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Nepals Informationsminister: „Hoffen 2016 auf Touristen wie im Vorjahr"

Interview Nepals Informationsminister: „Hoffen 2016 auf Touristen wie im Vorjahr"

Auch knapp sechs Wochen nach dem Erdbeben kämpft Nepal noch immer mit den Nachwirkungen. Nepals Informationsminister Minendra Rijal (46) spricht im Interview über Pläne und Hoffnungen für die Zukunft.

Minister Minendra Rijal (r.) nach dem Gespräch mit LVZ-Redakteur Martin Pelzl.

Quelle: LVZ

Kathmandu. Wie groß sind die Zerstörungen nach der Bebenserie mit einer Stärke von bis zu 7,8 auf der Richterskala?

Mehr als 500.000 Häuser sind zerstört und die dort wohnenden Familien praktisch heimatlos, sie können nicht in ihr Heim zurück. Deshalb ist es unsere erste Aufgabe, ihnen zunächst übergangsweise ein Obdach in einfachen Schutzhütten zu verschaffen und für sie in den nächsten acht bis zehn Monaten ein dauerhaftes Zuhause zu finden – so Gott will.

Was erwarten Sie für die Touristenzahlen in diesem Jahr?

Das hängt vor allem davon ab, wie lange noch Nachbeben zu verzeichnen sind. Für die Herbstsaison hoffen wir, dass es in einer gemeinsamen Aktion von Regierung und Hotellerie gelingt, möglichst viele Gäste nach Nepal zu locken. Wir hoffen, nächstes Jahr wieder so viele Touristen begrüßen zu können wie im Vorjahr.

Werden indische Touristen, die die Hälfte der jährlich 600.000 Gäste ausmachen, wegen der drei wichtigen Hindu-Heiligtümer in Nepal – Pashupatinath, Muktinath und Gosainkund – eher als die anderen wiederkommen?

Wie sich die Verwüstungen in unserem Land auf das Reiseverhalten auswirken, kann ich nicht sagen. Gewiss wird es auch zeitliche Verschiebungen von Reisen oder auch Absagen geben. Grundsätzlich müssen wir sagen, dass die Anzahl der Touristen im Vergleich mit dem Potenzial und der Anziehungskraft Nepals noch immer sehr klein ist.

Wie wichtig ist der Tourismus für Nepal?

Schon recht wichtig. Vielleicht nicht mehr so wie vor 20 Jahren, als er ganz weit vorn stand. Mittlerweile sind die im Ausland arbeitenden Nepalesen die größte Einkommensquelle.

Gibt es – kurz nach den Erdbeben – schon irgendwelche Ideen, Pläne oder Projekte, um den doch recht wichtigen Tourismus-Sektor wieder anzukurbeln?

Noch nicht, die Erdbebenserie ist ja noch nicht einmal vorbei. Die Hilfsaktionen haben Vorrang, andere Dinge müssen warten. Ein erstes Gespräch der nepalesischen Hotel-Vereinigung mit Premierminister Sushil Koirala hat aber bereits stattgefunden. Doch zunächst muss die Infrastruktur wieder hergestellt werden. Sie können die beste Werbekampagne nicht ohne die notwendige Infrastruktur starten. Wir wissen, dass dies eine Herausforderung ist.

Wird es auch „Erdbebensicher"-Zertifikate für Hotels, Restaurants und andere öffentliche Einrichtungen geben?

Das kommt, wir werden solche Zertifikate für bestehende wie neu zu bauende Gebäude vergeben, wenn sie dem internationalen Standard in Erdbebenregionen entsprechen. Leider können wir die Geografie oder die Natur nicht zertifizieren. Nur eines ist wohl sicher, ein ebenso großes Erdbeben wird es wohl nicht so schnell wieder geben. Um den Tourismus anzukurbeln haben wir kürzlich die Genehmigung für den Bau von 29 Sterne-Hotels, davon 15 Fünf-Sterne-Hotels, erteilt. Für die Anzahl der Touristen bisher haben die Kapazitäten ausgereicht. Wollen wir mehr, muss investiert werden.

Interview: Martin Pelzl

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