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NSU-Morde: Gegen Anschlagsopfer in Köln wurde nicht ermittelt

Landtag NSU-Morde: Gegen Anschlagsopfer in Köln wurde nicht ermittelt

Der Anschlag in der Kölner Keupstraße zählt zu den Verbrechen, die dem Terrortrio NSU in NRW zugeschrieben werden. Dass ausgerechnet die Opfer von den Fahndern verfolgt wurden, dementiert der damalige Staatsanwalt. Ein Ruhmesblatt waren die Ermittlungen aber nicht.

22 Menschen waren 2004 in der Kölner Keupstraße durch einen Nagelbomben-Anschlag verletzt worden, der dem NSU zugeschrieben wird.

Quelle: Federico Gambarini/Archiv

Düsseldorf. Bei der Untersuchung des Nagelbombenanschlags in der Kölner Keupstraße 2004 sind keine Ermittlungsverfahren gegen Angehörige der Opfer eingeleitet worden.

Das hat der damals zuständige Oberstaatsanwalt, Rainer Wolf, im NSU-Untersuchungsausschuss des Düsseldorfer Landtags versichert. Vorwürfe, damals hätten die Opfer im Zentrum der Ermittlungen gestanden, seien falsch. Bei dem Anschlag, der auf das Konto der rechten Terrorzelle NSU ("Nationalsozialistischer Untergrund") gehen soll, waren 2004 in der von türkischen Zuwanderern geprägten Keupstraße 22 Menschen verletzt worden.

Es sei keineswegs nur ermittelt worden, ob es sich um organisierte Kriminalität in rivalisierenden türkischen Szenen gehandelt haben könnte, sagte Wolf. Allerdings hätten Kontobewegungen der Opfer überprüft werden müssen, um auszuschließen, ob ihnen größere Geldsummen abgepresst worden seien. Viele Hintergründe für die Tat seien möglich gewesen, ohne dass es für eine Version hinreichende Indizien gegeben habe.

Die Aussage Wolfs offenbarte, ebenso wie die anderer Zeugen zuvor, wie die Ermittler damals im Dunkeln tappten. Erst Ende 2011 war der das NSU-Terrortrio aufgeflogen. "Das hat eine wahnsinnige Wut bei mir ausgelöst, dass es so etwas gegeben hat", sagte Wolf, der damals Leiter der Staatsschutzabteilung der Kölner Staatsanwaltschaft war. Er sei im Nachhinein sehr enttäuscht gewesen, dass es von anderen Dienststellen keine Hinweise an die Behörden in NRW gegeben habe. "Wenn alle Dienste, die zu dem Trio Kontakt hatten, uns mal Hinweise gegeben hätten, wären wir ja weitaus erfolgreicher gewesen."

Am 9. Juni 2004 hatten Terroristen einen Sprengsatz auf einem Fahrrad gezündet. Im Münchner NSU-Prozess hatten Zeugen ausgesagt, sie hätten in der Keupstraße Männer gesehen, die den NSU-Köpfen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt ähnlich sahen. "Das waren Fotos von zwei Allerweltstypen, die Baseball-Kappen tief ins Gesicht gezogen hatten", sagte Wolf. "Da war nichts Spezifisches dran. Sie sahen nicht aus wie Rechtsradikale."

Eine Parallele zum Sprengstoffanschlag mit einer Christstollendose in der Kölner Probsteigasse, bei der 2001 eine Deutsch-Iranerin schwer verletzt worden war, habe er nicht gesehen, sagte Wolf. Es habe damals auch keinerlei Hinweise auf eine terroristische Vereinigung gegeben.

Es sei für ihn sehr unbefriedigend gewesen, mit dem ungelösten Fall im November 2011 in Rente zu gehen, sagte der 68-Jährige. Man müsse aber erkennen: Ohne die zynischen "Paulchen-Panther"-Bekennervideos des NSU wären die Hintergründe im Dunkeln geblieben. "Wenn die Leute sich nicht selbst offenbart hätten, wüssten wir es heute noch nicht."

dpa

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