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Politik Raúl Castro setzt auf Verteidigung der Revolution
Nachrichten Politik Raúl Castro setzt auf Verteidigung der Revolution
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10:40 04.12.2016
Der kubanische Präsident Raúl Castro hat seinem Volk versprochen, das Erbe des verstorbenen Revolutionsführers Fidel Castro fortzuführen. Quelle: dpa
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Santiago de Cuba

Der kubanische Präsident Raúl Castro will nach dem Tod seines Bruders Fidel das Land auf Kurs halten. „Im Angesicht der Überreste von Fidel, in der Heldenstadt Santiago de Cuba, schwören wir, das Vaterland und den Sozialismus zu verteidigen“, sagte er bei der finalen Trauerfeier am Samstagabend.

„Ich bin Fidel“

Zehntausende Menschen nahmen Abschied vom gestorbenen kubanischen Revolutionsführer. Sie schwenkten bei einer Massenkundgebung auf dem Platz Antonio Maceo kubanische Flaggen und skandierten „Ich bin Fidel, ich bin Fidel“.

„Trotz des Schmerzes dieser Tage sind wir stolz, weil die Kinder Kubas den Ideen Fidels folgen werden“, sagte Castros Nachfolger Rául. „Er hat uns gezeigt, dass wir mit unserer Entschlossenheit, in Kuba den Sozialismus aufzubauen, jedes Hindernis überwinden können.“ Die Menschen feierten den wenig charismatischen Präsidenten mit Sprechchören: „Raúl – Freund – das Volk ist bei dir.“

Trauerfeier in Havanna

Während bei der Trauerfeier in Havanna am Dienstag die ausländischen Staats- und Regierungschefs Castro in Ansprachen die letzte Ehre erwiesen hatten, zollten in Santiago de Cuba vor allem die Vertreter von Verbänden, Gewerkschaften und Studenten dem Revolutionsführer Respekt.

„Ruhe in Frieden, Kommandeur. Wir werden dein Erbe niemals verraten“, sagte General José Antonio Carrillo vom Verband der Revolutionskämpfer. Gewerkschaftsführer Ulises Guilarte de Nacimiento sagte: „Fidel war ein politischer Gigant des 20. Jahrhunderts. Von ihm haben wir gelernt: Nur wer kämpft, kann siegen.“

Die Studentenführerin Jennifer Bello Martínez versprach: „Wir werden nicht das Schwert und die Fahne sinken lassen. Die Studenten werden Fidel nicht enttäuschen.“ Die Chefin des Kommunistischen Jugendverbandes, Susely Morfa, sagte: „Millionen Kubaner sind mit den Lehren des Chefkommandeurs aufgewachsen. Wir haben gelernt, dass Aufgeben keine Option ist, dass die Solidarität und der Internationalismus uns als Menschen wachsen lassen.“

Keine Denkmäler für Fidel

Auch wenn sie diesmal nicht das Wort ergriffen, kamen die engsten Verbündeten Kubas wie der venezolanische Präsident Nicolás Maduro, der bolivianische Staatschef Evo Morales und der nicaraguanische Präsident Daniel Ortega nach der offiziellen Trauerfeier in Havanna auch wieder nach Santiago de Cuba. Die brasilianischen Ex-Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva und Dilma Rousseff sowie die Fußballlegende Diego Maradona erwiesen Castro ebenfalls die letzte Ehre.

„Wir Kubaner zollen denjenigen Respekt, die es verdienen. Und Fidel hat so einen Abschied verdient und noch viel mehr“, sagte der Busfahrer Matías González der Deutschen Presse-Agentur. Der Schüler Carlos Martínez sagte: „Das ist historisch. Eines Tages kann ich mal sagen, dass ich dabei war.“

Nach Castros Tod sollen in Kuba keine Denkmäler an ihn erinnern. Er habe explizit angeordnet, dass weder Monumente für ihn gebaut noch Straßen oder Institutionen nach ihm benannt werden sollen, sagte Raúl Castro. „Der Revolutionsführer hat jeden Personenkult abgelehnt und war darin bis in seine letzte Lebensstunde konsequent.“

Santiago de Cuba: Wiege der Revolution

Am Sonntag wird der frühere Präsident in Santiago de Cuba beigesetzt. Die Stadt im Südosten der Karibikinsel gilt als Wiege der kubanischen Revolution. Castros Urne war in den vergangenen Tagen über 1000 Kilometer von der Hauptstadt Havanna nach Santiago de Cuba gebracht worden.

Der frühere Präsident war am 25. November im Alter von 90 Jahren gestorben. 47 Jahre lang hatte er Kuba regiert. Dabei war er äußerst umstritten. Für die einen war er ein Held, der Kuba befreit und viel sozialen Fortschritt gebracht hat. Für die anderen ein brutaler Gewaltherrscher, der Andersdenkende unterdrückte und den Kubanern ihre demokratischen Grundrechte verweigerte.

Nach der Machtübergabe 2006 leitete sein Bruder Raúl Castro einen vorsichtigen wirtschaftlichen Öffnungskurs ein. Die Kubaner dürfen nun in Gastronomie, Tourismus und Handwerk auf eigene Rechnung arbeiten. Zudem nahm er wieder diplomatische Beziehungen zum einstigen Erzfeind USA auf.

Von RND/dpa

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