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Politik „Ob der Kanzler schwul ist, ist doch egal“
Nachrichten Politik „Ob der Kanzler schwul ist, ist doch egal“
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22:53 28.11.2016
CDU-Präsidiumsmitglied fordert von seiner Partei, dass sie im Bundestagswahlkampf für die deutsche Leitkultur kämpft. Quelle: Thomas Trutschel/photothek
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Berlin

Jens Spahn, 36, ist Präsidiumsmitglied der CDU und im Moment Parlamentarischer Staatssekretär bei Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Manche halten ihn für die größte politische Nachwuchshoffnung in der Partei von Angela Merkel, andere ärgern sich, dass Spahn zu allem und jeden eine Meinung öffentlich erkennbar vertritt. Spahn bemüht sich in letzter Zeit sehr um konservative Werte in der Union, und wer ihn kennt weiß schon lange, dass er schwul ist.

Herr Spahn, wann ist Deutschland reif für einen schwulen Kanzler?

Er sollte gut sein. Ob er schwul ist, ist doch egal. Entscheidend ist aber: Deutschland hat eine sehr erfolgreiche Bundeskanzlerin. Ich kämpfe dafür, dass es Deutschland auch weiterhin so gut geht. Mit Angela Merkel an der Spitze.

Könnte in Deutschland auch ein Trump landen?

Das ist zumindest schwer vorstellbar. Die wirtschaftliche Situation zwischen den USA und Deutschland ist nicht vergleichbar. Den allermeisten Deutschen geht es so gut wie noch nie: Löhne und Renten steigen, allein letztes Jahr sind 400 000 neue Jobs entstanden. In den USA ist die Gesellschaft schon lange Zeit politisch extrem gespalten. In Deutschland hat sich die Situation erst seit einigen Monaten so stark polarisiert. Das muss nicht schlecht sein für die demokratische Auseinandersetzung. Viele Menschen spüren: Es geht wieder um was! Der letzte Wahlkampf hatte den Veggiday als Hauptthema – das war eine Wellness-Veranstaltung, verglichen mit dem was uns jetzt bevorsteht.

Kann diese Wellness-CDU von Angela Merkel einen harten Wahlkampf?

Natürlich. Seit 2005 konnten wir mit ihr an der Spitze die Deutschen in drei Bundestagswahlen jedenfalls überzeugen. 2013 sogar zu 41,5 Prozent. Viele haben das nicht für möglich gehalten. Auch 2017 werden wir überzeugend sein - mit einem Wahlkampf, der in die Zeit passt.

Worum geht es im nächsten Jahr?

Um Unterscheidbarkeit, ein klares Profil und den Anspruch, Deutschland ins dritte Jahrzehnt des neuen Jahrtausends zu führen. Wenn uns das nicht gegenüber der SPD gelingt, dann sucht man im Zweifelsfall den ganz großen Unterschied an den Rändern. Es muss deutlich werden, dass wir Veränderungen nicht nur ertragen, sondern in unserem Sinne gestalten wollen. Wir sind nicht machtlos, im Gegenteil!

Die CDU wird sich im Wahlkampf als kämpferisches Original beweisen müssen und für innere Sicherheit, Leitkultur, Integration und Abschiebung werben müssen. Sind Sie dafür personell und inhaltlich gut genug aufgestellt?

Wir dürfen nicht zulassen, dass unsere liberale Gesellschaft noch mehr unter Druck gerät. Dafür tragen wir alle Verantwortung – übrigens auch die Medien. Wir haben allen Grund, unsere Werte – Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, Gleichberechtigung von Mann und Frau - deutlich zu machen. Und wir müssen akzeptieren, dass es eben auch Ablehnung vor Veränderung gibt, das macht niemandem zu einem schlechten Menschen. Auch ich erlebe nicht jede Form von kultureller Veränderung als Bereicherung.

Deswegen das dringende Bedürfnis, über Leitkultur zu reden?

Unsere Leitkultur ist ein einigendes Band. Wir wollen keine Kinderehe und keine Vollverschleierung. Wir müssen auch damit aufhören, immer nur Randthemen zur Bewährungsprobe für den Rechtsstaat zu erklären. Jeder, der in Deutschland lebt, hat ein Recht auf Geborgenheit. Wer scheinbar heikle Themen immer nur mit Samthandschuhen anfasst und Angst vor klaren Aussagen hat, der schafft nicht mehr Zusammenhalt. Im Gegenteil, er eröffnet Spaltern Tür und Tor.

Braucht die Union, um positiv zu werben, zwingend das Teamspiel von Merkel und Seehofer?

Im Team können wir die ganze Breite der Themen abbilden. Mit der Kanzlerin als Kapitän.

Von RND/Dieter Wonka

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