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Politik Retter im Mittelmeer: Der Kapitän der guten Hoffnung
Nachrichten Politik Retter im Mittelmeer: Der Kapitän der guten Hoffnung
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15:41 11.08.2018
Juventa Quelle: Foto: Cesar Dezfuli
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Herr Funke, würden Sie in diesem Sommer Urlaub am Mittelmeer machen?

Vermutlich schon. Als ich 2016 von meiner ersten Mission mit der “Iuventa“ zurückkam, hätte ich damit allerdings Schwierigkeiten gehabt. Da spukten zu viele Bilder von Flüchtlingen in Not in meinem Kopf herum.

Wie hatte es Sie als Kapitän auf das Rettungsschiff “Iuventa“ verschlagen?

Ich bin auf einen Zeitungsbericht über Jugend Rettet gestoßen. Darin hatte Jakob Schoen, der Gründer der Initiative, für seine Idee geworben, Menschen auf dem Mittelmehr zu helfen und so die europäische Politik unter Druck zu setzen, sich stärker zu engagieren. Ich war begeistert von diesem jungen Mann. Ich rief ihn an und bot mich als Kapitän an. So konnten wir gegenüber den vielen Crowdfunding-Geldgebern für den Umbau unseres Rettungsschiffs “Iuventa“ – das einmal ein Fischkutter war – auch dokumentieren, dass wir es ernst meinen.

Sie sind doch selbst so jung ...

... nee, ich war damals 31, Jakob Schoen hatte gerade sein Abitur gemacht, er war 19. Ich hatte Berufserfahrung und war schon als Offizier auf Container- und Kreuzfahrtschiffen um die Welt gefahren. Als es im Mittelmeer wirklich losging, arbeitete ich in München bei einer Rückversicherung für Schiffe.

Sind Sie schon früher auf den Ozeanen auf Flüchtlinge gestoßen?

Ich war rund um dem Globus unterwegs, aber nie im Mittelmeer. Direkten Kontakt zu Flüchtlingen hatte ich nicht. In verschiedenen europäischen Häfen wurden aber damals schon Sicherheitsstufen nach oben gesetzt, um Flüchtlinge zu stoppen, die als blinde Passagiere an Land zu kommen versuchten. Für die Schifffahrt war das ein großes Thema.

Benedikt Funke wurde 1985 in München geboren und hat Nautik in Bremen studiert. Er fuhr auf Container- und Kreuzfahrtschiffen um die ganze Welt. Bevor er an Bord der “Iuventa“ ging, war er in der Rückversicherung für Schiffe tätig. Funke war ebenso als Teamleiter auf einem der Schnellboote der “Aquarius“ von SOS Méditerranée und Ärzte ohne Grenzen unterwegs. Funke studiert Friedensforschung und Sicherheitspolitik in Hamburg und hat gerade seine Masterarbeit zum öffentlichen Diskurs über die zivile Seenotrettung im Mittelmeer geschrieben. Der Dokumentarfilm “Iuventa“ ist am 13. August um 22.25 Uhr auf 3sat zu sehen. Quelle: Sabrina Gebauer/MDR

Wieso?

Die Reedereiverbände appellierten damals an die Regierungen, sich endlich Lösungen einfallen zu lassen. Immer öfter mussten Handelsschiffe bei Rettungen einspringen – erst recht, als im Oktober 2014 die italienische Marine ihr Hilfsprojekt Mare Nostrum einstellte. Danach schnellten die Todeszahlen sofort in die Höhe.

Der Zeitplan für Container- und Kreuzfahrtschiffe ist eng getaktet: Stoppen diese überhaupt für Flüchtlinge?

Grundsätzlich ist sich jeder Seemann seiner Verantwortung hoffentlich bewusst. Die Verpflichtung zu retten ist in seinem Berufsethos und auch im internationalen Seerecht verankert. Allerdings ist gerade eine gefährliche Entwicklung zu beobachten: Schiffe im Mittelmehr wählen nördlichere Routen, um nicht helfen zu müssen. Die Kapitäne wissen ja auch gar nicht mehr, welcher Hafen sie hereinlassen würde, um Gerettete abzusetzen.

Nun läuft im Fernsehen eine Dokumentation über die erste Fahrt der “Iuventa“ 2016: Der Aufbruch mit der jungen Besatzung in dem Film erinnert an eine Klassenfahrt.

Zunächst mal: Alle waren gut ausgebildet und hatten Zeugnisse – egal ob Kapitän, Maschinisten, Notfallmediziner oder Rettungssanitäter. Aber klar, da war eine gewisse Naivität im Spiel. Abends sind wir zum Abkühlen ins Wasser gesprungen oder haben auf Deck Gitarre gespielt. Wir konnten uns trotz aller Vorbereitung schwer ausmalen, was uns erwarten würde. Klar war nur: Alle wollten helfen. Die “Iuventa“ hat insgesamt mehr als 14 000 Menschen an Bord genommen, bevor die italienischen Behörden sie aus dem Verkehr zogen.

Die italienischen Behörden haben die “Iuventa“ im August 2017 auf der Insel Lampedusa an die Kette gelegt: Wären Sie anderenfalls heute noch auf dem Mittelmeer unterwegs?

Ich befürchte ja. Bis heute gibt es keine von der EU konzertierte Lösung.

Die Brücke der “Iuventa“ war von italienischen Ermittlern verwanzt worden, schließlich wurde sie im August 2017 auf Lampedusa aus dem Verkehr gezogen. Quelle: Cesar Dezfuli

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Crewmitglieder wegen des Verdachts der Unterstützung illegaler Migration. Auch gegen Sie?

Nein. Zumindest weiß ich nichts davon. Es ist kaum nachvollziehbar, warum gegen wen ermittelt wird. Momentan stehen 22 Personen auf der Liste, zehn Crewmitglieder der “Iuventa“, zwölf von anderen Organisationen. Die Erkenntnisse beruhen auf abgehörten Telefonaten. Auch die “Iuventa“-Brücke war von italienischen Ermittlern verwanzt worden. Die Akte enthält viele Fehler, zum Beispiel falsch beschriftete Fotos.

Wozu dieser Aufwand?

In erster Linie sollen wir in die kriminelle Ecke gestellt werden. Rechte Gruppen im italienischen Wahlkampf haben haltlose Anschuldigungen gegen uns erhoben. Aber auch schon der damalige deutsche Innenminister Thomas de Maizière blies in dieses Horn, als er uns verdächtigte, mit Schleppern zusammenzuarbeiten.

Haben Sie mit professionellen Schleppern in irgendeiner Weise kooperiert?

Nein. Die Schlepper sind gar nicht auf See unterwegs. Den Menschen auf den überfüllten Schlauchbooten wird bestenfalls ein Kompass mitgegeben mit der Aufforderung: Fahrt nach Norden. Oder: Haltet auf die Gasplattformen vor der Küste zu, deren Lichter nachts brennen.

Würden Sie sich einem Prozess in Italien stellen?

Selbstverständlich. Wir werden nicht weglaufen, weil wir nichts zu verbergen haben.

Iuventa heißt Jugend: Muss man jung sein, um sich in ein solches Abenteuer zu stürzen?

Ganz und gar nicht. Naivität ist keine Voraussetzung, um sich darüber klarzuwerden, dass man helfen muss. Wir hatten übrigens auch einen Rentner an Bord, einen Techniker.

Wie war das, als Sie auf die harte Wirklichkeit trafen?

Sie können schon an unseren Gesichtern im Film ablesen, wie stark es uns aufgewühlt hat, als wir die erste Tote an Bord nahmen. Dramatisch wurde es, wenn verzweifelte Menschen in Todesangst im Wasser miteinander rangelten. Auf besonders drastische Bilder verzichtet der Film von Regisseur Michele Cinque aber – etwa auf jene von Menschen mit verätzter Haut, die tagelang in einer Mischung aus Salzwasser und Benzin gehockt hatten. Und wir wussten immer, dass die Odyssee für die Flüchtlinge auf unserem Schiff noch lange nicht zu Ende sein würde.

Wie hat die junge Crew solche Erfahrungen verkraftet?

Zusammengeklappt ist niemand, aber gelegentlich haben wir jemanden vorübergehend aus dem Dienst genommen. Abends haben wir möglichst viel miteinander gesprochen. Vor und nach den Einsätzen hatten wir professionelle psychologische Betreuung durch Fachkräfte, die auf posttraumatische Belastungsstörungen spezialisiert waren. Ich glaube, niemand ist da mit einem Knacks rausgegangen.

Wäre die Zusammenarbeit mit den italienischen Behörden heute noch möglich?

Nein, der politische Wille in der rechtspopulistischen Regierung in Italien fehlt. Damals war das anders: Die Küstenwache bedankte sich bei den NGOs. Dann zogen sich die staatlichen Helfer immer mehr zurück, die privaten mussten ihre Aufgaben übernehmen. Perfiderweise wird genau das den NGOs heute vorgeworfen. Aber wir hatten uns das nicht ausgesucht.

Die im Film festgehaltene erste Fahrt der “Iuventa“ mit der jungen Besatzung erinnert – zumindest anfangs und in Momenten der Entspannung – an eine Klassenfahrt. Quelle: Cesar Dezfuli

Ein italienisches Schiff hat kürzlich Flüchtlinge nicht in einen Heimathafen, sondern zurück nach Libyen gebracht. Wäre so etwas für Sie vorstellbar?

Unter gar keinen Umständen. Auch die gerade zur nächsten Rettungsmission ausgelaufene Besatzung der “Aquarius“ von SOS Méditerranée und Ärzte ohne Grenzen hat noch mal klar gesagt, dass das für sie nicht infrage kommt. Italien wurde schon einmal 2012 für das Zurückbringen von Flüchtlingen nach Libyen vom Europäischen Menschenrechtsgerichtshof verurteilt. Auch jetzt läuft wieder ein Verfahren wegen der Zusammenarbeit mit der libyschen Küstenwache. In Libyen droht den Flüchtlingen Folter, Sklaverei, Prostitution – also all jene Gefahren, denen sie glaubten entronnen zu sein.

Manche Menschen in Deutschland machen heute eine Gleichung auf: Ohne Rettungsboote gäbe es gar keine toten Flüchtlinge. Niemand würde sich aufs Mittelmeer wagen. Richtig?

Die Gleichung ist falsch. Derzeit ist die Seenotrettung quasi außer Kraft gesetzt. Trotzdem haben wir im Juni 2018 die höchste Opferzahl gehabt, die je in diesem Monat gemessen wurde – und das, obwohl die Abfahrtszahlen schon vorher dramatisch gesunken sind: Viel weniger Menschen als vor einem Jahr, nur rund ein Fünftel, machen sich noch auf den Weg übers Mittelmeer. Momentan hat sich die Flüchtlingsroute nach Spanien verlagert, und da retten auch keine NGOs. In keiner einzigen wissenschaftlichen Untersuchung – und davon gibt es einige – konnte ein Zusammenhang zwischen Hilfe und Abfahrten hergestellt werden.

Mehr als 3100 Menschen sollen 2017 im Mittelmeer ertrunken sein. Quelle: Cesar Dezfuli

Mehr als 3100 Flüchtlinge sollen 2017 im Mittelmeer ertrunken sein: Wird das große Sterben weitergehen?

Was mir Sorgen bereitet, ist der Versuch der EU, unter dem Deckmantel der Friedensschaffung Grenzschutzmissionen schon in der Sahelzone aufzubauen. Vermutlich sterben bereits heute mehr Menschen in der Sahara als im Mittelmeer. Sollte also die Zahl der Ertrunkenen zurückgehen, sollte niemand einem Trugschluss erliegen: Die Menschen verdursten dann eben in der Wüste. Nur sieht sie dort niemand. Das Problem wird in den afrikanischen Kontinent hineinverschoben.

Was antworten Sie Kritikern, die sagen, dass die Flüchtlinge gezielt Notsituationen provozieren, um Europa moralisch zur Hilfe zu zwingen?

Fakt ist: Die Menschen auf dem Mittelmeer sterben, wenn sie nicht gerettet werden. Also muss man sie retten. Es spielt keine Rolle, ob sie womöglich fahrlässig in diese Notsituation gekommen sind. Ich kann Ihnen aber versichern, dass sie oft genug von Schleppern unter Erpressung ihrer Angehörigen auf dem Mittelmeer entsorgt werden: Erst werden sie Opfer von Menschenhändlern und dann ausgesetzt.

Hätten Sie gedacht, dass hierzulande mal ernsthaft die Frage gestellt werden würde, ob Seenotrettung legitim ist?

Schon 2016 konnte man hinter vorgehaltener Hand die Ansicht hören, dass das Sterben von Menschen der Abschreckung durchaus dienlich sein kann. Gleichzeitig bin ich aber hoffnungsvoll: In Deutschland formiert sich ein Protest gegen die Verrohung der Debatte. Ich glaube, dass die Mehrheit der Deutschen nicht will, dass Menschen ertrinken. Allerdings ist fraglich, wie sehr das der Seenotrettung im Mittelmeer helfen wird. Es sind ja beinahe keine Schiffe mehr unterwegs.

Fürsorge besonders für die ganz Kleinen unter den Migranten: Die Sanitäter an Bord der “Iuventa“ hatten – nicht nur mit dem Versorgen von Wunden – alle Hände voll zu tun. Quelle: Cesar Dezfuli

Wie nehmen Sie heute dieses Deutschland wahr, in dem man vor drei Jahren noch große Schilder mit “Refugees Welcome!“ hochgehalten hat?

Das Verrückte ist, dass es doch heute viel wichtigere Themen rund um die Flüchtlinge gibt, die schon im Land sind: Wie wäre es, wenn sich unser neu geschaffenes Heimatministerium mal mit dem Wohnungsbau befassen würde? Das würde allen helfen. Tatsächlich schieben unsere Politiker ihre Verantwortung ab.

Würden Sie Herrn Seehofer gern mal einen Tag lang auf dem Mittelmeer mitnehmen?

Jedem würde es helfen, mal mitzufahren und sich das anzuschauen. Der humanitäre Blick ist verloren gegangen. Wir müssen endlich wieder begreifen, dass wir über Menschen sprechen.

Sammelt der Verein Jugend Rettet Geld für eine „Iuventa 2“?

Wir diskutieren viel: Wollen wir vor ein europäisches Gericht ziehen, um unser Schiff wiederzubekommen? Oder sollten wir versuchen, mit einem neuen loszufahren? Oder wollen wir stärker politisch arbeiten? Eines ist aber klar: Durch die Stilllegung der “Iuventa“ wurde unser Verein stark in seiner Handlungsfähigkeit geschwächt.

Ist ein anderer Benedikt Funke vom Mittelmeer zurückgekommen als der, der 2016 losgefahren ist?

Natürlich. Diese Erfahrungen haben mich verändert. Ich war immer politisch, aber nun bin ich noch stärker politisiert.

Würden Sie selbst wieder losfahren?

Jederzeit. Aber das steht momentan nicht zur Debatte. Vor allem wäre es mir lieber, wenn wir nicht losfahren müssten.

Ist Spanien das neue Italien? Die Fluchtrouten verlagern sich nach Westen

Neues Ziel für Flüchtlinge? Rettungshelferin in Spanien. Quelle: AP/Marcos Moreno

Die neuesten Zahlen des UN-Flüchtlingshilfswerkes UNHCR scheinen eine kleine Wende im Mittelmeer zu markieren. Erstmals seit Beginn der Flüchtlingskrise 2015 sind in diesem Sommer mehr Flüchtlinge in Spanien angelandet als in Italien. Das hat sich an der Lage im Mittelmeer geändert:

Die tödlichste Route: Mehr als 1500 Migranten sind seit Jahresbeginn im Mittelmeer ertrunken – eine alarmierend hohe Zahl angesichts des Rückgangs der Migrantenzahl insgesamt. Das UNHCR macht Menschenschmuggler dafür verantwortlich, weil sie immer gefährlichere Überfahrten in immer weniger seetauglichen Booten organisieren. Das UNHCR fordert, dass die Schmugglernetzwerke zerschlagen werden.

Neue Herkunftsländer: Laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) stammt der Großteil der Migranten aus afrikanischen Krisenländern südlich der Sahara sowie aus Marokko, Mali und Mauretanien. Die meisten kommen über den Landweg von Mali oder Niger über Algerien nach Marokko – von dort aus stechen sie nach Spanien in See. Durch das Alborán-Meer oder die Straße von Gibraltar gelangen sie an die andalusische Küste. Zwischen Nordafrika und Europa liegen dort teilweise nicht einmal 15 Kilometer.

Neue Wege: Die IOM nimmt an, dass die Route über das westliche Mittelmeer eine zusätzliche und keine alternative zu der zentralen Mittelmeerroute von Libyen aus ist. „Es ist aber offensichtlich, dass es Migranten gibt, die schon in ihrem Herkunftsland entscheiden, Marokko zu passieren. Vielleicht weil sich herumspricht, wie gefährlich Libyen ist“, sagt IOM-Sprecher Flavio Di Giacomo. Zudem werden die Migrantenströme von Niger aus nach Marokko oder Algerien umgeleitet. Niger ist südliches Nachbarland von Libyen und Algerien, die Stadt Agadez der Dreh- und Angelpunkt der Migrationsbewegungen in der Region. Niger hatte zuletzt die Reise nach Libyen deutlich erschwert, Grenzkontrollen verschärft und das Geschäft der Schleuser vor Ort für illegal erklärt.

Die italienische Politik: Die alte sozialdemokratische Regierung hat durch starke Unterstützung der libyschen Küstenwache seit Sommer 2017 dafür gesorgt, dass weniger Migranten über die zentrale Mittelmeerroute kommen. Der neue rechte Innenminister Matteo Salvini greift zudem etwa mit Hafensperren für Rettungsschiffe noch härter durch.

Die Veränderung der Flüchtlingsrouten im Mittelmeer Quelle: dpa

Spanien, das neue Italien? Danach sieht es zurzeit nicht aus. Die Zahlen für Spanien sind immer noch sehr gering im Vergleich zu denen aus Italien im Vorjahr. Dort kamen in den ersten sieben Monaten 2017 rund 95 000 Menschen an, dieses Jahr nur noch 18 500. In Spanien waren es bis August etwa 23 500, mehr als doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum.

Die spanischen Exklaven: In der Nähe der nordafrikanischen Exklaven Ceuta und Melilla harren Tausende Afrikaner aus, die auf europäisches Territorium gelangen wollen. Das gelingt aber nur wenigen. Seit Jahresbeginn konnten nach Angaben des Innenministeriums 571 Menschen den doppelten Grenzzaun nach Ceuta stürmen.

Marokkos Rolle: Die Lage in Marokko ist unübersichtlich. Niemand weiß genau, wie viele Migranten sich im Land aufhalten. Das Innenministerium in Rabat schätzt, dass es etwa 18 000 sind. In Libyen halten sich laut IOM dagegen knapp 680 000 auf. Die Menschen, die in Marokko in die Boote steigen, kommen teils aus denselben Ländern wie diejenigen in Libyen: aus Nigeria, dem Senegal oder Kongo. Fast alle gelangen über die mehr als 1000 Kilometer lange Wüstengrenze mit Algerien ins Land, weshalb beide Länder im Streit liegen.

Die libysche Küstenwache: Sie agiert im Sinne der europäischen Regierungen und hat, vor allem mit italienischer Hilfe, die Zahl der von ihr abgefangenen Migranten drastisch erhöht. Bis Ende Juli waren es laut IOM etwa 12 000 Menschen. Anders als in Europa werden sie in Libyen nicht in Aufnahme-, sondern in Gefangenenlager geschickt. Das UNHCR will in Kürze ein erstes eigenes Auffangzentrum in Libyen eröffnen. Dort können etwa 1000 Menschen bis zur Umsiedlung in ein Drittland leben. Für Wirtschaftsmigranten ist das Zentrum nicht gedacht. Sie können weiter mithilfe der IOM in ihre Heimat zurückkehren. Seit Januar 2017 nutzten rund 30 000 Migranten das Angebot.

Die Balkanroute: Die Lage auf dem Balkan bleibt angespannt. Rund 60 000 Zuwanderer hielten sich in der Region auf, sagt der Schlepperexperte des österreichischen Bundeskriminalamts, Gerald Tatzgern. “Es sind teils Menschen, die sich dort schon seit Längerem eingerichtet haben, oder teils erst jüngst via Griechenland eingetroffen sind.“ Dem Roten Kreuz zufolge sind etwa in Bosnien-Herzegowina seit Jahresbeginn 8000 Menschen eingetroffen, achtmal so viele wie 2017.

Von Stefan Stosch

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