnerstag mit seiner Absetzung geendet hätte.

Dem kam Mugabe mit seinem Schreiben zuvor. Parlamentspräsident Mudenda unterbrach die Sitzung, um die Abgeordneten über den Rücktritt zu informieren. Diese brachen daraufhin in Jubel aus. Auch auf den Straßen Harares wurde gefeiert, als die Nachricht bekannt wurde. „Willkommen in einem neuen Simbabwe“, riefen Menschen vor einem Konferenzzentrum, in dem Abgeordnete zusammenkamen.

Der Nachfolger soll für Massaker verantwortlich sein

Zuvor hatte auch Mnangagwa den Langzeitpräsidenten zu einem sofortigen Rücktritt aufgerufen. Das Volk wolle Mugabes Rücktritt, sagte er. „Nie wieder sollte die Nation als Geisel genommen werden von einer Person, die im Amt sterben möchte, egal, welche Kosten dies für das Land hat.“

Mnangagwa ist ein langjähriger Wegbegleiter Mugabes, beide Männer arbeiteten seit den 70er Jahren zusammen. Mnangagwa soll Anfang der 80er die berüchtigte, in Nordkorea ausgebildete „Fünfte Brigade“ ins Matabeleland geschickt haben. Massakern dort fielen Tausende Menschen zum Opfer. Mnangagwa bestreitet, dafür verantwortlich zu sein.

Das Militär leitete die Zeitenwende ein

Das Militär hatte Mugabe vergangene Woche unter Hausarrest gestellt, nachdem dieser Mnangagwa entlassen und versucht hatte, seiner Frau Grace Mugabe den Weg ins höchste Staatsamt zu ebnen. Nach dem Militär wandte sich auch seine Partei Zanu-PF vom Präsidenten ab. Mugabe wurde als Vorsitzender abgewählt und Mnangagwa für die Nachfolge bestimmt. Dem seit 1980 amtierenden Staatschef stellte das Zentralkomitee ein Ultimatum für einen Rücktritt bis Montag, das dieser aber verstreichen ließ.

Die Opposition pocht auf freie Wahlen

Die US-Botschaft in Harare bezeichnete Mugabes Rücktritt als einen historischen Moment für Simbabwe und gratulierte allen Simbabwern, die ihre Stimmen erhoben. Jetzt müsse der Weg des Landes zu freien und fairen Wahlen führen. Die britische Premierministerin Theresa May erklärte, der Rücktritt Mugabes gebe Simbabwe die Chance, einen neuen Weg frei von Unterdrückung einzuschlagen.

Oppositionsführer Morgan Tsvangirai sagte, die Kultur der Regierungspartei müsse ein Ende haben. Jetzt müssten alle zusammenarbeiten, um freie und faire Wahlen zu ermöglichen.

Viele Simbabwer wollten am Dienstag aber erst einmal den Moment genießen. „Heute ist ein guter Tag“, erklärte Eric Machona, ein Einwohner von Harare. „Die Menschen sind sehr glücklich.“

Von dpa/AP/RND

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Vier Wochen lang verhandelten die Parteien, doch eine Jamaika-Koalition kommt nicht zu Stande. Am Dienstag war Bundespräsident am Zuge. Er traf die Spitzen von Grünen und FDP. Doch über die Inhalte der Unterredung schweigen sich alle Beteiligten aus. Derweil werden in der SPD erste Stimmen laut, eine Koalition doch zu erwägen. Alle Entwicklungen vom Dienstag zum Nachlesen.

21.11.2017
Politik Vor Treffen mit Steinmeier - Lindner schreibt Brief an die FDP-Basis

Er hat den Stecker gezogen: 36 Stunden sind seit dem Scheitern der Jamaika-Sondierungen vergangen. Am Vormittag begegnen sich Christian Lindner und Angela Merkel im Bundestag wieder – ein kurzer Händedruck, ein paar Worte, mehr nicht. Welche Strategie verfolgt der FDP-Chef? In einem Brief wendet er sich an die FDP-Basis.

21.11.2017

Deutsche Schüler können besonders gut gemeinsam arbeiten. In dieser Kategorie landete Deutschland in der aktuellen PISA-Studie über dem Durchschnitt. Gruppenarbeit sei wichtiger als reines Auswendiglernen – das könne Google besser, so die OECD. Es gibt aber auch bei uns Handlungsbedarf.

21.11.2017
Anzeige