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NSU-Prozess: Verteidiger fordern Leichenfotos an

Prozesse NSU-Prozess: Verteidiger fordern Leichenfotos an

Überraschend waren kürzlich Fotos aus dem abgebrannten Wohnmobil der mutmaßlichen NSU-Terroristen Böhnhardt und Mundlos aufgetaucht, außerdem bisher unbekannte Akten. Die wollen die Verteidiger von Beate Zschäpe und Ralf Wohlleben jetzt sehen.

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Seit zweieinhalb Jahren läuft vor dem Oberlandesgericht in München der Prozess um die Morde und Terroranschläge des NSU.

Quelle: Andreas Gebert

München. Überraschend aufgetauchte Fotos der toten Rechtsterroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt sowie weitere Unterlagen sollen in die Prozessakte des NSU-Prozesses aufgenommen werden.

Das beantragten die Verteidiger des mutmaßlichen Terrorhelfers Ralf Wohlleben. Der neue Pflichtverteidiger der Hauptangeklagten Beate Zschäpe, Mathias Grasel, schloss sich dem Antrag an. Er habe das Gericht bereits am Montag per Telefax aufgefordert, die Unterlagen zur Akte zu nehmen, sagte Grasel der Deutschen Presse-Agentur.

Die Bilder sollen unmittelbar nach dem mutmaßlichen Selbstmord von Mundlos und Böhnhardt am 4. November 2011 in deren ausgebranntem Wohnmobil aufgenommen worden sein. Sie galten bisher als verschollen, wurden am Samstag aber bei der Polizei in Gotha (Thüringen) gefunden. Dort sollen Beamte auf Weisung der Landespolizeidirektion Thüringen diskret Räume durchsucht haben. Dabei sollen sie auf die Fotos und zahlreiche bisher unbekannte Akten gestoßen sein.

Bis zum nächsten Prozesstermin am kommenden Dienstag muss über einen Befangenheitsantrag Wohllebens gegen die Richter entschieden sein. Am Donnerstag hatte das Gericht trotz der ausstehenden Entscheidung weiterverhandelt, was laut Gesetz für einen Prozesstag möglich ist.

Die Hauptangeklagte Zschäpe muss sich für die Serie von zehn Morden und zwei Sprengstoffanschlägen verantworten, die die Bundesanwaltschaft dem "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU) vorwirft. In dem seit zweieinhalb Jahren laufenden Prozess schwieg sie bisher beharrlich, will nun im Rahmen einer neuen Verteidigungsstrategie aber aussagen. Wann das geschehen wird, steht noch nicht fest.

Als Zeugen hörte das Gericht am Donnerstag mehrere Kripo-Ermittler. Sie hatten Karten und Notizen ausgewertet, die in den NSU-Hinterlassenschaften gefunden worden waren. Die Polizisten zeigten Stadtplanausschnitte von Nürnberg, Göttingen, Braunschweig, Paderborn und Hamm, auf denen mögliche Anschlagziele markiert waren. Die meisten Notizen stammten ausweislich der Zeitstempel der Dateien vom 1. April 2006 und wurden demnach wenige Tage vor den beiden NSU-Mordanschlägen in Dortmund und Kassel erstellt.

dpa

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