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Politik Landsleute übergaben Dschaber al-Bakr der Polizei
Nachrichten Politik Landsleute übergaben Dschaber al-Bakr der Polizei
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16:12 10.10.2016
Der festgenommene Terrorverdächtige Dschaber al-Bakr ist am Montagmittag ins Dresdner Amtsgericht gebracht worden.   Quelle: dpa
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Dresden/Hannover

 Der festgenommene Terrorverdächtige Dschaber al-Bakr ist am Montag zum ersten Mal vernommen worden. Zunächst war unklar, ob sich der 22-jährige Syrer zu den Vorwürfen gegen ihn äußert. Viele andere Fragen sind ebenfalls noch offen. Was die Ermittler bisher wissen und was nicht – der Überblick:

Wie wurde Dschaber al-Bakr festgenommen?

Die Polizei fasste Dschaber Al-Bakr am Montag in einer Wohnung in Leipzig. Landsleute des 22-jährigen Syrers hätten ihn überwältigt und anschließend die Polizei gerufen, sagte Sachsens LKA-Chef Jörg Michaelis. Auf Nachfrage beschrieb er den Ablauf wie folgt: Ein Landsmann des 22-jährigen Syrers sei kurz vor Mitternacht zu einem Polizeirevier gekommen und habe auf seinem Handy ein Foto des Verdächtigen gezeigt. Er habe den Beamten gesagt, dass sie Dschaber Al-Bakr gefesselt hätten und dass die Polizisten „unverzüglich“ mitkommen sollten.

Wieso war Dschaber al-Bakr in der Leipziger Wohnung?

Dazu äußerte sich die Polizei noch nicht. Das müsse noch ermittelt werden, sagte Sachsens LKA-Chef Michaelis. Medien berichteten, dass Dschaber al-Bakr am Leipziger Hauptbahnhof einen Landsmann angesprochen und gefragt habe, ob er bei ihm schlafen könne. Der Syrer lud ihn demnach zu sich ein. Erst mehrere Stunden später soll er erkannt haben, wenn er mit nach Hause genommen hatte – durch die Fahndung, die von der Polizei am Abend auch in arabischer Sprache veröffentlichte.

Seit wann ist Dschaber al-Bakr in Deutschland?

Nach Angaben von Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) wurde der 22-jährige Syrer im Februar 2015 in München als Flüchtling registriert. Einen Tag später sei er nach Chemnitz gebracht worden – die Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, werden nach Quoten auf die Bundesländer verteilt. Dschaber al-Bakr habe einen Asylantrag gestellt und später eine befristete Anerkennung auf drei Jahre erhalten. Es habe seither „keine besonderen Auffälligkeiten“ gegeben, sagte Ulbig.

Wie wurden die Ermittler auf Dschaber al-Bakr aufmerksam?

Die ersten „vagen Hinweise“ auf Dschaber al-Bakr seien Anfang September vom Bundesamt für Verfassungsschutz gekommen, sagte Sachsens LKA-Chef Michaelis. Die Bundesanwaltschaft teilte mit, dass der 22-jährige Syrer Anfang Oktober 2016 im Internet nach Anleitungen zur Herstellung von Sprengstoffvorrichtungen und Ausrüstungsgegenständen für den sogenannten „Dschihad“ gesucht habe.

Was plante Dschaber al-Bakr?

Nach Einschätzung der Bundesanwaltschaft plante Dschaber al-Bakr einen islamistisch motivierten Anschlag in Deutschland und hatte diesen bereits konkret vorbereitet. Erkenntnisse dafür, dass der 22-jährige Tatverdächtige schon ein konkretes Ziel ins Auge gefasst habe, lägen aber derzeit nicht vor, teilte die Behörde mit. In der Wohnung des 22-Jährigen seien „rund 1,5 Kilogramm extrem gefährlicher Sprengstoff“ gefunden worden – „sowie weitere Materialien, die unter anderem zur Herstellung einer Sprengstoffweste geeignet sind“.

Welche Rolle spielt der IS?

Nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler hatte Dschaber al-Bakr Kontakte zur Terrororganisation Islamischer Staat (IS). Die Vorgehensweise und das Verhalten des Verdächtigen sprächen derzeit für einen „IS-Kontext“, sagte Sachsens LKA-Chef Michaelis. Deswegen würden sie auch keine näheren Angaben zu den Landsleuten des 22-jährign Syrers machen, die ihn überwältigt und der Polizei übergeben hatten. Sollten sich die Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund und eine Verbindung zum IS bestätigen, seien die Hinweisgeber in Gefahr, sagte Michaelis.

Wieso wurde Dschaber al-Bakr noch nicht am Sonnabend festgenommen?

Wahrscheinlich ist der 22-Jährige am Sonnabend der Polizei knapp entkommen. Während die Einatzkräfte den Zugriff vorbereiteten, hätten sie eine Person außerhalb des Gebäudes gesehen, der vermutlich der gesuchte Dschaber al-Bakr war – sicher seien sie sich aber noch nicht, sagte Sachsens LKA-Chef Michaelis. Der Mann sei trotz eines Warnschusses geflohen. Die Verfolgung sei erfolglos gewesen. „Wenn Sie mit einer 35 Kilogramm schweren Schutzweste laufen – dann haben Sie wenig Chancen, einen Flüchtenden einzuholen“, sagte Michaelis.

Hatte Dschaber al-Bakr Komplizen?

Die Polizei nahm am Wochenende den 33-jährigen Syrer Khalil A.fest. Er ist Mieter der Wohnung, in der die Einsatzkräfte den Sprengstoff fanden. Er ist ebenfalls Flüchtling und war Mitte Juli aus Nordrhein-Westfalen nach Chemnitz gezogen. Die Bundesanwaltschaft wirft dem 33-Jährigen vor, dass er Al-Bakr seine Wohnung überließ und für ihn „in Kenntnis seiner Anschlagspläne“ die notwendigen Stoffe im Internet bestellt habe.

Von RND/are/wer

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