Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 7 ° Regen

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Polizei kann Flüchtlinge nicht mehr korrekt erfassen

Flüchtlinge Polizei kann Flüchtlinge nicht mehr korrekt erfassen

Der starke Andrang von Flüchtlingen stellt die Bundespolizei vor beispiellose Probleme. Wie die Gewerkschaft der Polizei (GdP) berichtet, schafft es die Bundespolizei seit Monaten nicht mehr, Fingerabdrücke von allen Personen zu speichern, die an der österreichisch-bayerischen Grenze aufgegriffen werden.

Voriger Artikel
AfD stürzt nach Führungsstreit in Wählergunst ab
Nächster Artikel
Gauck appelliert an Bereitschaft, Flüchtlingen zu helfen

Die Gewerkschaft der Polizei schlägt Alarm: Wegen der großen Menge an Flüchtlingen können viele nicht mehr richtig registriert werden.

Quelle: Marc Müller/Illustration

Berlin. Der stellvertretende GdP-Bundesvorsitzende Jörg Radek bestätigte einen entsprechenden Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel".

"Wir schätzen, dass seit Jahresanfang rund 45 000 unerlaubt eingereiste Personen nicht mehr erkennungsdienstlich behandelt wurden, obwohl dies im Asylverfahrensgesetz vorgeschrieben ist", sagte Radek der Deutschen Presse-Agentur. Grund seien die extreme Überlastung der Beamten und die völlig veraltete Computertechnologie im Bereich Freyung und Passau, wo die sogenannte Balkanroute internationaler Schleuser endet.

Das Bundesinnenministerium wies die Vorwürfe zurück. Die Bundespolizei nehme die erkennungsdienstliche Behandlung in einem Großteil der Fälle immer noch selbst vor, nur bei "gewissen Belastungsspitzen" übernähmen dies andere Behörden, sagte ein Sprecher am Sonntag im Berlin. Das sei auch kein Problem: Das Gesetz schreibe zwar die Registrierung illegal eingereister Personen vor, nicht aber, welche Behörde das mache.

Die Gewerkschaft der Polizei geht jedoch davon aus, dass viele Flüchtlinge einfach weiterreisen, ohne sich registrieren zu lassen. Allein in Passau würden täglich 250 bis 300 Menschen aufgegriffen, berichtete Radek. Sie würden in der Regel nur noch nach ihrem Namen gefragt und durchsucht. In den polizeilichen Informationssystemen werde dann mit Hilfe eines Fingerabdrucklesers - ohne Speicherung - recherchiert, ob gegen sie etwas vorliege. Danach würden sie zur Aufnahme zum Bundesamt für Migration und Flüchtlinge geschickt.

"Aber es ist völlig offen, ob sie dort jemals eintreffen. Niemand weiß, wo sie tatsächlich hingehen", sagte Radek. Die Praxis, auf die Speicherung von Fingerabdrücken zu verzichten, gehe auf eine mündliche Weisung des Bundespolizeipräsidiums Potsdam zurück.

Dieses wollte sich auf Anfrage nicht zu der Darstellung äußern. In einer Erklärung hieß es lediglich, die steigenden Flüchtlingszahlen seien auch für die Bundespolizei "eine Herausforderung". Man führe "erkennungsdienstliche Maßnahmen nach den gesetzlichen Vorgaben durch, erforderlichenfalls mit Unterstützung anderer Behörden". Zusätzlich würden Asylbewerber beim Bundesamt für Migration oder in Erstaufnahmeeinrichtungen nochmals erkennungsdienstlich behandelt.

Innenminister Thomas de Maizière (CDU) und der Präsident der Bundespolizei, Dieter Romann, stellen an diesem Montag in Berlin den Jahresbericht der Bundespolizei vor. Romann beklagt schon länger, dass die illegale Migration die Beamten an die Belastungsgrenze bringt. Allein die Bundespolizei registrierte 2014 mehr als 57 000 Fälle unerlaubter Einreisen, 75 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

In einem Brandbrief an de Maizière warnte GdP-Vize Radek vor Gefahren auch für die innere Sicherheit. "Niemand weiß bei diesen Verfahren, welche Personen tatsächlich nach Deutschland gekommen sind und zu welchem Zweck, ob es sich um Flüchtlinge oder "Rückkehrer" aus Bürgerkriegsregionen handelt", heißt es in dem Schreiben, das der dpa vorliegt. "Wenn schon die Feststellung der wahren Identität ohnehin in vielen Fällen schwierig ist, so ist das jetzige Verfahren eine Einladung zur Identitätsverschleierung."

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Politik
  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • So war das damals...
    So war das damals...

    Dies ist ein Geschichtenbuch der besonderen Art: Leserinnen und Leser der Leipziger Volkszeitung erzählen Erlebnisse aus ihrer Kindheit und Jugend,... mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • In Bewegung
    Die Sparkasse Leipzig sucht für Ihren Kalender 2017 wieder schöne Fotos

    Die Sparkasse Leipzig sucht für ihren Kalender 2017 die 12 besten Motive aus hunderten Einsendungen. Die Entscheidung fällt in einem Voting. Hier k... mehr

  • Sparkassen Challenge
    Logomotiv der Sparkassen Challenge 2016

    Sport frei!, heißt es auch 2016 bei zahlreichen Wettkämpfen der Sparkassen-Challenge. Alle Events mit vielen Fotos finden Sie hier! mehr