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Politik Putin empfängt Erdogan mit Zeichen der Annäherung
Nachrichten Politik Putin empfängt Erdogan mit Zeichen der Annäherung
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16:30 10.03.2017
Zwei, die sich offenbar gut verstehen: Russlands Präsident Putin mit dem türkischen Regierungschef Erdogan. Quelle: AP
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Moskau

Längst scheint die Eiszeit zwischen Russland und der Türkei vergessen, die 2015 wegen eines abgeschossenen russischen Kampfjets ausgebrochen war. Daran änderte auch der Mord am russischen Botschafter in Ankara im Dezember nichts. Beim Treffen der Präsidenten Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan gibt es warme Worte und Freundschaftsbekundungen. Dazu Fragen und Antworten: 

Was haben Putin und Erdogan erreicht? 

Das Treffen war vor allem ein Zeichen des guten Willens beider Seiten. „Russland und die Türkei haben ein solides Potenzial, (...) um auf eine neue Ebene der Zusammenarbeit zu kommen“, sagte Putin. Die Regierung in Moskau hat passend zu Erdogans Besuch ihre Sanktionen gegen Ankara gelockert, die sie 2016 verhängt hatte. Künftig dürfen wieder türkischer Brokkoli und Zwiebeln aus Anatolien die russische Speisekarte bereichern. Die Entscheidung gilt als wichtige Geste für einen Schulterschluss auch bei der geplanten Gaspipeline Turkish Stream oder im Syrienkonflikt. Erdogan forderte seinerseits eine vollständige Aufhebung aller russischen Sanktionen sowie visafreies Reisen für Türken.

Hofft Erdogan auf Rückendeckung von Putin im Streit mit Deutschland?

Erdogan hatte in der Vergangenheit schon einmal eine Orientierung des Nato-Partners Türkei in Richtung Russland und China ins Gespräch gebracht. Mit seinem Besuch in Moskau bekräftigt er, dass es aus seiner Sicht eine Alternative zu einer EU-Mitgliedschaft der Türkei gibt. Der russische Politologe Alexej Obraszow sagt: „Der türkische Präsident ist vom Westen enttäuscht und sucht einen zuverlässigen Verbündeten. In Moskau sieht er so einen Partner.“ Kritik an der geplanten Verfassungsreform wie etwa aus Deutschland braucht Erdogan in Moskau kaum zu fürchten.

Wie steht Russland zur Türkei?

Von dem jüngsten Zerwürfnis ist nicht mehr viel zu spüren. Das türkische Militär hatte 2015 ein russisches Kampfflugzeug im Grenzgebiet zu Syrien abgeschossen. Der Staatssender Rossija-24 betont in einem Porträt, dass Erdogan persönlich nachgegeben und sich für den Vorfall entschuldigt habe. Experten sind aber überzeugt, dass sich letztlich auf beiden Seiten die pragmatische Überzeugung durchgesetzt hat, dass Moskau und Ankara wirtschaftlich und im Syrienkonflikt zusammen mehr erreichen können als alleine. Putin bezeichnete die Türkei als einen der wichtigsten Wirtschaftspartner Russlands.

Wie eng arbeiten Russland und die Türkei im Syrienkonflikt zusammen?

Die Kooperation ist enger geworden. Russische und türkische Kampfjets flogen nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums zuletzt gemeinsam Luftangriffe in Syrien. Zudem haben Moskau und Ankara mehrere Treffen der syrischen Regierung mit Oppositionellen in Kasachstan vermittelt. Ein weiteres ist am 14. und 15. März geplant.

Mit dem Iran gelten Russland und die Türkei als Garantiemächte für eine im Dezember vereinbarte Waffenruhe. Erst am Dienstag hatten zudem die Generalstabschefs der Türkei, Russlands und der USA im Badeort Antalya zu Syrien beraten. Der Moskauer Experte Alexander Schumilin vermutet, dass es dabei eher um Absprachen zu „Verantwortungszonen“ ging als um konkrete gemeinsame Aktionen.

Ziehen Moskau und Ankara wirklich an einem Strang im Syrienkrieg? 

Nicht hundertprozentig. Russland will den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad an der Macht halten, die Türkei stützt dessen Gegner und fordert Assads Rücktritt. Zudem geht die Türkei gegen kurdische Milizen in Syrien vor, während Russland den Kurden politisch den Rücken stärkt. Ein Reibungspunkt dürfte die Rolle des Irans in Syrien sein. Iranische Truppen helfen Assads Armee. Russische Experten schätzen, dass die Türkei eine regionale Vormachtstellung des Irans verhindern will. Das Problem war auch Thema beim Treffen von Putin mit dem israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu am Donnerstag.

Im Dezember wurde der russische Botschafter Andrej Karlow in Ankara ermordet. Wie ist der Stand der Ermittlungen? 

Im dem Fall sitzen drei Verdächtige in Untersuchungshaft, darunter eine Russin, die vor dem Mord an Karlow mit dem Attentäter in Kontakt gestanden haben soll. Ihnen wird Mitgliedschaft in der Bewegung um den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen vorgeworfen. Auch der Attentäter soll der Gülen-Bewegung angehört haben. Die Türkei macht diese auch für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich.

Sind die russischen Touristen an die türkische Riviera zurückgekehrt?

Zwar zeigen jüngste Statistiken, dass im Januar wieder 40 000 Russen die Türkei besucht haben. Doch es sind noch immer deutlich weniger als in den Vergleichsmonaten vor dem Krisenjahr 2016. Der Einbruch im Tourismus lag aber nicht nur an der politischen Krise von November 2015 bis Juni 2016. Urlauber meiden das Land auch wegen wiederholter Terroranschläge und des Putschversuchs vom Juli 2016. Die russische Billigairline Pobeda eröffnet ab April Linienflüge nach Alanya.

Von RND/dpa

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