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15:49 29.12.2016
In Berlin wurde ein mutmaßlicher Komplize vom Weihnachtsmarkt-Attentäter Anis Amri festgenommen. Quelle: dpa
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Berlin

Ein als Kontaktmann des mutmaßlichen Terroristen Anis Amri verdächtigter Tunesier ist wieder auf freiem Fuß. Die Bundesanwaltschaft habe gegen den 40-Jährigen keinen Haftbefehl erwirkt, erklärte eine Sprecherin in Karlsruhe. Ermittler hatten den Mann am Mittwoch in Berlin vorläufig festgenommen.

Das Video, in dem der mutmaßliche Attentäter von Berlin sich zur Terrormiliz Islamischer Staat bekennt, ist nach Angaben der Bundesanwaltschaft authentisch. Amri sei den Ermittlungen zufolge darin tatsächlich zu sehen, berichtete die Sprecherin.

Amri schwört IS-Führer die Treue

Das IS-Sprachrohr Amak hatte am 23. Dezember, also vier Tage nach dem Anschlag, ein Video veröffentlicht. Auf der knapp dreiminütigen Aufnahme schwört Amri dem Anführer der IS-Miliz, Abu Bakr al-Bagdadi, die Treue. Er richtet sich dabei an die „Kreuzzügler“: „Wir kommen zu Euch, um Euch zu schlachten, Ihr Schweine.“ Es werde Rache für das Blut von Muslimen geben, das vergossen wurde. Dabei steht Amri offensichtlich auf einer Brücke. Hinter ihm ist ein Gewässer zu sehen. Die Aufnahme könnte in Deutschland aufgenommen sein.

Zum Hergang der Tat, zur Fluchtroute und zur Identität der Opfer sind noch immer viele Fragen offen. So war Amri offenbar im Fokus der Ermittlungsbehörden. Nach Informationen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR wurde im Gemeinsamen Terrorismus-Abwehrzentrum (GTAZ) in Berlin zwischen Februar und November 2016 mindestens sieben Mal über Amri gesprochen. Behördenunterlagen, die nur fünf Tage vor der Tat entstanden, würden seinen Werdegang in Deutschland beschreiben.

Razzien in Italien

Die italienische Polizei hat derweil am Mittwoch zwei Wohnungen durchsucht. Der mutmaßliche Attentäter Anis Amri soll sich dort vor einem Jahr aufgehalten haben, berichtet afp. Die Razzien fanden nach Angaben der Polizei in dem Ort Aprilia südöstlich der Hauptstadt Rom statt. Ob die derzeitigen Bewohner der Unterkünfte befragt wurden und ob Beweise sichergestellt wurden, blieb zunächst unklar.

Bevor Amri 2015 nach Deutschland kam, hatte er in Italien gelebt. Dort verbüßte er eine vierjährige Haftstrafe. Bei dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche soll der 24-Jährige am 19. Dezember zwölf Menschen getötet haben. Nach einer mehrtägigen Flucht wurde er in der Nacht zum 23. Dezember bei einer Polizeikontrolle nahe Mailand erschossen.

Projektil von Amris Waffe wird verglichen

Amris Leiche befindet sich italienischen Ermittlern zufolge nach wie vor in der Gerichtsmedizin in Mailand, wo sie obduziert wird. In Rom soll in den kommenden Tagen geklärt werden, ob Amri mit derselben Waffe auf die Polizisten in Mailand schoss, mit der auch der eigentliche Lastwagenfahrer bei dem Terroranschlag in Berlin getötet wurde. Dafür soll eine Kopie des Projektils von Deutschland nach Italien geschickt worden sein. Deutsche Ermittler befänden sich derzeit nicht im Land, hieß es in Mailand.

Von RND/dpa

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