Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Politik Nizzas Bürgermeister: „Ich bin ein Berliner“
Nachrichten Politik Nizzas Bürgermeister: „Ich bin ein Berliner“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:30 21.12.2016
Nizzas Bürgermeister Philippe Pradal. Quelle: Privat
Anzeige
Nizza

Philippe Pradal, Bürgermister von Nizza, hat in einem Gastbeitrag für die Zeitungen des RedaktionsNetwerks Deutschland (RND) den Berlinern Mut zugesprochen. Am 14. Juli dieses Jahres, dem französischen Nationalfeiertag, hatte ein Attentäter einen Lkw in die feiernde Menge gelenkt. 86 Menschen starben, mehr als 300 wurden verletzt. Hier seine Ausführungen im Wortlaut:

Wer könnte besser als die Menschen von Nizza verstehen, was auf dem Breitscheidplatz passiert ist? Welcher Geist hätte sich vorstellen können, dass das Echo von Nizza in Berlin nachklingen würde? Trotz einer Entfernung von einigen hundert Kilometern sind die Angst, die Schreie und dann die Stille dieselben. Wir sind, heute in Berlin wie gestern in Nizza, gelähmt von dem Unglaublichen, das gerade passiert ist.

Bei euch wie auch bei uns waren die Zielscheibe Familien, Kinder, Eltern, Großeltern, Freunde, von den Mördern mit Sorgfalt ausgesucht, ich möchte sogar sagen auserwählt. An einem Nationalfeiertag oder auf einem Weihnachtsmarkt – das Ziel ist dasselbe. Sie wollten die Körper und die Seelen treffen, uns angreifen und zerstören in dem, was wir in unserem tiefsten Wesen sind. Die Täter kennen mit Sicherheit nicht die Freude, die Gesänge, das Lachen, das Teilen, die Liebe, das Feiern und so viele andere schöne Dinge. Um auf die Verrohung zu antworten, müssen wir Energie finden, nicht um ein neues Kapitel aufzuschlagen, sondern um stärker zu werden durch das, was wir erlebt haben. Stärker als sie, stärker als Hass, Intoleranz und Fortschrittsfeindlichkeit.

Ich habe keine Lektionen in Widerstandskraft an wen auch immer zu geben. Und doch weiß ich, dass allein die Wahrheit erlaubt, Leidensprüfungen zu überwinden. Ich weiß auch, dass man sich wieder aufrichtet, indem man sich an die Gegebenheiten anpasst. Ich sage: „Ich bin ein Berliner“, wie es so viele tun, meine Gedanken und meine Unterstützung gehen an die Berliner, an die Augenzeugen, an die Opfer und all jene, die ihnen nahestehen.

Von RND

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Politik Kommentar zum Anschlag in Berlin - Glühwein gegen die Angst

Nach dem Anschlag in Berlin schwankt das Land zwischen Routine und einer diffusen Angst. Dagegen hilft wohl nur Statistik: Die Wahrscheinlichkeit, in Deutschland Opfer eines Terroranschlags zu werden, ist sehr, sehr gering. Ein Kommentar von Marina Kormbaki.

21.12.2016

Donald Trump will auf alte Energie setzen: Kohle und Öl. Aber noch ist Barack Obama der Präsident der USA – und er hat jetzt Ölbohrungen in der Arktis und im Atlantik fast komplett verboten.

21.12.2016

Der mutmaßliche Attentäter von Berlin sollte schon abgeschoben werden. Die Ausreise von Anis Amri scheiterte aber an fehlenden Papieren. Wann wird jemand abgeschoben? Wie läuft die Zwangsausreise ab? Ein Überblick.

21.12.2016
Anzeige