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Politik Putins Hacker könnten Wahlen entscheiden
Nachrichten Politik Putins Hacker könnten Wahlen entscheiden
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21:03 11.12.2016
Nach dem Bundestags-Hack wird befürchtet, dass Russland sensibele Daten entwendet hat. Quelle: dpa
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Berlin

Russland hat Donald Trump zum Wahlsieg in den USA verholfen. Davon sind die US-Geheimdienste inzwischen überzeugt, berichteten die „New York Times“ und die „Washington Post“ am Wochenende. „Mit hoher Gewissheit“ hätten russische Hacker nicht nur E-Mails aus dem Hauptquartier der US-Demokraten gestohlen und diese an die Öffentlichkeit gebracht, sondern auch Dokumente aus der Parteizentrale der Republikaner kopiert.

Die Mails der Demokraten wurden an die Enthüllungsplattform Wikileaks weitergegeben, um der Kandidatin Hillary Clinton zu schaden. Die Mails aus Donald Trumps Lager aber bleiben bis heute unter Verschluss. Russlands Präsident Wladimir Putin hätte womöglich auch Trump schaden können. Er entschied sich dagegen – bisher.

Daten vom Deutschen-Bundestag-Server bei Wikileaks?

Der scheidende US-Präsident Barack Obama ordnete eine Untersuchung der Vorfälle an, die noch bis zum Ende seiner Amtszeit am 20. Januar abgeschlossen sein soll. Trump hingegen meinte, die Angriffe hätten auch von China oder „einem Kerl in seinem Haus in New Jersey“ ausgehen können.

Die US-Geheimdienste haben zwei russische Cyberkampagnen identifiziert, die für die Angriffe verantwortlich sein sollen. Sie tragen die Decknamen APT 28 und 29 und haben nicht nur Amerika zum Ziel. Die Kampagne APT 28 soll auch für den groß angelegten Hackerangriff auf die Server des Deutschen Bundestags im Frühjahr 2015 verantwortlich sein. Welche Daten damals entwendet wurden, ist bis heute im Dunkeln. Nun will die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ (FAS) erfahren haben, dass aus diesem Angriff brisante Daten bei Wikileaks gelandet sind.

Hat frustrierter Mitarbeiter Daten weitergegeben?

Anfang Dezember waren mehr als 2400 geheime Akten aus dem NSA-Untersuchungsausschuss auf der Enthüllungsplattform aufgetaucht. Sie trugen zum größten Teil die geringste Geheimhaltungsstufe „VS – Nur für den Dienstgebrauch“. Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ zitierte gestern einen „hohen Sicherheitsbeamten“ mit den Worten: „Es gibt eine hohe Plausibilität, dass die veröffentlichten Akten aus dem Cyberangriff Russlands stammen.“

Ein Indiz ist, dass keine Akten veröffentlicht wurden, die aktueller als Januar 2015 sind. Aber es gibt auch genügend Indizien, die dagegen sprechen. Aus Berliner Sicherheitskreisen ist zu hören, es sei ebenfalls möglich, dass es ein frustrierter Mitarbeiter eines Abgeordneten war, der schlicht und einfach Daten abgespeichert und weitergegeben hat. Die Besetzung des Ausschusses wechselt, so wäre zu erklären, dass die Quelle keinen Zugriff auf aktuelle Daten hatte.

Russland mit „hybrider Kriegsführung“

Für diese Variante sprechen die Untersuchungen der Bundestags-IT. Die Daten des Untersuchungsausschusses liegen auf besonders gesicherten Servern. Und die waren vom Russen-Hack 2015 laut den Untersuchungen nicht betroffen.„Es gab mit höchster Wahrscheinlichkeit keine Abgriff von Daten des NSA-Untersuchungsausschusses durch Hacker“, sagt Martina Renner, Obfrau der Linken im Ausschuss. Nach der Veröffentlichung der Daten auf Wikileaks sei das erneut bestätigt worden. Auch wenn sich eine russische Einflussnahme in diesem Fall vermutlich nicht, sind Politiker und Geheimdienste schon seit Wochen höchst besorgt wegen einer möglichen Einflussnahme auf die Bundestagswahl im September 2017 im Rahmen von russischer „hybrider Kriegsführung“.

Verfassungsschutz-Chef Hans-Georg Maaßen hatte vor wenigen Tagen erklärt: „Die Hinweise auf Versuche einer Beeinflussung der Bundestagswahl im kommenden Jahr verdichten sich.“ Laut Maaßen werde die Cyberspionage „im politischen Bereich“ mit dem Herannahen der Bundestagswahl „zunehmend aggressiv“. Maaßen sagte: „Wir sehen eine mögliche Gefährdung von deutschen Regierungsmitgliedern, Bundestagsabgeordneten und von Mitarbeitern der demokratischen Parteien durch Cyberoperationen.“

Europa ist im Fokus dieser Störversuche

Die Befürchtung: Aus Cyberattacken erlangte Informationen könnten auch im Wahlkampf auftauchen, um Politiker zu diskreditieren.

Ähnlich äußerte sich auch BND-Chef Bruno Kahl. Er bezog sich im Gespräch mit der „Süddeutschen Zeitung“ explizit auf russische Aktivitäten: Man habe „Erkenntnisse, dass Cyberangriffe stattfinden, die keinen anderen Sinn haben, als politische Verunsicherung hervorzurufen“. Im Netz werde ein Druck auf den öffentlichen Diskurs und die Demokratie ausgeübt, „der nicht hinnehmbar ist“, sagte Kahl. „Europa ist im Fokus dieser Störversuche, und Deutschland ganz besonders.“

Von RND/Jan Sternberg

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