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Politik Neue Kandidatur: Leidenschaft gegen Loslassen
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16:35 24.04.2017
Horst Seehofer: Er soll im ungleichen Team mit der Kanzlerin die Wahlchancen von CSU und Union maximieren. Quelle: dpa
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München

Wann will Horst Seehofer denn nun aufhören, wie lange will er sein Karriereende hinausschieben? Als die Frage kommt, lacht der 67-Jährige nur. Endlich hat er nun offiziell angekündigt, dass er auch über 2018 hinaus als CSU-Chef und Ministerpräsident weitermachen will, hat sich dafür die einhellige Unterstützung des Parteivorstands geholt. Er sei seit 37 Jahren Berufspolitiker, „da ist man dann schon mit Leidenschaft unterwegs, die hat mich keinen Tag losgelassen“, sagte Seehofer am Montag nach einer Sitzung des CSU-Vorstands in München. Zudem sei er körperlich fit und könne die beiden „sehr anspruchsvollen Ämter“ so erfüllen, wie die Bevölkerung es erwarte. Das 2013 angekündigte Karriereende sei ein großer Fehler gewesen, den er nie wieder machen werde.

Horst Seehofer: Erfolg gewährleisten

Dass Seehofer entgegen seiner damaligen Ankündigung in beiden Ämtern weitermachen will, war intern längst erwartet worden. Er selbst aber sagt, das habe er erst am Wochenende entschieden. „Und da saßen nur meine Frau und ich.“

Drei Dinge seien maßgeblich für seine Entscheidung gewesen, sagte Seehofer: „dass man solche Ämter will, dass man sie ausüben kann und dass man auch mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit den Erfolg bei einer Wahl gewährleisten kann“.

Seehofers neuerliche Doppel-Kandidatur wird in der CSU quer durch alle Lager begrüßt, von seinen glühenden Anhängern ebenso wie von seinen internen Kritikern. Letztlich ist es wie bei der CDU und Kanzlerin Angela Merkel: Man weiß, dass man mit dem Amtsinhaber die besten Wahlchancen hat. Viele trauen derzeit allein Seehofer zu, das Unions-Ergebnis bei der Bundestagswahl und den CSU-Einfluss in Berlin zu maximieren, und dann ein Jahr später die absolute Mehrheit in Bayern zu sichern. Tatsächlich sprechen Seehofers Zustimmungswerte in der Bevölkerung für sich – da kommt kein anderer CSU-Politiker ran.

Seehofer steht damit vor einem Berg von Herausforderungen: Er ist der Hauptverantwortliche für das CSU-Ergebnis bei der Bundestagswahl – auch wenn der bayerische Innenminister Joachim Herrmann auf dem Papier der Spitzenkandidat ist. Die Marschrichtung aber, die gibt Seehofer vor. Er ist es auch, der Angela Merkel monatelang unter Dauerfeuer genommen hatte – und seit Februar nun wieder kräftig um Unterstützung für die Kanzlerin wirbt. Eine gefährliche Strategie war das, glauben auch viele in der CSU. Seehofer sagte dazu intern bereits, wenn es schiefgehe, könne man ihn nach der Wahl „köpfen“.

Mission: Konservative Wähler an die Union binden

Zudem wird von Seehofer erwartet, dass er konservative Wähler an die Union bindet und die AfD möglichst klein hält. Und nach der Wahl setzt die CSU-Basis darauf, dass Seehofer die so oft versprochene Obergrenze für Flüchtlinge umsetzt. Die Chancen: nicht allzu groß.

Die für Seehofer und die CSU noch wichtigere Wahl folgt dann ein Jahr später: Einzige Messlatte für den alten, neuen Kandidaten ist es, ob er es schafft, die absolute CSU-Mehrheit in Bayern zu verteidigen. Das allein zählt. Geht die Mission schief, dürfte es eng werden für Seehofer.

Und dann ist da noch die Sache mit Seehofers Nachfolge. Er selbst hatte ja einst vollmundig angekündigt, er werde der erste CSU-Chef in der Geschichte sein, dem ein geordneter Übergang gelingen werde. Aktuell hat Seehofer dieses Ziel verfehlt. Denn Fakt ist: Ein Abgang Seehofers zum jetzigen Zeitpunkt hätte die CSU in eine Zerreißprobe gestürzt. Es hätte ein veritabler Machtkampf gedroht, zwischen Finanzminister Markus Söder, dem seit langem aussichtsreichsten Nachfolgekandidaten, und dessen Kritikern. Eine verheerende Vorstellung aus CSU-Sicht, so nahe an den beiden so wichtigen Wahlen.

Wo bleibt die Euphorie, CSU?

Auffällig ist: Seehofers neuerliche Kandidatur versetzt die CSU nicht in Euphorie und Jubelgeschrei – auch wenn es im Vorstand kräftigen Applaus gibt. Dass man sich nun hinter ihm schare, sei eine Vernunft-Entscheidung, keine Entscheidung mit glühendem Herzen, sagt einer. Zu groß sind etwa manche Verletzungen, die Seehofer den Seinen zugefügt hat, beispielsweise Teilen der eigenen Landtagsfraktion.

Es gibt deshalb auch zwei Zukunftsszenarien. Das eine geht so: Seehofer soll die CSU-Ergebnisse bei der Bundes- und der Landtagswahl maximieren. Dann aber soll er bitteschön in nicht allzu ferner Zukunft, jedenfalls in deutlichem Abstand zu darauffolgenden Wahlen, den Weg für seine Nachfolger frei machen. Der Dank der CSU und – je nach Ausgang der beiden so wichtigen Wahlen – auch ein glorreicher Abschied wären ihm gewiss. Seehofer könnte am Ende als erfolgreicher Parteichef und Ministerpräsident in die CSU-Annalen eingehen. Auch der Politikwissenschaftler Heinrich Oberreuter sagt, ein Nachfolger könne „rechtzeitig vor der Landtagswahl 2023 bestimmt werden“.

Von RND/dpa

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