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16:48 01.12.2017
Papst Franziskus ist am Freitag in Bangladesch mit Rohingya-Fluechtlingen aus Myanmar zusammengetroffen. Quelle: OSSERVATORE ROMANO
Dhaka

Papst Franziskus hat tiefes Mitgefühl für die aus Myanmar geflohenen Rohingya geäußert. Er bitte um Vergebung für ihr Leiden durch die „Gleichgültigkeit der Welt“, sagte Franziskus am Freitag, nachdem ihm 16 Rohingya ihre Erlebnisse geschildert hatten. „Heute heißt die Gegenwart Gottes auch „Rohingya““, sagte Franziskus, der diese Bezeichnung in Myanmar noch vermieden hatte.

Viele Menschen im überwiegend buddhistischen Myanmar betrachten die muslimischen Rohingya nicht als Volksgruppe, sondern bezeichnen sie als Bengalen - illegale Zuwanderer aus Bangladesch. Obwohl viele von ihnen schon seit Generationen in Myanmar leben, werden ihnen die Staatsbürgerschaft und die damit verbundenen Rechte verweigert.

Schweigen in Myanmar sorgte für internationale Kritik

Nach Militäraktionen wegen eines Angriffs islamistischer Extremisten sind seit August mehr als 620 000 muslimische Rohingya aus dem überwiegend buddhistischen Myanmar nach Bangladesch geflohen. Die Vereinten Nationen sprachen von ethnischen Säuberungen, das myanmarische Militär dagegen von „Säuberungsaktionen“ gegen die Extremisten. Bevor der Papst nach Myanmar reiste, baten ihn dortige Ortsbischöfe, die Bezeichnung Rohingya mit Rücksicht auf die Gastgeber zu vermeiden. In Myanmar hielt sich Franziskus daran, was ihm Kritik von Menschenrechtlern einbrachte, zumal er bei früheren Gelegenheiten bereits von „unseren Rohingya-Brüder und -Schwestern“ gesprochen hatte.

In Bangladesch traf der Papst am Ende eines interreligiösen Gebets mit muslimischen, hinduistischen, buddhistischen und christlichen Repräsentanten 16 Rohingya, die aus dem Grenzbezirk Cox’ Bazar nach Dhaka gekommen waren. Die zwölf Männer, zwei Frauen und zwei Mädchen berichteten ihm, was sie erlebt haben. Franziskus ergriff ihre Hände, während ihre Worte von einem Dolmetscher übersetzt wurden.

Papst spricht von der Gleichgültigkeit der Welt gegenüber Rohingya

„Wir können vielleicht nicht viel für Euch tun, aber Eure Tragödie hat einen Platz in unseren Herzen“, sagte er und setzte bewegt hinzu: „Im Namen aller, die Euch verfolgen, die Euch verfolgt haben und aller, die Euch verletzt haben - vor allem aber wegen der Gleichgültigkeit der Welt - bitte ich Euch um Vergebung.“ Er appelliere an ihre Großherzigkeit, denn auch Bangladesch habe die Flüchtlinge mit großem Herzen aufgenommen.

Den Flüchtlingen müsse weiter geholfen werden, forderte der Papst. Ihre Rechte sollten anerkannt werden. „Wir werden unsere Herzen nicht verschließen, wir werden nicht wegsehen“, sagte er.

Weihe katholischer Priester in Bangladesch

Die Zusammenkunft des Papstes mit den Rohingya war der emotionale Höhepunkt seines Besuchstages. Begonnen hatte das Programm mit einer Messe, in der Franziskus 16 Männer zu Priestern weihte. Schätzungsweise 100 000 Menschen versammelten sich für den Gottesdienst in einem Park der Hauptstadt Dhaka. Es sei sehr schön, dass einige tagelang gereist seien, um an dem Gottesdienst teilzunehmen, sagte er.

Weniger als ein Prozent der rund 160 Millionen Einwohner Bangladeschs sind Katholiken. Die Kirche betreibt jedoch ein Netzwerk von Schulen, Waisenhäusern und Hospitälern und kann in dem überwiegend muslimischen Land weitgehend frei agieren. Allerdings berichten Missionare, sie seien bedroht worden, weil sie das Christentum verbreiten.

Von RND/dpa

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